André Cadere
Kunsthalle Baden-Baden
MIKADO, MALEREI UND – MATHEMATIK
Sie sind überall zu entdecken, die vielfarbigen Holzstäbe von André Cadere: in den Ecken, an den Wänden, auf dem Boden und weit oben auf der Stuckleiste der Ausstellungsräume. Mit diesen so genannten „Barres de bois rond“, die wie viele Beiträge aus den siebziger Jahren die Grenzen von Skulptur und Malerei hinterfragen, machte sich der in Paris lebende Künstler einen Namen.
Seine Arbeiten bestehen aus einzelnen zylindrischen Segmenten, die er in unterschiedlichen Farben lackierte und zu einem Stab zusammenfügte. Er selbst bezeichnete sie als „Malerei ohne Grenzen“, die in ihren vielfältigen Darstellungsformen den Raum strukturieren. Laut Cadere war die traditionelle Präsentation in einem Ausstellungsraum nur ein Aspekt seiner Arbeit, daneben galt es deren politische und unabhängige Seite herauszustellen.
Indem der Künstler stets einen seiner Stäbe mit sich führte, entschied er selbst, wann und wo er seine Kunst präsentierte. Als „Living Sculpture“ besetzte er auf Spaziergängen nicht nur den urbanen Raum, sondern intervenierte auch an den der Kunst vorbehaltenen Orten. Auf Vernissagen anderer Künstler, tauchte mit einmal ein Objekt Caderes auf. Nahm man ihm seinen Stab am Eingang ab, so entzog er sich auch dieser Reglementierung, indem er eine kleine „Barre“ hineinschmuggelte. Für seine illegale Präsentation im Louvre verschickte er sogar Einladungskarten. In Baden-Baden werden diese Dokumente neben Fotografien, Zeichnungen und Videos gezeigt, um den Ansatz seines Werks zu veranschaulichen.
Zudem gelingt es der Ausstellung mittels der zahlreichen Exponate und einem aufschlussreichen Faltblatt, das Konzept der einzelnen Stäbe zu verstehen – kein leichtes Unterfangen für den Betrachter. Cadere ging bei der Wahl der Farben und der Anordnung der Segmente nicht willkürlich vor. Um 1971 entwickelte der gebürtige Rumäne eine komplexe Methode, die ihn bis zu seinem Tod 1978 mit nur 44 Jahren beschäftigen sollte. Ausgangspunkt seines Konzepts sind zwei Austauschsysteme, die durch bestimmte Regeln eingegrenzt werden: die möglichen acht Farben und die Abmessung - die Elemente eines Stabes müssen das gleiche Volumen besitzen. Der Farbtausch wird immer durch einen Fehler, meist die Umkehrung zweier Farbsegmente, unterbrochen. Dieses System eröffnet eine Vielzahl von möglichen „Barres“ und garantiert zugleich deren Einzigartigkeit.
Mit seinen Interventionen stieß Cadere zunächst auf Unverständnis und Missgunst, doch seine beharrlichen Aktionen zeigten auch den Skeptikern die Machstrukturen des Betriebssystem Kunst auf und reihten sich damit in die institutionskritischen Tendenzen der siebziger Jahre ein. Wie die Arbeiten von Daniel Buren und Hans Haacke macht das Werk Caderes bis heute deutlich, dass ein Künstler dann unabhängig bleibt, wenn er den Markt und die Institution nach seinen eigenen, kritischen Regeln bedient.
"André Cadere – Peinture sans fin"
Staatliche Kunsthalle Baden-Baden, 27. Oktober 2007 – 6. Januar 2008. Weitere Termine: Musée d´Art Moderne de la Ville de Paris (14. Februar 25. Mai 2008), Bonnefantenmuseum Maastrich (2. März – 1. Juni 2008). Katalog: deutsch/englisch/französisch, Verlag der Buchhandlung Walther König, 24 Euro (Museumsausgabe), 32 Euro (Buchandelsausgabe).

