Australische Kunst in Berlin

Kunst auf harten Traumpfaden

In ihrer Heimat kämpfen sie immer noch gegen Diskrimininerung und für ihre Identität, dabei ist die Kunst der Aborigines ein Schatz für die ganze Menschheit. Eine Schau zeigt nun faszinierende Exponate aus 200 Jahren.
Kunst auf harten Traumpfaden

Michael Riley: "Untitled, from the series cloud [boomerang], from Cloud series", 2000

Es ist gerade einmal 50 Jahre her, dass die australische Regierung nach einem Re­ferendum diskriminierende Bestimmungen gegen seine Ureinwohner aus der seit 1900 existierenden Verfassung strich. Bis dahin ­galten sowohl die Aborigines als auch die Einwohner der Inseln in der Torres-Straße bei Papua-Neuguinea – ­obwohl sie den Kontinent seit rund 50 000 Jahren bevölkerten – als nicht existent. Sie wurden bei Volkszählungen schlichtweg nicht mitgezählt und hatten kein Stimm- und Wahlrecht. Erst im Februar 2013 verabschiedete das australische Unterhaus ein Gesetz, welches die 500 000 Aborigines, die heute weniger als drei Prozent der australischen Gesamtbevölkerung ausmachen, als erste Bewohner Aus­traliens anerkennt. In der Verfassung selbst steht dies allerdings bis heute nicht festgeschrieben.

In diesem Licht erstaunt es vielleicht nicht so sehr, dass auch die ­National Gallery of Australia in Canberra erst ab 1972 offiziell damit begann, die Kunst der indigenen ­Bewohner Australiens zu sammeln, die immerhin auf eine 30 000 Jahre alte, bis heute lebendige Kunst­geschichte zurückschauen können. Heute besitzt das Museum, das 1982 die erste permanente Ausstellung mit dieser Kunst eröffnete, mit über 160 000 Werken immerhin die weltweit bedeutendste Sammlung von Kunstwerken der indigenen Völker des Kontinents.

Kampf um die Identität

Rund 100 Werke, deren Entstehungszeit von der Gegenwart bis ins frühe 19. Jahrhundert reicht, werden nun in der deutschen Hauptstadt ­gezeigt. Die von Franchesca Cubillo, Chefkuratorin für indigene australische Kunst, kuratierte Ausstellung bringt nicht nur Malerei, Video und zeitgenössische Skulptur nach Berlin in den me Collectors Room, sondern auch traditionelle Ritualobjekte. Sie werden in einer chronologischen Hängung präsentiert und sollen so den Ausstellungsbesuchern helfen, den noch immer stattfindenden Prozess des Wandels in der australischen Kultur und Gesellschaft im Spiegel dieser Kunst nachzuvollziehen. Sie erzählen von Naturphänomenen oder der Weite der australischen Landschaft und nicht selten vom Überleben, Kampf um Identität, Enteignung, dem Erbe des Kolonialismus, Segregation, Stigmatisierung und Stereotypisierung.

Fremde Nachbarschaft
Der US-amerikanische Fotograf Alec Soth und 
sein deutscher Kollege Peter Bialobrzeski erkunden ihre Heimatländer abseits von gängigen Routen. Und die Ergebnisse sind so ungewöhnlich wie aktuell

Denn nach wie vor sind die Aborigines alltäglicher Diskriminierung und ökonomischer Benachteiligung ausgesetzt und noch immer zerrissen ­zwischen Integration und dem Erhalt und der Weiterentwicklung ihrer Kultur und Tradition.

21228
Bild & Text Teaser