Wetter und Klimawandel in Bonn

Darauf einen Küstennebel

Von mythischen Wettergöttern über naturwissenschaftliche Hilfsmittel wie das Thermometer bis hin zu Landschaftsdarstellungen der Romantik: Die Bonner Bundeskunsthalle untersucht derzeit in einer allzu gemäßigten Ausstellung Wetterphänomene und den Klimawandel.
Darauf einen Küstennebel

Albert Bierstadt: "Aufziehendes Gewitter im Tal", 1891, Öl auf Leinwand, NordseeMuseum Husum

Da stehen sie in Reih und Glied: Zeus mit Zepter und Blitzbündel, der axtschwingende hethitische Wettergott Teshub, Quetzalcoatl, die Lippen zum aztekischen Sturm geschürzt, und Petrus mit dem Schlüssel zu den Himmelsschleusen. Lauter höhere Mächte, in deren Zuständigkeit das Wetter fällt, allesamt bestechlich, wie man raunt, aber vor allem jähzornig und unberechenbar. Vermutlich kann es deshalb nicht schaden, jetzt rasch das Knie zu beugen oder einen Gegenzauber zur Hand zu haben: eine Regenmacherfigur aus Papua-Neuguinea etwa, einen altbayerischen Wettersegen oder eine Statue der vom eigenen Vater erschlagenen heiligen Barbara, Schutzpatronin der Bergwacht und Feuerwehr.

Eine Ausstellung über das Wetter als Demutsübung zu beginnen ist sicher keine schlechte Idee, denn auch in der modernen Welt ist der Mensch den Launen der Natur mehr oder weniger hilflos ausgeliefert. Selbstredend kann man umziehen. Aber dann hat man auch keine Sicherheit, sondern nur anderes Wetter. Also stellt man sich besser für ein paar Stunden in der Bonner Bundeskunsthalle unter, wo jetzt eine als “Wetterbericht“ deklarierte Einführung in Wetterkultur und Klimaforschung zu sehen ist.

Sie erzählt entlang eines fiktiven Tagesverlaufs, wie der Mensch versucht, Schönheit und Schrecken der verschiedenen Wetterphänomene zu verstehen oder künstlerisch zu bannen, und schlägt dabei eine Brücke von der Naturwissenschaft über die Kunst bis zur Alltagskultur. Nachdem der Besucher einen Wald aus Hydro- und Thermometern durchschritten hat, steigt er vielleicht mit Johann Geyers biedermeierlichen Ballonfahrern in die Lüfte, staunt mit dem britischen Forscher Luke Howard über die Vielfalt der Wolkenformationen und wärmt sich anschließend an einer Flasche hochprozentigem Küstennebel wieder auf.

Der Klimawandel ist eine eher pflichtschuldig abgehandelte Nebensächlichkeit

Das legendäre Fritz-Walter-Wetter fehlt in Bonn so wenig wie ein vom Romantiker John Constable gemalter Regenbogen oder der fotografierte Blitzeinschlag im Eiffelturm. Was hingegen beinahe völlig fehlt, sind extreme Klimaverhältnisse. In der Ausstellung spielt sich das Wetter vornehmlich in gemäßigten Breitengraden ab: Eis- und Sandwüsten sind kuriose Phänomene an den Rändern der mitteleuropäischen Wahrnehmung, und der Klimawandel ist eine eher pflichtschuldig abgehandelte Nebensächlichkeit.

Allzu wohltemperiert erscheint auch die Auswahl der vornehmlich aus dem 19. Jahrhundert stammenden Kunstwerke. Nichts gegen Hans Thoma oder Otto Modersohn, aber zu unseren aktuellen Klimafragen haben sie naturgemäß wenig beizutragen – wobei auch Andreas Gurskys mythisch überhöhter Abschiedsgruß an den Aletschgletscher dem Thema nicht unbedingt gerecht wird.

Früher konnte der Mensch nichts gegen das Wetter machen, heute macht er das Wetter teilweise selbst: An diese Pointe wagt sich Roman Signer, indem er zwei Ventilatoren der Marke »Tornado« einander gegenüberstellt und so neutralisiert. Ansonsten spricht in Bonn wenig dafür, dass wir das Problem tatsächlich schon verstanden haben.

art - Das Kunstmagazin
Mit wissenschaftlichen und künstlerischen Mitteln werden verschiedene Thesen der Klimadebatte beschrieben. Geweckt werden soll vor allem Sensibilität und Aufmerksamkeit für das komplexe und lebensbedingende System unserer Atmosphäre
Bundeskunsthalle ,  Bonn