Ferdinand Hodler in Bonn

Meister der Selbstvermarktung

Ferdinand Hodler überließ nichts dem Zufall: Äußerst zielstrebig plante er seine Karriere und gilt heute als einer der bedeutendsten Symbolisten der Schweiz. Mit über 100 Werken erlaubt eine große Schau in Bonn einen umfangreichen Einblick in das Schaffen des Schweizer Nationalkünstlers.
Meister der Selbstvermarktung

Ferdinand Hodler: "Der Frühling", um 1907–1910

Etwas Geschäftstüchtigkeit mag einem jungen Künstler ganz gut anstehen, zu viel davon macht ihn aber höchst verdächtig. Dann wird ihm gern vorgeworfen, nur für den Kunstmarkt zu produzieren und dass es ihm vor allem ums Verkaufen geht. Aber was ist so schlimm daran, außer der Kunst auch die eigene Karriere im Sinn zu haben? Weder Michelangelo noch Franz Marc hielt es davon ab, ein grandioses Werk zu schaffen, und doch sind selbst Historiker versucht, die merkantilen Aspekte des Künstlertums peinlich berührt unter den Teppich der Vergangenheit zu kehren.

In der Bonner Bundeskunsthalle bietet die Karriereplanung des Schweizer Symbolisten Ferdinand Hodler (1853 bis1918) dagegen das gedankliche Gerüst einer üppig bestückten Ausstellung. Die Kuratoren von "Ferdinand Hodler – Maler der frühen Moderne" wollen zeigen, wie wenig zimperlich Hodler an seinem Fortkommen arbeitete, indem er sich mit gezielt ausgewählten Motiven an nationalen Wettbewerben beteiligte, eifrig Kunstvereine und Kunsthändler beschickte und sich kaufkräftigen Sammlern als virtuoser Porträtmaler empfahl. Zwischen 1875 und 1900 beteiligte sich Hodler an nicht weniger als 200 Ausstellungen und sorgte dabei oft genug für hitzige Debatten. Wie man der Konkurrenz die Schau stiehlt, hatte er in Paris gelernt: Dort studierte er nicht nur die Maltechnik der Impressionisten, sondern auch die skandalöse Selbstinszenierung eines Gustave Courbet.

Im Gespräch zu sein, bedeutet nicht, gefragt zu sein

Allerdings musste Hodler lernen, dass im Gespräch zu sein nicht automatisch bedeutet, auch gefragt zu sein. Erst 1887 verkaufte er ein erstes Gemälde an eine staatliche Institution, und selbst der internationale Eklat um sein 1891 erstmals präsentiertes Meisterwerk Die Nacht machte ihn nicht zum Millionär – es dauerte noch mal bis 1904, bis Hodler von allen Geldsorgen befreit war.

Verschwundenes Hodler-Bild gefunden
Einen Tag, nachdem ein angeblich gestohlenes Gemälde von Ferdinand Hodler in Bern als vermisst gemeldet wurde, ist das Bild überraschend wieder aufgetaucht

"Networking" im frühen 20. Jahrhundert

Mithilfe von rund 100 Gemälden und über 40 Zeichnungen soll in der Bundeskunsthalle deutlich wer- den, dass malerisches Genie und Geschäftstüchtigkeit einander nicht ausschließen müssen und wie eng verflochten Kunst und Kunstmarkt schon damals waren. In der Ausstellung sind alle Gattungen aus Hodlers umfangreichem Schaffen vertreten. Zahlreiche Fotografien bieten zudem Einblicke in seine Arbeitsweise, sein Umfeld und sein Talent für das, was man heute "Networking" nennt.

Auch das Wiener Leopold Museum zeigt eine große Hodler-Ausstellung. Sie untersucht den Einfluss des Malers auf die Wiener Moderne und ist vom 13. Oktober 2017 bis zum 22. Januar 2018 zu sehen.

Ferdinand Hodler – Maler der frühen Moderne
Mit über 100 Gemälden erlaubt die große Schau einen Einblick in das Schaffen des Schweizer Künstlers Ferdinand Hodler (1853–1918) an der Schwelle zur Moderne
Bundeskunsthalle ,  Bonn