Georg Herold in Bonn

Gegen alle Autoritäten

Gemeinsam mit Sigmar Polke, Albert Oehlen und Martin Kippenberger mischte Georg Herold in den Achtzigern die deutsche Kunstszene auf. Eine Werkschau zum 70. Geburtstag des kalauernden Dachlatten-Künstlers zeigt ihn nun beinahe altersweise
Gegen alle Autoritäten

Georg Herold: "Blühendes Leben", 2009, Dachlatten, Schrauben, Leinwand, Zwirn, Lack

Mit Holzlatten aus dem Baumarkt lässt sich erstaunlich viel anfangen. Man kann sie beispielsweise in viele kurze Stücke sägen und die Einzelteile so zusammennageln, dass die Umrisse von Deutschland in den Grenzen von 1937 dabei herauskommen. Oder man kann aus ihnen eine menschliche Figur zimmern und diesem Blühenden Leben eine rosafarbene Lackhose vom Kopf bis über die Füße ziehen. Oder, und jetzt wird es klassisch, man kann eine zwei Meter und zehn Zentimeter lange Dachlatte an die Wand nageln, "Goethe" darauf- schreiben und dann ein 60 Zentimeter kurzes Stück Holz mit der Aufschrift "im Vergleich dazu irgendein Scheißer" danebenstellen. Man kann das alles tun. Aber man muss es sich erst einmal trauen.

Für den Kölner Künstler Georg Herold (Jahrgang 1947) war das überhaupt kein Problem. Er kam aus der Aufmüpfigkeitsschule Sigmar Polkes und mischte in den Achtzigern mit Martin Kippenberger, Albert Oehlen und Werner Büttner die deutsche Kunstszene mit wilden Späßen und einer genau kalkulierten Lust am Banalen auf. Denn selbstredend schlug sich Herold nicht ohne Hintergedanken auf die Seite der "kleinen Scheißer": Mit seinen stets wie hingepfuscht wirkenden Werken ging er – ein halbes Jahrhundert nach den Dadaisten – noch einmal gegen die offenbar nicht totzukriegenden Autoritäten der Kunstgeschichte an. 

Der Meister des Provisorischen

Zu Herolds 70. Geburtstag zeigt das Kunstmuseum Bonn eine Werkschau und feiert ihn als Meister des Unfertigen, Provisorischen. Liest man die Ankündigung des Museums, kann man eigentlich nur zu dem Schluss kommen, dass aus Herold selbst eine Autorität, ein Denkgewohnheiten infrage stellender Goethe geworden ist. Er selbst scheint sich dieser Ironie bewusst zu sein, denn die Ausstellung trägt ganz kalauerfrei nur seinen Namen und zeigt einen teilweise geradezu altersweisen, nicht mehr jungen Wilden, der sich schon immer mit der Ästhetik des Materials beschäftigte. So ist in Bonn ein Tisch zu sehen, auf dem Bimssteine der Schwerkraft auf einer gebogenen Platte zu trotzen scheinen. Auch das Regal mit Wasserständen sieht jetzt beinahe wie eine Meditation über das Zusammenspiel der Materialien Holz, Glas und Wasser aus. Lachverbot bei Georg Herold? Das wäre vielleicht der beste Witz von allen. 

Georg Herold
Retrospektive des deutschen Bildhauers (*1947), der zusammen mit Martin Kippenberger und Albert Oehlen zur Generation der Jungen Wilden gehörte
Kunstmuseum ,  Bonn