Santa's Ghetto

Bethlehem

Banksy in Bethlehem
Banksy, "Cherub", 2007 (Foto: Santa's Ghetto)

BANKSY IN BETHLEHEM

Jedes Jahr pilgern Gläubige zur Weihnachtszeit nach Bethlehem um die Geburt Jesu Christi zu feiern. In diesem Jahr haben sie eine ungewöhnliche Begleitung: die Street-Art-Gemeinde.
// ALAIN BIEBER

In einem ehemaligen Hähnchen-Imbiss, direkt gegenüber der Geburtskirche – der Kirche, die über der vermeintlichen Geburtsstätte Jesu errichtet wurde – findet dieses Jahr die von Banksy und Freunden organisierte Ausstellung "Santa’s Ghetto Bethlehem 2007" statt.

Und wie es sich für Street Artists gehört, kann eine solche Ausstellung natürlich nicht nur in einem Raum stattfinden, sondern braucht auch Mauern. Und davon gibt es in Bethlehem genügend: Gerade mal einen Steinwurf entfernt, erhebt sich die 759 Kilometer lange israelische Sperranlage, die Israel von den palästinensischen Autonomiegebieten trennt. Diese Sperranlage besteht aus Metallzäunen mit Stacheldraht, Gräben, Wachtürmen – und einer 25 Kilometer langen und acht Meter hohen Betonmauer.

"Das ist die weltgrößte, weiße Leinwand", sagte Banksy der BBC. "Meine Hoffnung ist, dass wir sie mit ein paar Sprühdosen in das größte Kunstwerk der Welt verwandeln können – und viel wichtiger: in das kurzlebigste." Seit Tagen wird die Wand immer bunter: Banksy selbst sprühte und klebte eine Friedenstaube in schusssicherer Weste und eine Ratte, die eine Steinschleuder auf die Mauer richtet. Der italienische Künstler Blu malte einen von einer hohen Mauer umgebenen Weihnachtsbaum, inmitten von Baumstümpfen – sowie einen Weihnachtsmann, der mit einem Bagger Mauerstücke beseitigt. Und der amerikanische Agit-Pop-Veteran Ron English klebte "Mickey Mouse"-Porträts im Palästinenser-Look und dem Spruch "You are not in Disneyland anymore" auf die Mauer.

Das Ziel der ganzen Aktion: Die bemalte Mauer und Ausstellung sollen die Aufmerksamkeit auf Bethlehem lenken und den Tourismus ankurbeln. Nur 340 000 Besucher kamen in diesem Jahr von Israel nach Bethlehem. Auch Raphael Ben-Hur, zuständig für Pilgerreisen im israelischen Tourismusministerium, sagt: "Wir glauben, dass Pilger eine Brücke des Friedens zwischen uns und unseren Nachbarn sind." Ob diese Pilger nun wegen Jesus oder Banksy kommen, ist zweitrangig. "Ich mag den Gedanken, dass Vandalismus die lokale Wirtschaft unterstützt", sagte Banksy der britischen Zeitung "Daily Telegraph". "In England beschweren sich immer alle, dass Graffiti den Steuerzahler Millionen kostet, dabei ist das völliger Schwachsinn. Graffiti sind kostenlos. Alles wieder grau zu streichen kostet so viel Geld."

An Heiligabend findet die Versteigerung statt, und die Auktionäre nehmen nur schriftliche Gebote an. Angeblich haben Sammler bereits bis zu 500 000 Dollar für ein Banksy-Bild geboten. Die Erlöse aller Verkäufe werden lokalen Hilfsprojekten gespendet.

Eine Sprecherin von Banksy gab nun bekannt, dass sich auch ein amerikanischer Sammler gemeldet habe, der für ein Bethlehemer Mauerstück mit dem Werk von Banksy 150 000 Dollar bezahlen möchte. Und so verschwindet die Mauer vielleicht doch bald sehr schnell: Aufgekauft – und verschifft in US-amerikanische Sammlermuseen.

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2 Leserkommentare vorhanden

4rtist.com#─────██████████════█

18:18

21 / 12 / 07 // 

bitte graffiti + streetart trennen und den in

deutschland überwiegend verwendeten , Suchmaschinen optimierten Begriff verwenden. Er bringt Dir auch mehr 6OO6LE klicks auf Deinen blog. (ohne bringt mir ca 4 mal mehr klicks bei fast gleichen Plazierungen) Desweiteren ist auch für manches der Begriff Mural angebracht. WWW.6reetings\_from\_\_\_\_\_-\_-\_\_\_\_.4rtist.com

Jacques in London

20:31

01 / 03 / 09 // 

Neuster Banksy in London

Seit 10 Tagen gibt es in Hackney das neuste Werk von Banksy zu begutachten: http://jacquesinlondon.wordpress.com/2009/03/01/neuer-banksy-gilette-square-dalston/ lg J

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