Mel Ramos

Kunsthalle Tübingen



IRONIE MIT PIN-UP-GIRLS

Der Amerikaner Mel Ramos malt seit den fünziger Jahren hintersinnige Anspielungen auf die Strategien der Werbebranche.
// ADRIENNE BRAUN

Zigaretten und Zündkerzen, Cola und Ketchup - Mel Ramos ist nichts zu profan, um es mit einem Akt zu kombinieren. Seine Lieblingsmotive sind nackte Frauen, die auf Zigarren reiten oder Flaschen umarmen. Pornografie? Das wurde Mel Ramos oft vorgeworfen, der US-Künstler sieht es anderes. "Er behauptet, dass er nie Frauen gemalt habe, sondern immer nur ein Bild einer Frau."

Das sagt Daniel J. Schreiber, der Leiter der Kunsthalle Tübingen, die Ramos mit einer Retrospektive zu seinem 75. Geburtstag würdigt. Unter den Gemälden sind mehrere Pin-up-Girls vertreten, die Mel Ramos in den sechziger Jahren bekannt machten. Für ihn sind es ironische Anspielungen auf die Werbung, die noch so profane Produkte mit Haut bewirbt. Stichwort: Sex sells. "Mel Ramos macht Bilder von Bildern, nicht von lebenden Objekten", sagt Schreiber, der den Pop-Art-Künstler in die Nähe des Surrealismus rückt. "Salvador Dalí war für ihn sehr inspirierend". Auch Mel Ramos bringe Dinge zusammen, die nicht zusammen gehörten – wie in dem Gemälde "Monterey Jackie" (1965), in dem eine Blondine auf einem Stück Käse thront.

Die Ausstellung beginnt Ende der fünfziger Jahre, als der Amerikaner versuchte, sich vom Abstrakten Expressionismus zu befreien. Er entdeckte Comics für sich und die Kunst, malte Superman, Wonder Woman oder Miss Liberty - "und konterkariert die Comicdarstellung durch pastosen Farbauftrag", so Schreiber, "das ist viel fleischlicher". Die Ausstellung zeigt "Unvollendete Gemälde", bei denen Ramos Akte klassischer Meister im Stil der Pop Art nachmalt. Mit nackten Frauen, meint Schreiber, wolle der Künstler an das Schöne in einer unschönen Welt erinnern. "Er sieht sich nicht als Aktmaler." In Tübingen kann man auch einen anderen Mel Ramos entdecken. Es sind kalifornische Landschaften zu sehen oder Blicke aus dem Fenster. Eine Sektion zeigt auch Tuschezeichnungen und Aquarelle, die den Entwurfsprozess dokumentieren. Außerdem konnten für die Ausstellung, die der Künstler mitkonzipiert hat, einige seiner seltenen Skulpturen aufgetrieben werden.

"Mel Ramos - 50 Jahre Pop Art"

Termin: bis 25. April, Kunsthalle Tübingen. Katalog: Hatje Cantz Verlag, 19,80 Euro

