Lucy Skaer in Berlin

Die Steuerfrau

Lucy Skaer produziert Werke, die immer neue Formen annehmen können. Für die erste Einzelausstellung der britischen Künstlerin in Berlin werden Neuproduktionen und Arbeiten aus den letzten zehn Jahren zu einer Gesamtinstallation zusammengeführt.
Die Steuerfrau

Lucy Skaer: "Rachel, Peter, Caitlin, John", 2010, Standbild, 16-mm-Film

Das Boot gehört zu den Dingen, welche die Künstlerin Lucy Skaer zu faszinieren scheinen. "A Boat Used as a Vessel" lautete etwa der mehrdeutige Titel einer 2009 von Adam Szymczyk kuratierten Ausstellung in der Kunsthalle Basel, die nicht nur ihre erste große institutionelle Einzelschau war, sondern der Künstlerin zudem die Nominierung für den prestigeträchtigen Turner Preis einbrachte. Man könnte "Vessel" sowohl als "Gefäß", "Fahrzeug" oder auch als mit "Schiff" übersetzen. Ganz gleich, an welche Funktion man denken möchte ­ auf jeden Fall gleitet das Boot als Transportmittel auf dem Wasser dahin.

Ähnlich ist es mit der Kunst der 1975 in Cambridge geborenen Künstlerin, die mit Zeichnung, Bildhauerei und 16-Millimeter-Film arbeitet. Scheinbar mühelos manövriert sie ihre künstlerische Erzählung im Sinne einer unendlichen Reise durch verschiedene ästhetische Formen und Zustände und arbeitet so bis zu einem gewissen Grad der Verfestigung ihres Werks entgegen. Dabei verwendet Skaer ganz traditionelle Materialien wie Kupfer, Holz und Porzellan, die sie sowohl mit traditionellen als auch mit zeitgenössischen, etwa computergestützten Produktionsprozessen verknüpft.

Dabei sucht die Künstlerin gern nach neuen und überraschenden Wendungen oder der Lust an der Konstruktion von schwer dechiffrierbaren Bezügen innerhalb ihrer Kunst. Als Auslöser dienen beispielsweise ökonomisch-logistische Zwänge in der Kunstwelt. Als etwa die Düsseldorfer Kunsthalle K21 für ein Ausstellungsprojekt ursprünglich nur über ein geringes Transportbudget verfügte, schnitt Skaer dort im Jahr 2010 direkt vor Ort ein großformatiges Narrenschiff nach der gleichnamigen, spätmittelalterlichen Moralsatire von Sebastian Brant in den Fußboden und fertigte mehrere Druckabzüge an. Diese wurden wiederum bei weiteren Stationen der Schau in Wien oder Brüssel präsentiert ­ ebenso wie der ursprüngliche Düsseldorfer Fußboden-Holzschnitt, dessen Einzelteile bei jeder Ausstellungsstation immer wieder neu (und immer weniger an das Ursprungsbild erinnernd) zusammengesetzt wurden.

Für die erste, von Anna Gritz kuratierte Einzelausstellung von Lucy Skaer in Berlin, die im Februar 2018 auch im Salzburger Kunstverein zu sehen sein wird, werden sowohl Neuproduktionen präsentiert, wie auch Arbeiten aus den letzten 10 Jahre. Beides wird im Stil eines für die Künstlerin mittlerweile charakteristischen Transformationsprozess in einer großen Installation zusammengeführt.

Lucy Skaer. Available Fonts
Neue sowie ältere Werke der britischen Künstlerin (*1975), die mit den Medien Skulptur, Zeichnung, Druckgrafik und Film arbeitet
KW Institute for Contemporary Art – Kunst-Werke Berlin ,  Berlin