Düsseldorf Cologne Open

Galerienrundgang

"Jetzt die Kräfte bündeln"
Stefan Hoderlein: "20001 Bilder aus der Jetztzeit", Kleinbilddias, 1997 (Foto: Burkhard Maus)

"JETZT DIE KRÄFTE BÜNDELN"

Zwischen den Kunststädten Düsseldorf und Köln liegen 30 Minuten, 40 Kilometer und ein paar veraltete Konkurrenz-Klischees. Gemeinsame Ausstellungseröffnungen in rund 80 Galerien an drei Tagen in zwei Städten machten am vergangenen Wochenende Grenzen zu gemeinsamer Vielfalt und präsentierten zusammen den Kunststandort Rheinland.
// IRIT BAHLE, DÜSSELDORF / KÖLN

"Düsseldorf Cologne Open" heißt das Projekt, das von nun an jährlich nach der Sommerpause stattfinden und neue Kooperationswege eröffnen soll. "Viele sind verwundert, dass Düsseldorf und Köln zusammenarbeiten. Mich wundert eher, dass es nicht schon früher passiert ist. Die Zeit scheint gerade reif zu sein", sagt Michael Cosar, Sprecher von "Parallel", der Initiatorengemeinschaft Düsseldorfer Galerien. Ein Grund für die neue Allianz ist sicherlich auch der Blick 500 Kilometer nach Osten in die Hauptstadt. "Aus Köln sind viele namhafte Galerien nach Berlin gezogen. Da musste man was tun, und jede Krise ist auch eine Chance." Das sieht man auch in Köln so: "Wir sind froh über die Allianz mit Düsseldorf. Es ist wichtig, jetzt die Kräfte zu bündeln", sagt Galeristin Linn Lühn. "Es ist wieder Zuversicht da, dass jetzt etwas Neues anfängt. DC Open ist ein richtiger Schritt."

Ein Schritt über eine alte Schwelle, die jetzt zum Grenzgang einlädt zwischen zwei Orten und den unterschiedlichsten künstlerischen Positionen – von alter Konkurrenz zu gemeinsamer Zukunft? In die Vergangenheit und wieder zurück führt in Düsseldorf Stefan Hoderlein bei Cosar HMT. Eine architektonische Dia-Skulptur aus den 90ern zeigt ein privates Archiv des Künstlers. Vergangenheit und Gegenwart treffen sich auch in der Arbeit "Jacke wie Hose" von 1997: Fotos von Kleidungsstücken des Künstlers der vergangenen 20 Jahre beschreiben abwechselnd übereinander projiziert im veralteten Medium Dia plötzlich einen sehr modernen Gedanken; den einer wandelbaren Figur, des Remixes und der Überlagerung. Eine neue Videoarbeit holt mit moderner Wärmekameratechnik die Gegenwart dann wieder ein. "Ein wichtiger Wesenszug von Stefan Hoderleins Arbeiten ist die Authentizität. Das ist sein Leben. Er hat das alles erlebt und getragen, es ist eine Art Selbstporträt", sagt Cosar.

Ein minimalistisches aber leidenschaftliches und stimmungsvolles Selbstporträt offenbart sich auch auf dem Weg durch die Spuren des Künstler-Daseins von Alex Jasch in den Räumen von Linn Lühn in Köln: ein Tisch, eine Lampe über einer Tüte mit Glasscherben, davor ein leerer Stuhl, auf der Tischplatte ein aufgesprühter Armabdruck. Die stille Spur des Künstlers, der den Arbeitsplatz verlassen hat, erzählt eine Ateliersituation. Eine stürmische Regalkonstruktion aus Papier, Styropor und Gips zeugt mit Klecksen an der Wand und einem halb abstürzenden Regalbrett von der Geste des Aufhängens, des Machens und des Scheiterns. Dinge des alltäglichen Lebens werden zu Abdrücken menschlichen Lebens und zur Spur des eigenen Künstler-Daseins.

Aktuelle Fotografien überlagern Bilder des alten Pekings

Viele weitere Kilometer, bis auf einen anderen Kontinent und in eine andere Kultur führen die Arbeiten von Nic Hess bei Figge von Rosen in Köln. Hess' Rauminstallationen ziehen in einer Linie geradezu vom Eingang in den Raum hinein, wo chinesische Wasserflaschenetiketten, Zigarettenpackungen und Wimpel verschiedene Ikonen einander gegenüber und in neue Kontexte stellen. Aktuelle Fotografien überlagern Bilder des alten Pekings und treffen Zeichen aus Kultur und Natur, die auf Zigarettenschachteln vermarktet werden.

Die Landschaften, die Armin Hartenstein in der Galerie Ruzicskaweiss in Düsseldorf präsentiert, verweisen auf keinen realen Ort, sie entstehen aus Vorstellungsbildern, die der Künstler mit Acrylfarbe auf Holz formuliert. Der Besucher wandert durch Vorstellungswelten, die durch das Landschaftsmotiv als Form und Raum verbindlich bleiben, sich gleichzeitig aber ungegenständlich und abstrakt zeigen. Umringt von diesem malerischen Werk stehen installative Objekte von Bea Otto, die durch Ready-Mades zu einer besonderen Objektsprache finden. "Die Ausstellung ist eine Begegnung zweier Werke, die den Ort der Kunst nicht besetzen und behaupten, sondern auf unterschiedlichste Weise öffnen, indem sie sich darin verlieren und verzweigen", erklärt Ruzicska.

Wieder stärkere Anziehungskraft des Rheinlandes

Mit den räumlichen Bedingungen der Galerie setzt sich Felix Schramm bei Thomas Flor in Düsseldorf auseinander, mit neuen, weniger architektonischen, aber immer noch stark raumbezogenen Arbeiten: Ausformungen von Körperteilen wurden als Rohmaterial mitgebracht und der Umraum in drei Wochen Ateliersituation in der Galerie geschaffen. Ineinandergeschobene, einander durchbrechende Körper, verstörende Oberflächen, die teilweise an Poren, dann wieder an Beton erinnern und irritierende Farben führen weg vom eigentlichen Formgehalt der Körperteile, unter anderem zu der Frage: Was passiert mit Wandlöchern, wenn sie der Körperlichkeit von Köpfen gegenüber stehen? In die Ferne und Vergangenheit gleichzeitig blicken die Arbeiten von Mark Dion bei Christian Nagel in Köln. Der "Jungle Shop" sowie wissenschaftlich exakte Zeichnungen von Projekten seit den fünfziger Jahren beschäftigen sich mit der Präsentation von Natur in Kunst und der Wissenschaft des 19. Jahrhunderts. Der betretbare "Jungle Shop" hat alles, was man für die altertümliche Arbeit und das Überleben im Dschungel braucht: Macheten, Zigaretten, Lampen, Polarbier und Hinweisschilder machen den Shop zu einem sinnlichen Raum, den der Verkäufer scheinbar gerade erst verlassen hat.

Die Galeristen versprechen sich von den Impulsen dieses Wochenendes einen Austausch zwischen dem Düsseldorfer und dem Kölner Publikum und eine stärkere Anziehungskraft des Rheinlandes. Ob sich diese Erwartungen erfüllen, muss man in der nächsten Runde in Köln beweisen.

Kommentieren Sie diesen Artikel

0 Leserkommentare vorhanden

Abo