Goldene Löwen

Biennale Venedig

Politische Zwischentöne
Die Preisträger: Benjamin Buchloch, Emily Jacir, Andreas Fogarasi und León Ferrari (von links nach rechts). (Bild: La Biennale di Venezia, 2007)

POLITISCHE ZWISCHENTÖNE

Im Rahmen der 52. Biennale von Venedig haben Präsident Davide Croff und die internationale Jury vier Goldene Löwen und zwei lobende Erwähnungen vergeben. Als bester Länderbeitrag wurde der reduziert-ruhige, von einem Österreicher bespielte ungarische Pavillon prämiert

Als bester Länderbeitrag wurde der von Andreas Fogarasi ruhig und reduziert bespielte ungarische Pavillon ausgezeichnet: Unter dem Titel „Kultur und Freizeit“ projiziert der 1977 geborene Österreicher in eigens konzipierten, minimalistischen Black-Boxen Ansichten von Budapester Kultur- und Bildungseinrichtungen, die das sozialistische und postsozialistische Kulturleben reflektieren. Die Jury würdigte den „Umgang des Künstlers mit der Moderne, ihren Utopien und ihrem Scheitern im Kontext einer gemeinsamen Geschichte“.
Eine lobende Erwähnung erhielt zudem der litauische Pavillon, in dem Nomeda & Gediminas Urbonas (geboren 1968 und 1966) ihr Land mit dem Nachbau eines ehemaligen litauischen Botschaftsgebäudes in Rom („Villa Lituania“) vertreten.
Der Goldene Löwe für den besten Künstler ging an León Ferrari, der bei der Biennale mit einer Skulptur vertreten ist, die eine auf einem US-Kampfbomber gekreuzigte Christusfigur zeigt („La civilización occidental y cristiana“, 1965). Die Jury lobte den 1920 geborenen Argentinier für seine konsequent verfolgte „kritische Praxis unter oft feindlichen politischen und sozialen Gegebenheiten“, seine „ethische Haltung und sein politisches Engagement“, aber auch für seine zeitgenössisch anmutende Ästhetik, „die angesichts eines sechs Jahrzehnte umfassenden Schaffens in Erstaunen versetzt“.
Eine lobende Erwähnung erhielt der 1957 in Bulgarien geborene Nedko Solakov, der in der Ausstellung „Think with the senses, feel with the mind“ in den Arsenale auf humorvolle Weise die politisch brisante Lizenzgeschichte der Kalaschnikow präsentiert.
Die 1970 in Amman geborene Emily Jacir, die in ihren Arbeiten den Palästinenserkonflikt thematisiert, erhielt den Goldenen Löwen als beste Nachwuchskünstlerin.
Benjamin Buchloh, Professor der Harvard University und Mitherausgeber der „October“-Hefte für Kunstkritik, wurde mit der erstmals vergebenen Auszeichnung für einen Kritiker oder Kunsthistoriker geehrt, der sich auf herausragende Weise um die zeitgenössische Kunst verdient gemacht hat.
Bereits zur Biennale-Eröffnung am 10. Juni war dem 1936 in Mali geborenen Fotografen Malick Sidibé der Goldene Löwe für sein Lebenswerk verliehen worden.
Mitglieder der von Biennale-Direktor Robert Storr versammelten Jury unter Vorsitz von Manuel J. Borja-Villel, Direktor des Museu d’Art Contemporani de Barcelona (MACBA), waren Iwona Blazwick, Direktorin der Whitechapel Gallery in London, Ilaria Bonacossa, Kuratorin an der Fondazione Sandretto Re Rebaudengo in Turin, Abdellah Karroum, freier Kurator in Paris und Rabat, sowie José Roca, Kunstbeauftragter der kolumbianischen Banco de la República in Bogotá. Erstmals wurden die Preisträger in diesem Jahr nicht während der Eröffnungstage im Juni bekannt gegeben, sondern erst gut einen Monat vor Ausstellungsende.
Die 52. Biennale von Venedig, die zum jetzigen Zeitpunkt 232 000 Besucher vermeldet, läuft noch bis zum 21. November.

Kommentieren Sie diesen Artikel

0 Leserkommentare vorhanden

Abo