Olafur Eliasson

Berlin

Rückkehr zu den Wurzeln
Olafur Eliassons: "Mikroskop", 2010, Ausstellungsansicht Martin-Gropius-Bau, Berlin (Foto: Robert Schlesinger / dpa)

RÜCKKEHR ZU DEN WURZELN

Olafur Eliassons Ausstellung stellt starke Bezüge zur Stadt Berlin her. Die neuen im Martin-Gropius-Bau gezeigten Arbeiten erinnern an die Anfänge des dänisch-isländischen Künstlers.
// KITO NEDO, BERLIN

Düfte, Nebel, Spiegelungen, Licht, Schatten, Frost oder das Farbspektrum des Regenbogens – solche Naturphänomene bilden das Material für Olafur Eliassons sinnliche Kunst.

Spektakuläre Installationen wie die künstliche Sonne in der Turbinenhalle der Londoner Tate Modern (2003/04) oder eine Reihe von künstlichen Wasserfällen entlang des New Yorker East River (2008) haben ihm sogar den Ruf eines Magiers eingetragen, der den abgestumpften Stadtmenschen das Staunen und Schaudern über die erhabene Macht der Naturgewalten zurückgebracht hat.

Doch Eliasson, der 1967 in Kopenhagen geborene Sohn isländischer Eltern, ist alles andere als der letzte Naturmystiker in einer digitalen Ära. In seinem großzügigen Atelier­haus in Berlin werden wie in einem technischen Forschungslabor die Ideen durch ein Team von Architekten, Material- und Lichtspezialisten immer wieder getestet und disku­tiert, bis sie zu Kunst werden – manchmal aber auch zu Design, Architektur oder etwas schwer Definierbarem dazwischen. Auch "Innen Stadt Außen", so der Titel seiner ersten großen institutionellen, von Daniel Birnbaum kuratierten Ausstel­lung in Berlin (Katalog: Verlag der Buchhandlung Walther König, 29 Euro), verweist auf Zwischenräume, die es zwischen Museum und öffentlichem Raum zu überbrücken gilt. Im Erdgeschoss und im Lichthof des Gro­pius­baus werden mehrheitlich neue Arbeiten mit Berlin-Bezug zu sehen sein. Dazu wird Eliasson das Ausstellungshaus zur Straße hin öffnen, soweit es die Architektur zulässt.

Schon Wochen vor der Eröffnung hat er unauffällige Interventio­nen im Stadtraum durchgeführt: Treibholzstämme aus Island auf Fußwegen und in Parks und umherfahrende Pick-ups mit werbetafelgroßen Spiegeln lieferten ungewohnte Stadtansich­ten, sein "Mirror Bike" baute er an einem verrotteten Reststück der Berliner Mauer auf. Statt einer weiteren Blockbuster-Schau kehrt Eliasson zurück zu seinen Anfängen und widmet sich beim Heimspiel der Produktion poetischer Irritationen inmitten hauptstädtischer Tristesse.

"Innen Stadt Außen"

Termin: 28. April bis 9. August 2010, Martin-Gropius-Bau, Berlin. Öffnungszeiten: täglich 10 bis 20 Uhr. Katalog: Verlag der Buchhandlung Walther König, 29 Euro

http://www.berlinerfestspiele.de

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ArtiBerlin

11:47

28 / 04 / 10 // 

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Interessanter Künstler. Wir werden auf jeden Fall auch vorbeischauen! www.artiberlin.de

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