Jim Rakete
Interview
art: Herr Rakete, woher kommt eigentlich Ihre Spezialisierung auf Porträts?
Jim Rakete: Ich habe am Anfang viel für Tageszeitungen gearbeitet und habe diese Arbeit immer besser gemacht als anderes. Nach einer Weile wurde ich immer öfter damit beauftragt Menschen zu fotografieren: Musiker, Künstler, völlig egal.
Sie sind viel international unterwegs – ist Berlin da nicht eine schrecklich öde Stadt, besonders was die Gesichter betrifft?
Nein, das finde ich überhaupt nicht. Die Ausstellung ist da auch ein klares Signal: Wir sind mit einem Nicht-Starsystem immer sehr gut gefahren. Wir haben die roten Teppiche nicht zu früh ausgerollt. In anderen Ländern ist der Abstand zwischen der Elite und den normalen Menschen viel zu groß. Da haben zwar die Künstler in ihren dicken Villen hinter hohen Zäunen ihre Ruhe, aber die Ideen, die sie produzieren, werden nicht so direkt überprüft wie in Berlin. In Berlin gibt es einen direkten Kontakt zwischen den Produzenten, dem Output und den Konsumenten.
Was macht ein gutes Porträtfoto aus?
Eines, das man sich merkt.
Was kostet ein echter Rakete-Abzug hier in der Galerie?
Keine Ahnung.
Und wie teuer ist es, sich von Jim Rakete fotografieren zu lassen?
Ich habe alle Personen für diese Ausstellung fotografiert, bis auf den letzten Raum, die Legendenabteilung. Das sind Arbeiten, die über die Jahre entstanden sind. Die Idee der Ausstellung war: einfach noch einmal die Kamera auf das deutsche Personal zu halten, in diesem Fall die Plattenkamera. Dafür hatte ich keinerlei Unterstützung. Niemand hat dafür etwas bezahlt. Mich haben noch nie Leute dafür bezahlt, dass sie fotografiert werden.
Welche Beziehung haben Sie als Fotograf zu ihren Modellen? Ist das eine Art Fan-Beziehung?
Das ist eine merkwürdige Frage! Finden Sie, dass ich im vorgerückten Alter von 57 Jahren zum Fan tauge? Unter einem Fan verstehe ich einen Vierzehnjährigen, der ein Autogramm von einem Popstar auf seine Schulmappe haben will. Für mich ist Fantum etwas Kritikloses. Ich stehe keinem der hier Fotografierten kritiklos gegenüber.