Neo Rauch

Aschersleben



NEUE ASCHERSLEBENER SCHULE

Der Leipziger Maler Neo Rauch und seine Meisterschüler planen eine große Ausstellung in Rauchs Heimatort Aschersleben. Anscheinend entdeckt der Künstler seine Zuneigung zum Schauplatz seiner Jugendzeit neu.
// GÜNTER KOWA, BERLIN

Aschersleben ist es gewohnt, von Touristen links liegen gelassen zu werden. Am Rand des Harzgebirges zieht es die Besucher ins Welterbe Quedlinburg oder zum Halberstädter Domschatz. Der bescheidene Nachbar hat zwar verwinkelte Viertel und einen zeitvergessenen mittelalterlich-stillen Platz an der Stadtkirche St. Stefani zu bieten, aber die Autokolonne wälzt sich am Stadtkern vorbei, wenn sie nicht von vornherein die Umgehungsstraße nimmt.

Doch seit kurzem sind von den 25 000 Einwohnern im Ortskern nicht nur die paar aus dem Häuschen, die zum überschaubaren Publikum des Kunst- und Kulturvereins "Akku" gehören. Der immerhin hat jüngst erst die Ausstellung "Salon Österreich" von jungen Berliner Künstlern nach ihrer einzigen Station in Wien mal eben in den Stammsitz am "Grauen Hof" gelockt, den uralten Gasthof mit dicken romanischen Mauern und schweren Balkendecken. Und das, weil der Kurator Peter Lang schlicht von Aschersleben begeistert war. Im Grunde genauso wie Maler-Star Neo Rauch. Der ist, wie es in seiner Biografie steht, nach dem Unfalltod seiner Eltern bei den Großeltern in Aschersleben aufgewachsen. Dort sieht man ihn gelegentlich, doch ein Thema war die Stadt für ihn bislang nicht. Bis ihn vor kurzem eine ehemalige Schulfreundin fragte, die im Amt für Wirtschaftsförderung tätig ist, ob er mit seinem berühmten Namen nicht etwas für seine alte Heimat tun könne.

Umbau vom Stuttgarter Modernist Arno Lederer

Es gibt in diesem Jahr Anlass genug. Die Stadt zeigt sich bei der "IBA", der Internationalen Bauausstellung von Sachsen-Anhalt zum Thema "Umbau schrumpfender Städte". Zu den bizarreren Ideen gehört eine "Drive-through-Gallery" entlang von Baulücken. Ob das Neo Rauch beeindruckt, ist nicht bekannt, aber die Mühen der Stadtsanierung habe er sehr aufmerksam verfolgt, berichtet die Schulfreundin. Gemeint ist vor allem der Umbau einer leerstehenden Fabrik. Wie ein Koloss steht der vom Jugendstil angehauchte Bau von 1911 am Ortseingang aus Richtung Halle. Stadtbaurat Heckner – in Aschersleben mit eigenwillig ornamentalen Bauten allgegenwärtig – entwarf ihn für Heinrich Christian Bestehorn. Dessen Kartonagefabrik steht seit langem still und verfällt, jetzt aber ist sie zu einem Bildungszentrum verwandelt und nach dem Gründer benannt.

Für die IBA gab es einen Wettbewerb, den der nicht minder eigenwillige Stuttgarter Modernist Arno Lederer gewann. Er hat aus den Etagen des Altbaus eine lichte Halle gemacht und einen Querriegel aus geschlämmtem Ziegelmauerwerk angefügt. Unter einer plastisch bewegten Silhouette, die an Shed-Dächer erinnert, entstehen darin die Mensa und zwei Etagen für den künftigen gemeinsamen Kunst-, Musik- und Theaterunterricht der Ascherslebener Schulen. Und die zugehörige Parkanlage gab den Ausschlag für eine Landesgartenschau, die Aschersleben in diesem Jahr obendrein ausrichtet. Bevor die Schule eröffnet, präsentiert sich im Fabrikgebäude die IBA, und in der Mensa zeigt die Gartenschau Kakteen.

