Modigliani in London

Von Skulpturen lernen

Zu seinen Lebzeiten zensierte man seine Ausstellungen wegen Anstößigkeit. Eine Schau zeigt jetzt den Einfluss der Bildhauerei auf Amedeo Modiglianis Gemälde. Einen Höhepunkt bilden zwölf Aktgemälde des italienischen Künstlers.
Von Skulpturen lernen

Amedeo Modigliani: "Reclining Nude", 1919, Öl auf Leinwand, 72,4 x 116,5 cm

Die sinnlichen Akte, Skulpturen und Porträts des italienischen Malers und Bildhauers Amedeo Modigliani (1884-1920) sind Thema einer neuen Ausstellung in der Tate Modern in London. Die Tate hat dazu in einer der bisher größten Ausstellungen über den Künstler rund 100 Werke von 70 öffentlichen und privaten Leihgebern zusammengetragen. Die Schau bietet nach den Worten von Tate Direktorin Frances Morris die Chance der Neubewertung eines der "in der Geschichte verlorenen" größten Künstler des 20. Jahrhunderts. Die Ausstellung “Modigliani“ wurde am Donnerstag (23. November) eröffnet und bis zum 2. April 2018 gezeigt.

Präsentiert wird das Werk Modiglianis nach seiner Ankunft in Paris 1906, wo er unter anderem von der Kunst von Paul Cézanne, Henri Toulouse-Lautrec, Pablo Picasso und Kees van Dongen inspiriert wurde. Deutlich wird herausgestellt, dass der Italiener erst durch seine vorübergehende Beschäftigung mit der Bildhauerkunst seinen eigenen, markanten Stil in der Malerei fand. "Die länglichen ovalen Gesichter mit den Schwanenhälsen und Mandelaugen tauchten danach bald in seinen Gemälden auf", heißt es in der Tate.

Die Galerie präsentiert neun der insgesamt 28 von Modigliani geschaffenen Plastiken von Frauenköpfen eindrucksvoll in einem gesonderten Raum. Als seltenes Highlight werden zwölf Aktgemälde des Künstlers zusammengeführt. Die seinerzeit wegen der gezeigten Schamhaare als skandalös verschrienen Werke reflektieren nach Angaben der Tate die sich verändernde gesellschaftliche Rolle der Frau zur Zeit des Ersten  Weltkriegs zu mehr Unabhängigkeit und Akzeptanz. Modigliani starb 1920 mit nur 35 Jahren.

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