Niklas Maak, "Frankfurter Allgemeine Zeitung", Frankfurt

1. "Artempo" im Palazzo Fortuny in Venedig. Eine Ausstellung, die nicht nur fantastische, klug einander zugeordnete Kunstwerke von der Antike bis zur Gegenwart zeigte, sondern am Beispiel von historischen und modernen Körperbildern präzise vorführte, was die "Migration der Formen" bedeuten könnte, von der auf der Documenta 12 immer nur die Rede war.

2. All die mit so wenig überzeugender Kunst angefüllten Großausstellungen des so genannten "Kunstsommers 2007" – vor allem aber die Kunst-Biennale in Venedig. Die Kunst wurde – im Gegensatz zu früheren Biennale-Projekten wie der "Utopia Station" von 2003 – sehr konventionell, fast museal präsentiert, als sei sie schon Teil der Vergangenheit, und vieles sah so unentschlossen aus, als hätten die Künstler nach zahllosen Messe- und Ausstellungsauftritten entkräftet ihre letzten herumliegenden Ideen zusammengefegt und in die Giardini gebracht. Das übergroße Interesse an neuer Kunst erzeugt offenbar einen Druck auf ihre Produzenten und Kuratoren, der den Werken nicht immer bekommt.

3. Miranda July. Die 1974 geborene kalifornische Künstlerin begann ihre Karriere mit vielversprechenden kleinen Videoarbeiten. Dann ging sie nach Hollywood und drehte dort einen Film, der "Me and you and everyone we know" heißt, von einer erfolglosen jungen Videokünstlerin handelt und gleich eine Goldene Kamera in Cannes gewann. Und als man schon dachte, July wäre unter die Filmemacher gegangen, schrieb sie im vergangenen Jahr den zu Recht gefeierten Erzählungsband "No one belongs here more than you". Die meisten Künstler reflektieren die unterschiedlichsten Themen in einem Medium. Miranda July macht es umgekehrt: Sie variiert wenige Themen immer neu in Videoarbeiten, Literatur und Film – und wie gut ihr das gelingt, ist die eigentliche Überraschung.

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2 Leserkommentare vorhanden

Werner Hahn

17:09

23 / 12 / 07 // 

MAHNMAL zur hessischen Landtagswahl 2008

Das Fazit, dass die Documenta 12 „gründlich gescheitert“ ist (Tim Sommer), teilen die meisten KritikerInnen: „Was eine Ausstellung darf und was nicht“ (Ulrike Knöfel) wurde am Beispiel der documenta 12 endlich einmal heftig diskutiert. Nach der d12-Eröffnung hagelte es zunehmend ablehnende und vernichtende Kritiken. Nicht nur einer meinte, nun sei der Zeitpunkt gekommen, mit dem Unternehmen documenta Schluss zu machen. Solche Bemerkungen müssen ernst genommen werden. Siehe hierzu im Internet das „MAHNMAL der 101 documenta-Verrisse zur Landtagswahl in Hessen 2008: Änderung der KUNST-Politik ist gefragt! Documenta-REFORM – Stillstand überwinden!“ Monumente zur Erinnerung an die misslungene documenta 12 (BUERGELiade) – „memorial“ gegen die Willkür im staatlich geförderten Kunstbetrieb. Die Titel der 101-Verrisse-Dokumentation: 1. "DOCUMENTA-DEMOKRATISIERUNG tut not: documenta12-Verrisse" und 2. "Documenta am Ende: Verrisse zur gescheiterten documenta 12 – Teil 2. Schönfärberei und Kritikerschelte („Lynchmob“, „Rülpswettbewerb“) durch den BUERGELiade-Chef".

Werner Hahn

10:13

31 / 01 / 08 // 

Permanentes Dilemma: QUALITÄT der Kunstmarkt-Künstler

Qualitätskriterien sind gegenwärtig (mehr als früher) in erster Linie der Exzess, die Schockierung, die Provokation, die Verblüffung. Mit Effekthascherei operierte auch die kläglich gescheiterte BUERGELiade (siehe Internet: Mahnmal der 101 Verrisse). Begriffe wie "Kunst" und "Qualität" erscheinen obsolet; NICHT-Kunst, ANTI-Kunst werden staatlich gefördert; siehe z.B. Adria: Essen/Kochen als „Kunst“ (d12-Katalog). BASELITZ propagierte in der „Kunst“-Szene das Hässliche anstatt das Schöne. Kunstmarkt-Künstler kann man heutzutage dadurch werden, dass man sich durch eine Staatsanwaltschaft Bilder als Pornografie beschlagnahmen lässt: Male ein onanierendes Rumpelstilzchen mit grotesk verlängertem Genital! Ist man bekannt, dreht man seine Werke kurzerhand auf den Kopf (Masche). Erstling der „Kopfstand-Bilder“ war ein 1969 gemaltes BASELITZ-Waldmotiv. Diese „Verdrehung“ (180-Grad-Drehung) wird „Kunst“-Markt-Markenzeichen. Am Ende der „Karriere“ erfindet man ein Konzept des „Remix“; herzu werden frühere Werke erneut gemalt und im „Kunst“-Handel verkauft. Eine linke Marotte kann einem Kunstmarkt-Skandaleur förderlich sein. Der Kunstkompass („Capital“) sorgt garantiert für einen guten Platz unter „bedeutendsten Künstlern“!

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