Akt Now!

Aktfotografie

AKT NOW: Arnis Balcus
Arnis Balcus: "Celosia, Bombay", 2006, aus der Serie "Flowers"

AKT NOW: ARNIS BALCUS

Unsere Serie präsentiert jede Woche die besten Aktbilder internationaler Fotografen. Diesmal: der in Riga lebende Künstler Arnis Balcus.

Herr Balcus, was reizt Sie an dem Thema Akt?

Der Körper im Allgemeinen. Neben dem visuellen Vergnügen, strahlt er etwas Kraftvolles aus. Er ist ein künstlerisches Werkzeug, das in vielerlei Hinsicht benutzt werden kann: Er kann etwas über die Person oder eine bestimmte Gesellschaft erzählen.

Nacktheit hat jedoch nicht automatisch etwas mit Intimität zu tun; sie kann auch eine Form der Verzierung oder für Spekulierungen bei dem angesprochenem Betrachter sorgen. Ich benutze die Nacktheit in verschiedener Weise und aus unterschiedlichen Gründen.

Wie weit würden Sie gehen? Gibt es Tabus?

Wenn ich mit Menschen zusammenarbeite, setze ich keine Tabus. Ich denke einfach nicht darüber nach, sondern mache einfach Bilder von den Dingen, die ich in dem Moment als wichtig erachte. Erst im Nachhinein fällt mir dann auf, dass die Fotografien durchaus polarisierend wirken können.

Wann wird ein Akt zum Kunstwerk?

Das ist schwierig zu beantworten. Die Frage kann man sich bei jeder Art von Bild stellen, nicht nur beim Akt. Wir haben alle unterschiedliche Ansichten darüber, was eigentlich Kunst ist, abhängig von unseren eigenen Erfahrungen, persönlichem Geschmack und Hintergrund. Zeig mir einfach ein Bild, und ich sag dir, ob es für mich Kunst ist oder nicht.

Gibt es inspirierende Vorbilder für Sie?

Ja. Doch das hat sich genau wie meine Arbeit über die Zeit hinweg geändert. Als ich angefangen habe zu fotografieren, war ich sehr von Robert Mapplethorpe, Ivan Pinkava und Cindy Sherman beeinflusst. Später waren es dann Wolfgang Tillmans, William Eggleston und Nan Goldin. Momentan bin ich sehr fasziniert von Larry Sultan, Mitra Tabrizian und Alexander Gronsky. In den letzten Jahren finde ich meine Inspiration auch bei Filmen, hauptsächlich die der französischen Nouvelle Vague und sowjetischer Dramen.

Mit welchen Themen beschäftigen Sie sich außerdem?

Ich bin an Geschichte und an der daran anknüpfenden Erinnerung interessiert, vor allem wie die Menschen in der ehemaligen Sowjetunion gelebt haben. Dieses Thema war in Lettland ein größeres Tabu als Nacktheit. Doch nach und nach wollen sich die Menschen an diese Zeit erinnern. Genau deswegen arbeite ich seit den letzten drei Jahren an der Serie "Amnesia", in der ich den Alltag der sowjetischen Bevölkerung rekonstruiere.

Welches Projekt würden Sie gerne einmal realisieren?

Ich habe gerade angefangen, mich mit der ökonomischen Krise in Lettland auseinanderzusetzen und wie diese Landschaft und Land im Allgemeinen beeinflusst. In Lettland gibt es beispielsweise sehr viele "Geisterstädte", einst als Paradies versprochen und durch den Einbruch des Marktes nicht fertiggestellt. In einer bestimmten Weise erinnern sie an die unfertigen Wohnblocks nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion.

"Arnis Balcus"

32 Jahre, Ausbildung zum Fotografen und Kommunikationswirt in London und Riga

http://www.arnisbalcus.co.uk

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