Stephen Kovats

Transmediale 2008

Konspirative Medienkunst
"Conspire": "Es geht darum, mit Künstlern zu arbeiten, die in ihrer Arbeit mit aktuellen Verschwörungstheorien umgehen, sei es kritisch oder in einer anderen Form von Auseinandersetzung", sagt Stephen Kovats, künstlerischer Leiter der Transmediale.08 (Foto: transmediale.08)

KONSPIRATIVE MEDIENKUNST

Am 29. Januar beginnt in Berlin wieder die Transmediale, das internationale Festival für Kunst und digitale Kultur. In diesem Jahr übernahm der kanadische Architekt Stephen Kovats die künstlerische Leitung. Kovats war zuvor Chefkurator am V2_Institute for the Unstable Media in Rotterdam. art sprach mit ihm über die Zukunft der digitalen Kultur, die Krise der Medienkunst – und das diesjährige Thema "Verschwörung".

// KITO NEDO

art: Wie wird man als studierter Architekt Leiter eines Medienkunstfestivals?

Stephen Kovats: Der Raum und dessen Strukturen haben mich schon immer interessiert. Das hat viel mit Fotografie und Medien zu tun. Doch zur multidisziplinären Medienkunst bin ich über Umwege gelangt. Am Tag der Wiedervereinigung 1990 kam ich ursprünglich nach Deutschland, um in Dessau ein Architektur- und Urbanismusprogramm über die Transformationsprozesse in Deutschland zu initiieren. Dieses Programm hat sich schnell erweitert, wurde multidisziplinär und internationaler: Plötzlich hatten wir sehr viel mit Medien im Sinne von Bild- und Raumwahrnehmung zu tun. Letztlich wollte ich herausfinden, welche Rolle die Medien überhaupt im gesamten Transformationsprozess in Osteuropa gespielt haben. Das schloss künstlerische, kulturelle und politische Standpunkte mit ein. Ein Teil dieser Arbeit war die Veranstaltung des dreiteiligen Festivals "Ostranenie" in den neunziger Jahren – das war mein Einstieg in diesen sehr multidisziplinären Bereich, der ja auch mit Urbanismus, Design und Architektur zu tun hatte, die durch Medien miteinander verbunden sind. Seitdem beschäftige ich mich sowohl mit künstlerischen, als auch mit architektonischen Themen. Dass ich nun als Architekt die Transmediale leite, scheint mir ziemlich selbstverständlich, denn das ist ja auch ein Bauprozess: Man baut eben keine Häuser, sondern ein Festival.

Müssen die Architekten in Bezug auf den Umgang mit digitalen Medien von den Künstlern lernen?

Ich glaube nicht, dass Künstler ein Vorbild für Architekten sind. Es scheint mir eher, dass es manchmal genau andersherum ist. Es gibt viele Architekten, die in ihrer experimentellen Auseinandersetzung mit den elektronischen und digitalen Medien sehr weit gekommen sind. Es kommt wirklich darauf an, welche Einstellung jemand besitzt. Der Bereich der Architektur ist genau so diffus wie der Bereich der Kunst. Es gibt Architekten, die, wenn man das so formulieren will, eigentlich Medienkünstler sind. Architektur und Kunst – diese beiden Felder überschneiden sich. Viele der interessanteren Künstler haben ja auch Architektur studiert. Man lernt sehr viel über Raum, Bewegung und Struktur. Wer nicht unbedingt in die Industrie der Architektur einsteigen will, sondern weiterhin die künstlerische und experimentelle Auseinandersetzung mit den architektonischen Grundprinzipien sucht, der wird im Prinzip zum Künstler. Doch für die Architekten ist das Teil eines Ganzen. Architektur besteht nicht nur aus Bautechnologie, sondern auch aus der konzeptuellen Auseinandersetzung mit Raum, was natürlich auch gesellschaftliche und politische Kontexte berührt. Hier gibt es eine Gemeinsamkeit mit dem Kernpunkt der Transmediale: Es geht nur in zweiter Linie um die innovativste Software oder ähnliches, sondern vorrangig um die experimentelle Auseinandersetzung mit dem ganzen Kontext der digitalen Kultur.

Das diesjährige Festival beschäftigt sich mit dem Thema Verschwörung. Wie konspirativ kann man auf einer öffentlichen Veranstaltung eigentlich sein?

Wir wollen natürlich mit der Idee des konspirativen Handelns spielen und auch ein paar Offenbarungen liefern. Wie funktionieren die Methoden der Konspiration, in welchen Atmosphären finden sie statt? Es soll die Möglichkeit geben, hier zu lernen, zu studieren und sich strategische Dinge anzueignen. Wie kann man selbst ein konspiratives Ereignis erfinden und dies als künstlerische Praxis etablieren? Der ganze Bereich der Spekulation ist so schwer fassbar: Man nimmt bestimmte Geschichten wahr und erklärt sie zur Unwahrheit. Im Prinzip bleibt es dann dort, auf dieser spekulativen Ebene. Wir wollen da etwas nachfassen und uns mit dem "Warum" beschäftigen. Wie kann man diese Phänomene auseinander nehmen und anschließend anders benutzen, sie in einem kreativen Prozess umbauen? Das ist die strategische Seite. Auf der anderen Seite geht es darum, mit Künstlern zu arbeiten und zu diskutieren, die in ihrer Arbeit mit aktuellen Verschwörungstheorien umgehen, sei es kritisch oder in einer anderen Form von Auseinandersetzung.

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