Édouard ­Manet in Wuppertal

Glanz ohne Paradestücke

Es ist kein Fehler, dass in der aktuellen Manet-Retrospektive in Wuppertal die berühmtesten seiner Werke fehlen. Denn nur so wird der Blick frei auf die ebenso grandiose zweite Reihe des manetschen Schaffens.
Glanz ohne Paradestücke

Edouard Manet: "Chez le père Lathuille", 1879, Öl auf Leinwand, 92 x 112 cm

Um den ganzen Manet zu ­sehen, müsste man eine kleine Weltreise unternehmen. Außer in seiner Heimatstadt Paris finden sich die Gemälde des französischen Modernisten in London, Chicago, Washington, München, Kopenhagen oder Madrid, und viele von ihnen sind so berühmt, dass die Strapazen einer Ausleihe kaum zu rechtfertigen sind. Wenn das Wuppertaler Von der Heydt-Museum nun ein Jahr nach der Hamburger Manet-Ausstellung eine weitere Retro­spektive des Malers ankündigt, ist das jedoch kein Etikettenschwindel, sondern der mehr als ehrenwerte Versuch, die Not in eine Tugend zu verwandeln: Ohne die Olympia, das Frühstück im Atelier, den Balkon und all die anderen modernen Ikonen wird der Blick auf die zweite Reihe des manetschen Schaffens frei. Also auf Werke, die zwar nicht in die Geschichtsbücher gelangten, denen der bedeutendste Maler des 19. Jahrhunderts aber oft genug ebenso viel Hingabe gewidmet hat.

Immerhin 45 Leihgaben aus drei Kontinenten wurden für "Édouard ­Manet" nach Wuppertal gebracht, ­darunter frühe Studien, eine elegante Reiterin aus dem Spätwerk, das ­Por­trät der Malerin (und Manets Schwägerin) Berthe Morisot und der berühmte Flirt bei "Père Lathuille". Chronologisch beginnt die Schau mit Arbeiten aus Manets Lehrzeit beim Historienmaler Thomas Couture und endet mit den Blumenstillleben, die der an Syphilis erkrankte Maler in seinen letzten Lebensmonaten schuf. Dazwischen finden sich thematische Abzweigungen, etwa zu Manets Verhältnis zur Fotografie und den realistischen Malern von Barbizon, zu den vielen Seestücken des Beinahemarineoffiziers (er fiel bei der Aufnahme­prüfung durch), zum Spanienfieber, dem auch Manet zeitweise erlag, und, als Kern der Ausstellung, zu Manets politischen Überzeugungen.

Der treueste Impressionist
Vielleicht war Camille Pissarro wirklich »der Erste der Impressionisten«, wie das Pariser Marmottan derzeit in einer großen Ausstellung behauptet. Dass er trotzdem nicht zur Legende wurde, hatte andere Gründe

Für Von der Heydt-Direktor Gerhard Finckh haben Manets gemalte Plädoyers für das aufgeklärte Bürgertum und die demokratische Gesellschaft nichts an Aktualität verloren beziehungsweise wieder stark an ­Aktualität gewonnen. Gezeigt werden die Werke des Malers gemeinsam mit weit über 100 Gemälden, Zeichnungen und Fotografien von Zeitgenossen und Weggefährten wie Claude Monet, Auguste Renoir, Edgar Degas, Berthe Morisot, Nadar und Thomas Couture. Vor diesem zeithistorischen Hintergrund soll das Schaffen des großen malerischen Flaneurs Édouard Manet (1832 bis 1883) an Kontur ­gewinnen.

Édouard Manet
Die Schau präsentiert das Œuvre des französischen Malers (1832–1883), beginnend mit den ersten Versuchen als Schüler von Thomas Couture und endend mit den strahlenden Gartenbildern aus Rueil von 1882. Zu sehen sind 45 Gemälde sowie rund 100 Werke von Zeitgenossen wie Monet, Renoir und Courbet
Von-der-Heydt-Museum ,  Wuppertal
Seerosen, 1906, Art Institute of Chicago
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