Lisa Yuskavage
Aktbilder
DIE MEISTERIN DES OBSZÖNEN
Diese Bilder sind eine Zumutung. Die Frauen von Lisa Yuskavage haben dämliche Stupsnasen und schwere Brüste, die sie dem Betrachter entgegenstrecken. Ihre Hinterteile sind so prall, dass sie den Slip zu sprengen drohen. Eine Schwangere in reifer Fülle masturbiert. Ein gesichtsloses Blondchen spreizt die Beine.
In Anlehnung an Werke des barocken Bildhauers Giovanni Lorenzo Bernini zeigen einige ihrer neueren Arbeiten Frauenpaare in eng umschlungenen Posen. So recht weiß man nicht, ob es sich um einen erotischen Akt handelt oder ob die beiden zu pornografischen Aufnahmen gezwungen wurden. Und das alles ist im Stil der Rokokomaler in Bonbonfarben gehalten, was den Bildern die Aura von Kalenderblättern aus dem Erotikversandhaus verleiht.
Von dem Menschen Yuskavage wurde einige Zeit ähnliches wie von ihren Bildern behauptet. Sie sei zu laut, zu vulgär, zu aggressiv. Eben einfach eine Zumutung. Die Arbeiten der 45-jährigen Amerikanerin tragen Titel, die nach Aufmerksamkeit schreien wie "Tittenhimmel" ("Tit Heaven", 1992), "Kleiner Wichser" ("Wee Motherfucker", 1996) oder "Brut" ("Brood", 2005/06).
Neben ihrem alten Studienfreund John Currin zählt sie zu den führenden Künstlern, die das Thema Kitsch bis zur Schmerzgrenze beackern. Sie ist die Meisterin des Obszönen und in den USA längst ein Markenname. Wie Martin Eder, der deutsche Vertreter neoanzüglicher Kunst, erzählt auch Yuskavages Erfolg viel über die Zeit, in der wir leben. Ihre Arbeiten sind leicht konsumierbar. Sie attackieren den Betrachter. Sie machen ihn an – und verpassen ihm gleich im Anschluss die kalte Dusche. Es ist ironische Kunst, die sich zynisch selbst zu verspotten scheint.
Lange Zeit wurde Yuskavage von Currin und seinem Erfolg überschattet. Im Mai vergangenen Jahres überholte sie ihn. Erst wurde das Bild "Honeymoon" von 1998 bei Sotheby’s in New York für mehr als eine Million Dollar versteigert. Bei Christie’s in New York wurde ein Jahr später für ihre schweinchennasige Dame mit Silikonbusen aus "Nacht" (1999/2000) mit 1,4 Millionen Dollar der Rekord für die Künstlerin gebrochen. Die horrenden Preise machten manche Experten regelrecht fassungslos. Sie fragen sich, ob klebrig-verkitschte Softpornos neuerdings zu den Höhepunkten der zeitgenössischen Kunst zählen. Dass sich die Amerikanerin ausgerechnet Pin-Up Girls als Thema vorgeknöpft hat, macht sie auch bei jungen Sammlern pupulär.

