Pilippe Dagen, "Le Monde", Paris

1. Ganz ohne Zögern die Retrospektive von Annette Messager im Centre Pompidou. In einer überragenden Inszenierung spaziert der Besucher durch ein Labyrinth der Überraschungen, vom Burlesken ins Tragische und vom Sexuellen ins Poetische. Messager etabliert sich damit endgültig als eine Vertreterin der Sonderklasse unter jenen, die eigene Biografie und persönliche – und gleichzeitig universelle – Chronik zu ihrem Arbeitsmaterial machen.

2. Die neunte Lyon-Biennale, die langatmig, konfus, ohne jeglichen Zusammenhalt und ohne klare Haltung in durcheinander gewürfelte kleine Einzelstände meist mittelmäßiger Qualität zerfällt. Wo man von einer Veranstaltung dieses Niveaus doch kohärente Vorschläge und gezielte Auswahl erwarten sollte, wie sie etwa die diesjährige Biennale in Venedig bot. Die Verweigerung einer Auswahl wurde in Lyon auf den Gipfel getrieben: schnell gemacht, schnell angeschaut und noch schneller wieder vergesssen.

3. Agathe May hat bis heute sehr wenig ausgestellt. Ihre Arbeit entzieht sich jeder Aktualität: Sie arbeitet mit Grafik, jeder Abzug ist handcoloriert. In befremdlichen Kompositionen liefern ihre Bilder eine dezidierte Chronik des täglichen Lebens, meist in Porträts heranwachsender Mädchen, die sie durch formale Konzentration aufs Wesentliche in Embleme unserer heutigen Welt verwandelt. Ihre Arbeit ist stimmig und von formaler Meisterschaft.

Kommentieren Sie diesen Artikel

2 Leserkommentare vorhanden

Werner Hahn

17:09

23 / 12 / 07 // 

MAHNMAL zur hessischen Landtagswahl 2008

Das Fazit, dass die Documenta 12 „gründlich gescheitert“ ist (Tim Sommer), teilen die meisten KritikerInnen: „Was eine Ausstellung darf und was nicht“ (Ulrike Knöfel) wurde am Beispiel der documenta 12 endlich einmal heftig diskutiert. Nach der d12-Eröffnung hagelte es zunehmend ablehnende und vernichtende Kritiken. Nicht nur einer meinte, nun sei der Zeitpunkt gekommen, mit dem Unternehmen documenta Schluss zu machen. Solche Bemerkungen müssen ernst genommen werden. Siehe hierzu im Internet das „MAHNMAL der 101 documenta-Verrisse zur Landtagswahl in Hessen 2008: Änderung der KUNST-Politik ist gefragt! Documenta-REFORM – Stillstand überwinden!“ Monumente zur Erinnerung an die misslungene documenta 12 (BUERGELiade) – „memorial“ gegen die Willkür im staatlich geförderten Kunstbetrieb. Die Titel der 101-Verrisse-Dokumentation: 1. "DOCUMENTA-DEMOKRATISIERUNG tut not: documenta12-Verrisse" und 2. "Documenta am Ende: Verrisse zur gescheiterten documenta 12 – Teil 2. Schönfärberei und Kritikerschelte („Lynchmob“, „Rülpswettbewerb“) durch den BUERGELiade-Chef".

Werner Hahn

10:13

31 / 01 / 08 // 

Permanentes Dilemma: QUALITÄT der Kunstmarkt-Künstler

Qualitätskriterien sind gegenwärtig (mehr als früher) in erster Linie der Exzess, die Schockierung, die Provokation, die Verblüffung. Mit Effekthascherei operierte auch die kläglich gescheiterte BUERGELiade (siehe Internet: Mahnmal der 101 Verrisse). Begriffe wie "Kunst" und "Qualität" erscheinen obsolet; NICHT-Kunst, ANTI-Kunst werden staatlich gefördert; siehe z.B. Adria: Essen/Kochen als „Kunst“ (d12-Katalog). BASELITZ propagierte in der „Kunst“-Szene das Hässliche anstatt das Schöne. Kunstmarkt-Künstler kann man heutzutage dadurch werden, dass man sich durch eine Staatsanwaltschaft Bilder als Pornografie beschlagnahmen lässt: Male ein onanierendes Rumpelstilzchen mit grotesk verlängertem Genital! Ist man bekannt, dreht man seine Werke kurzerhand auf den Kopf (Masche). Erstling der „Kopfstand-Bilder“ war ein 1969 gemaltes BASELITZ-Waldmotiv. Diese „Verdrehung“ (180-Grad-Drehung) wird „Kunst“-Markt-Markenzeichen. Am Ende der „Karriere“ erfindet man ein Konzept des „Remix“; herzu werden frühere Werke erneut gemalt und im „Kunst“-Handel verkauft. Eine linke Marotte kann einem Kunstmarkt-Skandaleur förderlich sein. Der Kunstkompass („Capital“) sorgt garantiert für einen guten Platz unter „bedeutendsten Künstlern“!

Abo