Max Beckmann in Bremen

Das Leben ein Schauspiel

In Zirkus, Varieté und auf der Bühne fand der Max Beckmann Motive für seine Bilder –  das »Welttheater« war für den Maler aber auch eine Antwort auf die düsteren Umbrüche seiner Zeit am Ende der Weimarer Republik
Das Leben ein Schauspiel

Max Beckmann: "Doppelbildnis Karneval", 1925, Öl auf Leinwand, 160,5 x 104,5 cm

Gleich kippt das Bild, gleich fällt der Akrobat in die Tiefe, stürzen die Tänzer übereinander, reißen sich die Tiere in der Manege los. Die wirbelnde Welt des Varietés, Zirkus und Theaters faszinierte den Maler Max Beckmann (1884 bis 1950), und er hat sie immer wieder in seinen Gemälden aufgegriffen: das Spiel mit Masken und Kostümen, mit den Perspektiven in verdichteten Räumen, mit verrenkten und überstreckten Menschengliedern.

Die Kunsthalle Bremen bringt Gemälde des deutschen Künstlers wie etwa den Apachentanz (1938), aber auch Skulpturen und Papierarbeiten zu diesem Themenbereich in der Ausstellung "Max Beckmann. Welttheater" zusammen. Die Schau, eine Kooperation mit dem Museum Barberini in Potsdam, präsentiert rund 130 Werke, ergänzt von Zeitdokumenten, Fotos und Filmaufnahmen aus den zwanziger und dreißiger Jahren. "Die Atmosphäre dieser besonderen Zeit wollen wir aufleben lassen", sagt Kokuratorin Verena Borgmann. Beckmann habe im Theater auch gern hinter die Kulissen geblickt. "Er interessierte sich sehr für den Moment des Rollenwechsels der Schauspieler vor und nach ihren Auftritten – von der Privatperson in eine Bühnenrolle und zurück." Der Maler schlüpfte auch selbst in verschiedene Rollen, und hielt sich etwa im Selbstbildnis als Clown (1921) fest.

Theater vereint Sprache, Bild und Musik

Das Theater begeisterte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts viele bildende Künstler, denn nirgendwo sonst konnten so verschiedene Kunstformen wie Musik, Tanz, Sprache, Bild und Skulptur vereint werden. Beckmann greift das Thema "Welttheater" auf, ein Konzept, das bis in die Antike zurückreicht. Es beschreibt das Weltgeschehen als ein Schauspiel, in dem jeder Mensch seine durch Schicksal oder von Gott festgelegte Rolle spielt.

Von der Kritik gefeiert, von Nazis umgebracht
Elfriede Lohse-Wächtlers Bilder sind leidenschaftliche Studien menschlicher Abgründe. Sie vermitteln auf eindringliche Weise Emotionen und Seelenzustände der Porträtierten und sind auch Spiegel einer tragischen Künstlerbiografie

Für Beckmann war das "Welttheater" auch eine Antwort auf die düsteren Umbrüche seiner Zeit am Ende der Weimarer Republik, die aufziehende Bedrohung durch den Nationalsozialismus und die Ohnmacht gegenüber einer aus den Fugen geratenen Gesellschaft. Der Freund des Malers, der Schriftsteller Stephan Lackner, schrieb 1938 über dessen Bilder: "Da gleiten tragische und närrische Aspekte vorüber, grausam-elegante Kampfspiele, bunte Zirkusszenen, aber die Einheit der Handlung bleibt stets gewahrt." Der Bilderrahmen sei zum Bühnenrahmen geworden und  Beckmann zugleich "Theaterdirektor, Regisseur und Kulissenschieber".

Max Beckmann. Welttheater
Der deutsche Maler (1884–1950) war fasziniert von der Welt des Theaters, des Zirkus’ und Varietés als metaphorischer Schauplatz der menschlichen Beziehungen und des Weltgeschehens. Die Ausstellung entsteht in Kooperation mit dem neuen Museum Barberini in Potsdam (24.2.–10.6.2018)
Kunsthalle ,  Bremen
Expressionismus
Aktuelle Ausstellungen, Artikel und das Wichtigste zum Expressionismus im Überblick