68er-Plakate

Museum Folkwang

"Kreativität gegen Kapitalismus!"
Jürgen Holtfreter, Ulrich Bernhardt: "Alle reden vom Wetter. Wir nicht. SDS Sozialistischer Deutscher Studentenbund", Stuttgart, 1968; Nachdruck 1969 (© Deutsches Plakat Museum, Foto: Jens Nober)

"KREATIVITÄT GEGEN KAPITALISMUS!"

In seiner Ausstellung "Politik, Pop und Afri-Cola. 68er Plakate" zeigt das Deutsche Plakat Museum in Essen wie sich Vietnamkrieg, Studentenbewegung und Auflehnung gegen gesellschaftliche Grundwerte im Medium Plakat widerspiegeln. Klaus Staeck, 69, Deutschlands bekanntester Plakatkünstler und seit 2006 Präsident der Akademie der Künste zu Berlin, lässt für art die wilden 68er noch einmal aufleben.
// KLAUS STAECK

Den stärksten Eindruck haben bei mir die Pariser Mai-Plakate hinterlassen, die im Zentrum der französischen 68er-Bewegung entstanden sind. Dann natürlich auch die berühmten Plakate von Che Guevara und zu Afri-Cola, die zu Ikonen der Plakatkunst wurden.

Ich selbst habe ständig versucht, meine satirischen Plakate so legal wie möglich unter die Leute zu bringen. Der Bürger, den ich erreichen will, wittert bei illegalen Plakatieraktionen sonst sofort die Revolution. Meine Plakate sollen zunächst wie ganz normale Werbeplakate wirken. Erst beim zweiten oder dritten Blick wirkt das subkutane Gift! Dass ich inzwischen 41 Mal verklagt wurde, ist auch ein Beweis, dass meine Plakate stören und ernst genommen werden. Mein Plakat "Alle reden vom Frieden. Wir nicht." brachte mir damals allein sechs Prozesse ein. Der ursprüngliche Slogan "Alle reden vom Wetter. Wir nicht." stammte von einer Bahnwerbung und wurde zunächst von der Stuttgarter Gruppe "Plakat" mit den Porträts von Marx, Engels und Lenin versehen. Bei meinen Prozessen konnte ich mich stets auf das Bundesbahnplakat berufen. Man kann ja auch der Bundesbahn nicht unterstellen, dass sie für schlechtes Wetter sei.

Der Tod des klassischen Plakats wurde schon zigmal vorausgesagt, eingetreten ist er bisher nicht. Die Werbeagenturen und deren Kunden würden nicht weiterhin viel Geld für Plakatwerbung ausgeben, wenn sie von einem messbaren Erfolg nicht überzeugt wären. Und geht man heute mit offenen Augen durch die Städte, dann ist eine Plakatflut nicht zu übersehen. In Zukunft muss sich dieses Medium vor allem gegen die auch durch das Internet veränderten Sehgewohnheiten der Menschen behaupten. Wenn die Bilder ständig schneller werden, hat das Plakat als starres Medium seine Chance.

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