Subvision-Festival
Hamburg
WORTSPIELE MIT SPRENGKRAFT
Im Mittelpunkt des Festivals sollen vor allem solche Formen der Vermittlung stehen, die sonst eher am Rande einer biennalen- und messefixierten Kunstöffentlichkeit zu finden sind – im sogenannten Off-Bereich. Doch Teile der ortsansässigen Off-Szene fühlten sich von der Ankündigung des Großprojektes provoziert. Lautstark empörten sie sich über die Vereinnahmung der Off-Szene, etwa durch die großen Hamburger Kunstinstitutionen, die als Träger des Festivals fungieren. Sogar die teilnehmenden Künstler wurden angeschrieben mit der Bitte, das Festival zu boykottieren.
Doch alle sind gekommen und mit ihnen die Kunst, die sie in, an und um die Containerlandschaft herum installiert haben. Am heutigen Abend und für die kommenden zehn Tage öffnet sich das Gelände auch für Besucher. art sprach im Vorfeld mit der Kuratorin des Festivals über Off und On und die Grenzen der Kunst.
Frau Kölle, können Sie in wenigen Sätzen die Idee des Subvision-Festivals skizzieren?
Subvision ist ein Festival für internationale Gegenwartskunst. Der Fokus des Festivals liegt auf Künstlerinitiativen, die alternative Ausstellungs- und Vermittlungsformate von Kunst erproben.
"kunst. festival. off." proklamiert das Festival in seinem Untertitel. Wie verstehen Sie den Begriff "Off"?
"Off" ist ein relativer Begriff, der sich nicht eindeutig definieren lässt. Ursprünglich kommt er aus der Filmtechnik: Als "off-screen" wird dort bezeichnet, was nicht auf der Leinwand zu sehen ist. Etwas, das nicht sichtbar, aber hörbar ist und für den Fortgang der Handlung wichtig ist. Da die Motivationen, Bedingungen und Produktionsverhältnisse der hier präsentierten Kunst sehr verschieden sind, verstehe ich den Begriff im Kontext des Festivals auch mehr als eine Art Suchbegriff.
Haben Sie damit gerechnet, dass eben dieser Off-Begriff im Zusammenhang mit Ihrem Festival so heftige Reaktionen bei Teilen der lokalen Off-Szene auslösen würde?
Nein, das hätte ich nicht erwartet. Ich war überrascht, welche enorme Sprengkraft dieses kleine Wörtchen doch hat, und auch darüber, dass manche meinen, eine Art Deutungshoheit über diesen Begriff für sich in Anspruch nehmen zu können.
Sie sagen, bei Subvision soll vor allem die Erprobung neuer und ungewöhnlicher Ausstellungsformate im Vordergrund stehen. Wäre es nicht klug gewesen, auf einen so vieldeutigen und aufgeladenen Begriff wie "Off" im Festivaltitel zu verzichten?
Wir wollten damit Fragen aufwerfen – und wir wollten mit dem Festival Alternativen aufzeigen: Alternativen zur gängigen Ausstellungspraxis, Alternativen zu den eingefahrenen etablierten Strukturen des Kunstbetriebs und Alternativen zum kommerziellen Kunstmarkt. Das Interessante an dem Festival ist doch gerade, dass es die Gelegenheit bietet, eigene Sichtweisen zu überprüfen und die anderer kennenzulernen. Die bei Subvision teilnehmende russische Initiative "Chto delat/Was tun" versteht sich beispielsweise nicht als "off", weil ihrer Meinung nach mit diesem Begriff immer auch eine Marginalisierung einhergeht. Sie möchten aber nicht "randständig" sein, sondern mit ihren künstlerischen Aktivitäten mitten hineingehen in gesellschaftliche Brennpunkte und Stellung beziehen. So gibt es viele verschiedene Standpunkte zur ästhetischen Funktion und gesellschaftlichen Rolle von Kunst. Diese zur Diskussion zu stellen, darum geht es.
Es würde Sie also auch nicht stören, wenn einige der präsentierten Initiativen und Künstler sich später in etablierten Galerien oder Museen wiederfinden?
Nein, überhaupt nicht. Es gibt auch unter den jetzigen Teilnehmern manche, die bereits mit Institutionen zusammengearbeitet haben und das auch gar nicht als Gegensatz verstehen. Es geht hier schließlich nicht um die Heraufbeschwörung irgendwelcher Grabenkämpfe. Man muss doch sehen: Diese ganzen Künstlerinitiativen sind im Grunde wie kleine Entwicklungslabore. Sie bilden letztlich auch den Nährboden dafür, was später für folgende Generationen einmal im Museum bewahrt wird.