http://www.kunsthalle-tuebingen.de

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3 Leserkommentare vorhanden

Wwerner Hahn

23:38

30 / 01 / 10 // 

Neo-Popism als Anti-Perversity-art

Der PopArtist Mel Ramos, der seit 50 Jahren perfekte Frauenkörper in lasziven Posen malt, verbindet Pin-up-Girls und ihre Signale sexueller Verfügbarkeit auch mit exotischen Tieren. Das eine hat mit dem anderen zwar nichts zu tun, wird aber als Kunstmarkt-Werbe-Strategie eingesetzt. Siehe Tübinger Kunsthalle: http://www.kunsthalle-tue... Im Neo-Popism als Anti-Perversity-Pop-Art der ars evolutoria – siehe Bildergalerie zum Artikel - plädieren nicht-knackige (Frauen)Körper durch ihre pure Präsenz gegen die sexuelle Unterdrückung; vgl. a&s-Persiflage-Bild gegen Naturwidrigkeit, „Kunst“-Verderbtheit etc. Mel Ramos hatte in den 1960iger Jahren die ersten "Commercial Pin-ups" gemalt. Die Malerei war noch kritisch gemeint: Als Dauer-Popartist malt M.R. heute immer noch fotorealistische Pin-ups; der Kunstmarkt ist gefräßig. Im Grunde malt M.R. immer dasselbe: Girls, Girls, Girls – Bilder nackter Frauen wie sie im Fernsehen und in bestimmten Printmedien haufenweise präsentiert werden. (DSF etc., Playboy-Magazine etc.) Ramos' Frauenklischees sind Zitate, die sich immer an Pin-up-Sex-Fotografien orientier(t)en. Warf man M.R. Banalität vor, verwies der Maler auf Kunstgeschichte und die Geschichte der Aktmalerei. Weiterlesen: http://community.zeit.de/user/wernerhahn/beitrag/2010/01/30/kunststreit-schizophren-zeitgen\%C3\%B6ssische-tiermalerei-ins-naturkund?page=0

Werner Hahn

06:06

02 / 02 / 10 // 

Rolle rückwärts statt fortschrittlicher Malkunst-Erneuerung

Nur vor dem Hintergrund einer scheinbar restlos zugrunde entdeckten Welt der KUNST-Moderne ist dies begreifbar: Furios Furore macht derzeit Udo KITTELMANN mit einer Tiermalerei-Ausstellung zum Werk des Amerikaners Walton FORD: altmeisterlich-anachronistische Tiermalerei - eine Wende zurück ins 19. Jahrhundert. Die Tiere-Bilder-Ausstellung im Hamburger Bahnhof – dem Berliner Museum für Gegenwartskunst (statt im Naturkunde-Museum) - erregt schizophrenes Aufsehen. 400.000 Dollar wird für ein Bild zum „Gestrigen“ von (Neu)Reichen bezahlt. Parallel zum HB zeigt die Tübinger Kunsthalle Neo-Popisms: Pin-up-Girl-Sex-Perversity-art-Bilder mit Tieren - Pin-up-Popism des Malers Melvin John Ramos. Ein Blick zurück in die Steinzeit/Eiszeit-Tiermalerei kann kunstkritisches Bewusstsein fördern, das für eine geforderte Kunst-Erneuerung die unumgängliche Voraussetzung ist. Weiterlesen (mit 32 Bildern in der Galerie): http://www.giessener-zeitung.de/giessen/beitrag/26696/antiquierter-rueckwaertsgang-statt-malkunst-erneuerung-walton-ford-und-mel-ramos/

Werner Hahn

06:19

02 / 02 / 10 // 

„Bild“ und die „Sex-Pin-ups“ des Mel Ramos

Das lässt die BILD-Zeitung gerne zum Voyeur werden: splitternackte, entblößte Blondinen sind auch bild.de nicht fremd; täglich Brot der BILD-User. Auch der „Bild“-Userinnen? 10 Bilder ebenda – ohne Tiere! Aber mit Damen auf Zigarren! http://www.bild.de/BILD/unterhaltung/kultur/2010/01/23/museum-ausstellung/sexy-pop-art-von-mel-ramos-in-tuebingen.html Am Dienstag, 30. März, 20 Uhr lädt unter dem Titel „Pop-Art, Pin-ups, Persiflage“ Sigrid Ruby - Dozentin an der Justus-Liebig-Universität Gießen -, zu einer kritischen Revision des Pin-up-Malers Mel Ramos ein. Die Kunsthistorikerin und Amerikanistin gilt als Kennerin der amerikanischen Malerei der Nachkriegsjahrzehnte. Darüber hinaus hat sie sich in Feminismus- und Geschlechterdifferenz-Forschung einen Namen gemacht. Der Vortrag ist eine Veranstaltung des Deutsch-Amerikanischen Instituts in der Kunsthalle Tübingen. (Siehe mit Bildern http://www.kunsthalle-tuebingen.de/index.php?option=com\_content&task=view&id=191&Itemid=0&catid=131 )