Shepard Fairey

Obama-Plakate

"Keine Fußnote der Geschichte"
Street Art Künstler Shepard Fairey vor seiner Arbeit "Peace Goddess", 2007

"KEINE FUßNOTE DER GESCHICHTE"

Shepard Faireys Obama-Bild ging um die Welt: Mit seinem "Hope"-Plakat lieferte der 39-jährige Grafiker, Illustrator und Street Artist das Mantra der neuen US-Regierung. Im Interview mit art-Korrespondentin Claudia Bodin spricht er über seinen Gerichtsprozess und politische Propaganda
// CLAUDIA BODIN, NEW YORK

Im Oktober erscheint Ihr Bildband "Art for Obama: Designing Manifest Hope and the Campaign for Change" mit Arbeiten, die Künstler für die Wahlkampagne des Präsidenten gestaltet haben. Braucht die Welt wirklich noch mehr Obama-Bilder?

Shepard Fairey: Niemals zuvor hat es eine so starke Basisbewegung bei einer Wahl gegeben.

Bei vielen der Arbeiten in dem Buch geht es um Themen aus Obamas Programm wie grüne Energietechnologie, bessere Rechte für Arbeitskräfte oder die Gesundheitsversorgung. Künstler sind nicht nur auf Nebenschauplätze der Politik verbannt. Und Demokratie funktioniert nun mal besser, wenn mehr Menschen mitmachen und ihre Stimme einsetzen.

Sie sehen sich also als Aktivist und Künstler?

Für mich ist Kunst eine Form von Kommunikation. Es ist mir wichtiger, Themen, die mir am Herzen liegen, zu kommunizieren, als eine kleine, elitäre Gruppe von Leuten zu bedienen, die sich selbst als Maßstab für gute Kunst empfindet. Ich interessiere mich wirklich nicht dafür, was Kritiker über meine Arbeiten sagen – denn das ist es nicht, was mich antreibt. Und auch Robert Rauschenberg und Andy Warhol wurden zunächst nicht von jedem ernst genommen.

Peter Schjeldahl vom "New Yorker" hat immerhin geschrieben, dass Sie mit Ihrem Obama-Poster die kraftvollste politische Illustration seit dem berühmten Uncle-Sam-Plakat "I Want You" geschaffen haben.

Er hat ebenfalls gesagt, dass ich nicht intelligent genug bin, dies wissentlich vollbracht zu haben. Ich kann Ihnen vergewissern, dass hinter meinen Ideen kein Affe steckt, der zufällig Knöpfe drückt. Leider überstehen Arbeiten, die nicht als hohe Kunst bestätigt werden, nicht den Test der Zeit. Aber für mich ist entscheidender, heute viele Menschen zu erreichen, anstatt später eine kleine Fußnote in der Kunstgeschichte zu sein. Mir wurde berichtet, dass meine Ausstellung im Institute of Contemporary Art in Boston, die im Oktober zum Warhol Museum nach Pittsburgh reist, 120 000 Besucher hatte. Viele Künstler mögen technisch besser oder talentierter als ich sein. Aber für das, was ich erreichen will, läuft es gut.

Die Ausstellungseröffnung erlebten Sie nicht mit, weil die Bostoner Polizei Sie wegen Ihrer Street-Art-Aktionen festgenommen hatte.

Ich bin für zwei Jahre auf Bewährung. Die ganze Sache war eine große Schikane. Aber ich werde trotzdem mit Street Art weitermachen. Das darf nicht der Grund sein, mit meiner Kunst aufzuhören.

Finden Sie, dass ein etabliertes Museum für jemanden, der aus der Punkrock- und Skateboarder-Szene stammt, der richtige Ausstellungsort ist?

Ein Museum ist ein anderer Weg. Auch ein Anarchist mag eines Tages realisieren, dass es gesünder ist, ein konstruktives, unabhängiges Mitglied der Gesellschaft zu sein, anstatt in einer Sackgasse festzusitzen. Und jemand, der sich nie mit Street Art beschäftigt hat, mag feststellen, dass etablierte Kunstformen nicht der einzige Weg sind. Anstatt mich zu isolieren, arbeite ich in unterschiedlichen Arenen.

Im Fall des Hope-Plakats, das Sie während des Wahlkampfs produzierten, stecken Sie in einem Rechtsstreit mit der Nachrichtenagentur Associated Press. Ein Bild von AP diente Ihnen als Vorlage, daraufhin wurden Sie auf Verletzung des Copyrights verklagt.

Inzwischen behauptet auch noch der Fotograf, dass AP das Bild gar nicht gehört. Wenn meine Illustration das Copyright verletzt haben sollte, sind mindestens ein Drittel der Werke in Museen oder Galerien ebenfalls illegal. Es wäre eine Schande für die kreativen Ausdrucksmöglichkeiten. Der Fotograf will Geld machen. AP ebenfalls und obendrein ein Zeichen setzen. Ich habe niemals Geld mit dem Plakat verdient. Ich habe alles in weitere Poster investiert oder in Spenden für den Obama-Wahlkampf.

Und wie gefällt Ihnen die Arbeit des Präsidenten bislang?

Obama versucht, sehr diplomatisch zu sein, und geht dabei zu sanft vor. Den Republikanern hat er die Gelegenheit gegeben zu kooperieren. Jetzt ist es an der Zeit, klar und deutlich für seine Reformideen einzustehen. Seine Partei enttäuscht mich. All die progressiven Stimmen sollten lauter sein. Ich denke, dass Obama und wir alle härter durchgreifen sollten.

Kommentieren Sie diesen Artikel

0 Leserkommentare vorhanden

Abo