Norbert Bisky

Berlin

Der Fall Norbert Bisky
Norbert Bisky vor seinem Werk "Michelsdorf" (2007, 200 x 275 cm, Öl auf Leinwand) (Foto:Nina Lüth)

DER FALL NORBERT BISKY

Neben atelierfrischen Bildern aus diesem Jahr erwarten den Besucher auch neun ausgewählte Werke von sieben Künstlerkollegen wie Jim Dine, Katharina Grosse, Walter Leistikow und auch Biskys ehemaligen Lehrer Georg Baselitz. Sie sollen zeigen, in welchem Kontext sich das Werk des jungen deutschen Malerstars entwickelte.

// LISA WÜSTE

Der 37-jährige Norbert Bisky ist keineswegs Everybody’s Darling. „Haus am Waldsee“-Sprecher Denhart von Harling: „Während seine Gemälde unter Sammlern weltweit hoch gehandelt werden, reagiert die Kunstkritik in Deutschland mit Zurückhaltung. Die Rezeption ist extrem gespalten. Das lässt sich so bei keinem anderen zeitgenössischen Maler beobachten.“ Selbst das Team um Kuratorin Katja Blomberg hat bisher noch keine Erklärung dafür gefunden. „Aber wir erwarten die Reaktion des Publikums mit Spannung", so von Harling.

Blomberg und Bisky haben die Schau in enger Zusammenarbeit konzipiert und verzichten bewusst auf Texttafeln – dafür kommt Bisky auf dem Audioguide selbst zu Wort, wo er einige Werke im Gespräch mit Blomberg kommentiert. Darüber hinaus sollen durch eine spannungsreiche Hängung Wechselwirkungen zwischen seinen Bildern und denen der anderen Künstler entstehen. Es sind thematische Ähnlichkeiten der Bildinhalte, auf die Kuratorin Blomberg beim Ausstellungsparcours setzt.

Der Titel „Ich war’s nicht“ bezieht sich auf eine frühe Arbeit Biskys, die in Madrid in Anlehnung an Goyas „Die Erschießung der Aufständischen“ entstand: „Bilder entstehen aus Bildern“, so der Künstler. Norbert Bisky, 1970 in Leipzig geboren, studierte von 1994 bis 1999 an der Hochschule der Künste in Berlin. Im Anschluss erhielt er ein Stipendium für Madrid. Seine erste Einzelausstellung fand 2001 in der Berliner Galerie Michael Schulz statt. Danach verlief die Karriere steil nach oben: Schauen in Frankreich, den Vereinigten Staaten, China und Russland folgten, internationale Sammler verlangten nach seinen Werken. Auch Guido Westerwelle besitzt einen Bisky. Der Chefliberale nennt den Sohn des ehemaligen PDS-Vizevorsitzenden Lothar Bisky sogar seinen Lieblingskünstler.

Die knallige Formensprache findet bei einem großen und heterogenen Publikum Anklang – manchmal nicht unbedingt zur Freude des Künstlers. In einem Interview auf seiner Webseite sagt Bisky über seinen berühmtesten Fan: „Herr Westerwelle darf über meine Kunst schreiben, was er will, und ich darf eine andere Meinung dazu haben.“ Am 13. November findet ein Künstlergespräch im "Haus am Waldsee" statt, in dem Norbert Bisky Stellung zu dem Zwiespalt seiner Kunst bei Sammlern und Kritikern nehmen wird.

Weitere Infos:

Die Ausstellung "Ich war's nicht" läuft noch bis zum 13. Januar 2008. Katalog: Verlag Walther König, 14,80 Euro.

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