Subvision-Festival

Hamburg

Wortspiele mit Sprengkraft
Die Kuratorin des Festivals: Brigitte Kölle (Foto: Erik Stein)

WORTSPIELE MIT SPRENGKRAFT

10 000 Quadratmeter – mitten in Hamburgs städtebaulichem Prestige-Projekt "Hafencity" – teilen sich seit einigen Wochen etwa 100 internationale Künstler mit noch einmal so vielen Schiffscontainern. Das Festival "Subvision" hat sie hier versammelt, um das noch brachliegende Hafengelände zu einem Ort der Vermittlung zu machen – der Vermittlung von Kunst.
// STEFFEN ZILLIG, HAMBURG

Im Mittelpunkt des Festivals sollen vor allem solche Formen der Vermittlung stehen, die sonst eher am Rande einer biennalen- und messefixierten Kunstöffentlichkeit zu finden sind – im sogenannten Off-Bereich. Doch Teile der ortsansässigen Off-Szene fühlten sich von der Ankündigung des Großprojektes provoziert. Lautstark empörten sie sich über die Vereinnahmung der Off-Szene, etwa durch die großen Hamburger Kunstinstitutionen, die als Träger des Festivals fungieren. Sogar die teilnehmenden Künstler wurden angeschrieben mit der Bitte, das Festival zu boykottieren.

Doch alle sind gekommen und mit ihnen die Kunst, die sie in, an und um die Containerlandschaft herum installiert haben. Am heutigen Abend und für die kommenden zehn Tage öffnet sich das Gelände auch für Besucher. art sprach im Vorfeld mit der Kuratorin des Festivals über Off und On und die Grenzen der Kunst.

Frau Kölle, können Sie in wenigen Sätzen die Idee des Subvision-Festivals skizzieren?

Subvision ist ein Festival für internationale Gegenwartskunst. Der Fokus des Festivals liegt auf Künstlerinitiativen, die alternative Ausstellungs- und Vermittlungsformate von Kunst erproben.

"kunst. festival. off." proklamiert das Festival in seinem Untertitel. Wie verstehen Sie den Begriff "Off"?

"Off" ist ein relativer Begriff, der sich nicht eindeutig definieren lässt. Ursprünglich kommt er aus der Filmtechnik: Als "off-screen" wird dort bezeichnet, was nicht auf der Leinwand zu sehen ist. Etwas, das nicht sichtbar, aber hörbar ist und für den Fortgang der Handlung wichtig ist. Da die Motivationen, Bedingungen und Produktionsverhältnisse der hier präsentierten Kunst sehr verschieden sind, verstehe ich den Begriff im Kontext des Festivals auch mehr als eine Art Suchbegriff.

Haben Sie damit gerechnet, dass eben dieser Off-Begriff im Zusammenhang mit Ihrem Festival so heftige Reaktionen bei Teilen der lokalen Off-Szene auslösen würde?

Nein, das hätte ich nicht erwartet. Ich war überrascht, welche enorme Sprengkraft dieses kleine Wörtchen doch hat, und auch darüber, dass manche meinen, eine Art Deutungshoheit über diesen Begriff für sich in Anspruch nehmen zu können.

Sie sagen, bei Subvision soll vor allem die Erprobung neuer und ungewöhnlicher Ausstellungsformate im Vordergrund stehen. Wäre es nicht klug gewesen, auf einen so vieldeutigen und aufgeladenen Begriff wie "Off" im Festivaltitel zu verzichten?

Wir wollten damit Fragen aufwerfen – und wir wollten mit dem Festival Alternativen aufzeigen: Alternativen zur gängigen Ausstellungspraxis, Alternativen zu den eingefahrenen etablierten Strukturen des Kunstbetriebs und Alternativen zum kommerziellen Kunstmarkt. Das Interessante an dem Festival ist doch gerade, dass es die Gelegenheit bietet, eigene Sichtweisen zu überprüfen und die anderer kennenzulernen. Die bei Subvision teilnehmende russische Initiative "Chto delat/Was tun" versteht sich beispielsweise nicht als "off", weil ihrer Meinung nach mit diesem Begriff immer auch eine Marginalisierung einhergeht. Sie möchten aber nicht "randständig" sein, sondern mit ihren künstlerischen Aktivitäten mitten hineingehen in gesellschaftliche Brennpunkte und Stellung beziehen. So gibt es viele verschiedene Standpunkte zur ästhetischen Funktion und gesellschaftlichen Rolle von Kunst. Diese zur Diskussion zu stellen, darum geht es.

Es würde Sie also auch nicht stören, wenn einige der präsentierten Initiativen und Künstler sich später in etablierten Galerien oder Museen wiederfinden?

Nein, überhaupt nicht. Es gibt auch unter den jetzigen Teilnehmern manche, die bereits mit Institutionen zusammengearbeitet haben und das auch gar nicht als Gegensatz verstehen. Es geht hier schließlich nicht um die Heraufbeschwörung irgendwelcher Grabenkämpfe. Man muss doch sehen: Diese ganzen Künstlerinitiativen sind im Grunde wie kleine Entwicklungslabore. Sie bilden letztlich auch den Nährboden dafür, was später für folgende Generationen einmal im Museum bewahrt wird.

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3 Leserkommentare vorhanden

T.Setzer

17:01

28 / 08 / 09 // 

Seife in der Hand..

Letztlich zeigt dieses Interview mustergültig wie galant man mit Kritik umgehen kann. Widerspruch wird als gewolltes "Fragen aufwerfen" geplättet, Kritik noch als willkommenes Zugpferd verwurstet (Chto delat). "Junge" Kunst so unkonventionell und die Macher umarmen alle. Meine Kritik lässt sich nicht subsumieren: nachmittags in Beachclubathmosphäre der vielen Cateringstände einen fairen Mojito zu bekommen scheint nicht möglich und der Federweisser am Bratwurstgrill - bitte nicht so mürrisch servieren, bei 2,50 für die Pfütze im Plastikbecher.

M. Teichrost

17:25

29 / 08 / 09 // 

Charme einer ungepflegten Bauwagensiedlung

Besucht man das Festival und liest anschließend das Interview, hat man nicht ansatzweise das Gefühl, dass es miteinander zu tun haben könnte. Es freut mich, dass die Stadt internationalen Künstlern einen Container-Campingplatz mit Elbblick ermöglicht, dafür müssen sie auch den Baulärm aushalten, okay... Das als Kunstfestival zu veröffentlichen ist eine falsche Message an den erwartungsfrohen Besucher, der zwischen billigen Stühlen, zerbrochenen Flaschen und Bauschutt versucht, die Kunst von letzterem zu unterscheiden. Vielleicht ist es ja am Ende der nächsten Woche deutlicher herausgearbeitet. Bleibt zu wünschen, dass sich alle Künstler gut vertragen und wenigstens Spaß aneinander und an der Stadt haben

Steven Pansen

14:25

03 / 09 / 09 // 

Frau Kölle hilft..

.. in diesem Interview nicht über die auf dem Festival gemachte Erfahrung einer unattraktiven, schwer durchschaubaren Budenstruktur, die es einem schwer macht, "dranzubleiben". Ich denke, die Macher haben ein komplett anderes Bild von ihrem Werk oder betrügen sich selbst. Dem Pressesprecher Olaf Bargheer konnte man streckenweise nicht zuhören vor altmodischem NewEconomygequarke. Ich frage mich allen Ernstes, wie das der Hochschulpräsident als Chef vom Ganzen verantworten konnte..

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