Radar

Angelika Kindermann

Angelika Kindermann über Elmar Lause
Elmar Lause: "Supasupa", 2010, 45 x 100 cm

ANGELIKA KINDERMANN ÜBER ELMAR LAUSE

In unserer Serie "Radar" stellen Sammler, Kuratoren, Dozenten und Kritiker ihre aktuellen Lieblingskünstler vor. Diesmal: art-Redakteurin Angelika Kindermann über den Hamburger Maler Elmar Lause.
// ANGELIKA KINDERMANN, HAMBURG

Elmar Lause ist ein Sammler: Plattgedrückte Coladosen, Klebebildchen fürs Poesiealbum, bunte Plastikmonster, alte Familienfotografien, Geweihe, Comicbilder, Zeitungsausschnitte und andere scheinbar belanglose Kleinigkeiten des alltäglichen Lebens bewahrt er in Kistchen, in Alben und Vitrinen sorgsam auf. Sie sind die Grundlagen für die skurrile, schräge Bilderwelt des 36-jährigen Künstlers, dessen aktuelle Ausstellung in der Hamburger Galerie Auf Halb Acht die Besucher "In den Schatten der Sternenfestung" entführt.

Hier tritt zum Beispiel "Supasupa" auf, ein kleinkindgroßer, putzig und aber zugleich auch aggressiv wirkender Gnom, fremdartig und doch vertraut. Die kompakte rundliche Figur, die blaue Latzhose, die großen gelben Knöpfe lassen keinen Zweifel zu: Hier stand Super Mario, eine der bekanntesten Videospiel-Figuren, Modell. Doch Elmar Lauses Version des Nintendo-Helden, auf leuchtend rotem Grund gemalt, irritiert. Denn der Kerl hat keinen Kopf. Auf seinen Schultern sitzt stattdessen noch einmal sein Rumpf, aus dem die Beine wie überdimensionale Ohren hervorwachsen. Seltsam schräg, etwas unheimlich sieht dieser Held der Spiele aus, wie einer, dem man besser den Zugang zum Kinderzimmer verwehrt. "Ich mag es, das Gewohnte zu manipulieren, dem Bekannten etwas Unerwartetes, Überraschendes zu entlocken", sagt Elmar Lause. Auch das großformatige Bild, das der aktuellen Ausstellung den Titel gibt, folgt diesem Grundsatz. Auf dem Gemälde "Im Schatten der Sternenfestung", dem eine Kitschpostkarte von Neuschwanstein zu Grunde liegt, spielen sich seltsame Szenen ab: Aus einem grau-braunen Schattenmeer, das sich unterhalb des weißen Schloss ausbreitet, taucht ein röhrenden Hirsch auf. Sein heißer Atem setzt sich als heller Nebel vom dunklen Grund ab. Vom blauen Horizont trampelt ein kurioses Wesen nach vorn ins Bild: eine gigantische, verstümmelte Mickey Maus – Augen und Mund sind auf die Hose gerutscht, Kopf und Hände fehlen. Der Oberkörper aus übereinander gestaffelten runden Scheiben verleiht dem Geschöpf etwas Maschinenartiges.

Elmar Lause arbeitet mit Versatzstücken unterschiedlicher Bildwelten: Comic und Werbung, Kunst und Kitsch, Videospiele und Graffiti. In seiner Malerei, seinen Collagen und Installationen überlagern sich diese unterschiedlichen Elemente unserer Wirklichkeit und verbinden sich zu fantastisch-verrückten Inszenierungen. "Alles, was mich beschäftigt, meine Aufmerksamkeit fesselt", so Lause, "findet Einlass in meine Arbeiten."

Großer Bewunderer des Universalgenies Dieter Roth

Der Sohn des genialen, 2005 gestorbenen Schauspielers und Kunstliebhabers Hermann Lause, hat Malerei bei Dieter Glasmacher und Design bei Welfhard Kraiker in Hamburg studiert. In seiner Diplomarbeit als Kommunikationsdesigner von 2004, die sich mit Katastrophen wie den ICE-Unfall von Eschede oder dem Pariser Concorde-Absturz beschäftigt, zitiert er Bilder, die sich in unser Gedächtnis eingebrannt haben: das gerade aufsteigende Überschallflugzeug, um dessen Heck schon ein Flammenkranz züngelt; der Unglückzug, der zusammengefaltet wie ein Pappspielzeug, in der Landschaft liegt. Es sind ungewöhnliche, teils provokante Aspekte, die Lause diesen tausendfach veröffentlichten Bilddokumenten abgewinnt. So offenbart der auf seine aufgebrochene Form reduzierte ICE von Eschede, so wie Lause ihn unter anderem darstellt – unabhängig von der Tragik des Geschehens – eine faszinierende Ästhetik, die den Betrachter frösteln lässt.

Elmar Lause ist ein großer Bewunderer des Universalgenies Dieter Roth (1930 bis 1998), auch die Bilder der früh gestorbenen Maler Michel Majerus (1967 bis 2002) und Jean Michel Basquiat (1960 bis 1988) begeistern ihn. Bei dem Amerikaner fasziniert ihn "das drastische Übermalen von Elementen, das Sortieren der Bilder durch fragmentales Wegnehmen", bei dem Luxemburger Majerus vor allem "wie er mit Schrift umgegangen ist". Auch Lause arbeitet gern mit Schrift. In einigen neuen Stücken verzichtet er ganz auf Figuren und ersetzt sie durch aufgeplusterte Wortgebilde, die bizarren Wesen gleich über die Leinwand tanzen. "Ich bin ein Geschichtenerzähler", sagt der Künstler. Und seine gemalten, gesprühten, geklebten Geschichten stecken voller Überraschungen, Schrecken und Witz.

"Im Schatten der Sternenfestung"

Termin: bis 7. März, Galerie Auf Halb Acht, Hamburg. Öffnungszeiten: Fr. 16 bis 19 Uhr, Sa. + So. 13 bis 19 Uhr

http://www.aufhalbacht.de

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1 Leserkommentar vorhanden

Mikey Mouse

23:10

02 / 04 / 10 // 

TITTI TATTA TRALLALa

Also bin ich doch langsam satt, überall Kitsches Kitsch CAN.

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