Panorama neuer Werke für die Gartenschau

Freilich hat sie höhere Ambitionen wie viele vor ihr, aber ein einsamer Coup dürfte ihr gelungen sein. Die Schulfreundin und der Architekt brauchten nicht viel Überzeugungsarbeit. Neo Rauch war von der Atelieratmosphäre der lichtdurchfluteten Säle im Riegel sofort begeistert. Spontan willigte er ein, eine Ausstellung seiner Meisterschüler für die Dauer der Gartenschau zu kuratieren.

Die Protagonisten waren alle schon vor Ort, nach einem Titel für die Ausstellung wird gesucht, auch ein Katalog ist in Aussicht gestellt. Die ungewöhnlichen und äußerst reizvollen Räume in roher Sichtbeton-Optik dürften manchen Teilnehmer zu ortsspezifischen Arbeiten inspirieren. Von Heide Nord etwa wäre derartiges zu erwarten, die mit ihren multimedialen Installationen die Grenzen der Malerei hinter sich lässt. Architektur und verschachtelte Räume spielen in Neo Rauchs Malerei ohnehin eine wesentliche Rolle, und es ist nicht die einzige Eigenart seiner Kunst, die seine Nachfolger gerne aufgreifen.

Zum Kreis seiner noch unmittelbar betreuten Meisterschüler gehört etwa Tino Geiß, der Land/Stadt-Kontraste an Gegenüberstellungen von Hoch- und Fachwerkhäusern ins Bild rückt. Interieurs sind malerisch aufgeladene Orte bei Sebastian Burger und Johannes Rochhausen. Am Gartenschau-Thema reiben dürften sich Landschaftsmaler wie Mirjam Völker, Friederike Jokisch oder Christian Bussenius. In der Kunstszene jedenfalls dürfte bald bekannt sein, wo Aschersleben liegt.

"IBA Aschersleben"

Die Ausstellung der Arbeiten von Neo Rauchs Meisterschülern eröffnet am 29. Mai 2010 mit einem Festakt im Bestehorn-Schulzentrum. Ausstellungen mit Neo Rauch: 18. April bis 15. August 2010, Museum der bildenden Künste Leipzig; 20. April bis 15. August 2010, Pinakothek der Moderne

http://www.landesgartenschauaschersleben2010.de

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2 Leserkommentare vorhanden

Nico Poppelsdorf

12:50

26 / 02 / 10 // 

Stadtteilarbeit

Stadtteilarbeit mit Kunst ist noch immer nach hinten los gegangen. Weil man Kunst nicht essen kann? Wir brauchen keine Kunst wir brauchen Kühe! Standardsatz ländlicher Bürgermeister. Ein Bübchenbild, Haushoch im Strassenbild mit liegenden Knaben? Oder Blindekuh will Autos grabschen, genau so gross, als Baulückenverschönerung. Das wird ein Untergang in Aschersleben mit Euren inhaltsverwirrten Kompositionen. Etwas wirklich Kritisches, oder "Das neue Historienbild" ist ja nirgends sichtbar im Leipziger Schulstress. Bei aller Symphatie, sehe ich nur Comics . Liebigbidlchen und jede Menge Kitsch. Zu befürchten ist der zweite Leipziger Vorstoss mit Religiösen Themen. Ein zweiter Hype wird durch die Lande jagen und nichts Gutes hinterlassen. Man sollte als Künstler nie versuchen einer Komune auf die Beine "In die Medien" zu helfen. Ihr werdet es schon noch merken.

Shayne Wahpekeche

12:18

08 / 06 / 11 // 

http://mein-neuer-schulranzen.de/

Ich meine , dass die Regierung mehr Geld für Schulen und Bildung bezahlen müsste. Der Staat kümmert sich andauernd nur um andere Sachen. Dabei ist die Bildung von jungen Menschen doch sehr wichtig für die Zukunft. Die baufälligen Schulgebäude sollten modernisiert werden und man sollte neue Schulen bauen, damit nicht 35 Schüler in einem alten Klassenraum sitzen müssen. Außerdem sollte man das Geld nicht nur in die Schulgebäude ausgeben, sondern man müsste auch die Eltern mit Geld unterstützen. Ich bin persönlich Mutter von zwei Kindern und es ist wirklich schwer mit meinem Gehalt auszukommen. Die Schulsachen sind wirklich teuer und das erforderliche Geld für <a href="http://www.hauslehrer.de/nachhilfelehrer.html">einen guten Nachhilfelehrer</a> fehlt mir auch.

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