Mensch und Tier in Hamburg

Quälerei und Affenliebe

Von ägyptischen Katzenmumien über Paul Klees Goldfisch bis hin zu Beuys' Kojoten-Performance: Das MKG in Hamburg untersucht derzeit das oft so widersprüchliche Verhältnis des Menschen zum Tier.
Quälerei und Affenliebe

Gabriel von Max: "Affen als Kunstrichter", um 1889

Sie werden verehrt und verniedlicht, erforscht und ­gejagt, geliebt, gefürchtet, dressiert und gegessen: Was Tieren durch Menschen widerfährt, wird nur durch die Überzeugung möglich, gänzlich von ihnen verschieden zu sein. Dabei sind wir zoologisch nichts weiter als eine Gattung der Menschenaffen und ­damit selbst Mitglieder der Tierwelt.

Was aus dieser Erkenntnis folgt und wie das Verhältnis von Mensch und Tier über die Jahrtausende ausgesehen hat, fragt das Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg anhand von rund 200 Schaustücken. Entsprechend den vielfältigen Sammlungen ihres Hauses schlägt die ­Direktorin Sabine Schulze den großen Bogen über Themen und Jahrtausende, von Höhlenmalerei bis zu Videos von Douglas Gordon oder Allora & Calzadilla, von wissenschaftlich exakten Zeichnungen bis zu Paul Klees ­unnahbar strahlendem Goldfisch.

Auch Anbetung kann Quälerei sein

"Respekt/Harmonie/Unterwerfung" heißt es im Titel der Ausstellung – die Zeugnisse der Unterwerfung ­dürften in der Überzahl sein. Müssen Steinzeitmenschen Großtiere noch als Bedrohung erlebt haben, kehrten sich die Machtverhältnisse in der Zivilisation um. Selbst Anbetung konnte in Quälerei münden, etwa im alten Ägypten mit seinen tierköpfigen Gottheiten: Der Bedarf an Katzen-, Affen- und Ibismumien als Grabbeigaben scheint schon dort zu Massenhaltung geführt zu haben. Harmonie zwischen Mensch und Tier galt lange als Merkmal des verlorenen Paradieses – schön, aber eben unerreichbar und darum auch keines Bemühens wert. Während Franz Marc in seinen Gemälden nur in diese Richtung träumte, ging Joseph Beuys einen Schritt weiter: Bei der schamanisch getönten Performance "I Like America and America Likes Me" suchte er 1974 die Nähe eines Kojoten als Verkörperung spiritueller Energien der Ureinwohner.

Im Zwischenreich
Ob mit ausgestopften Tieren, Bildern oder echtem Müll – im Schaukasten wird seit zweihundert Jahren Wirklichkeit inszeniert. Faszinierend sind sie noch heute

Respekt vor Affen entwickelte um 1900 der Salonmaler Gabriel von Max: Menschen gegenüber skeptisch und naturwissenschaftlich interessiert, schätzte er die Tiere für ihre Unfähigkeit zu lügen und hielt bei seiner Villa am Starnberger See eine ganze Horde. Stehen Gemälde wie Affen als Kunstrichter in der Tradition, die Tiere als Karikaturen der Menschen zu ­betrachten, geht "Affe vor Skelett" darüber hinaus. Wie da ein Rhesusaffe vor den Überresten eines Artgenossen über die eigene Sterblichkeit zu sinnieren scheint, hat bei aller Possierlichkeit einen tragischen Zug von Sündenfall und Verlust der Unschuld. Ob das menschliche Bewusstsein erstrebenswert sei, war für den malenden Affenfreund noch längst nicht ausgemacht.

Tiere. Respekt/Harmonie/Unterwerfung
150 Gemälde, Skulpturen, Grafiken, Fotografien und Videos bis hin zu raumgreifenden Installationen und Filmen von etwa Albrecht Dürer, Johann Heinrich Füssli, Paul Klee, Pierre Huyghe und Ai Weiwei beschäftigen sich mit dem Verhältnis zwischen Tier und Mensch
MKG – Museum für Kunst und Gewerbe ,  Hamburg