Haus Mödrath bei Köln

Traum im Grünen

Das kunstsinnige Rheinland ist um ein Ausflugsziel reicher: Ein anonymer Sammler lässt wechselnde Kuratoren ein Herrenhaus bei Köln mit Kunst bespielen.
Traum im Grünen

Nur 30 Autominuten von der Kölner Innenstadt lockt das 1838 erbaute Haus Mödrath

Früher gab’s hier mal den kleinen Ort Mödrath, doch der wurde in den fünfziger Jahren vom Braunkoh­le­tagebau verschluckt. Geblieben ist das alte Anwesen, das jetzt von viel Grün umgeben ist und an dessen Tor seit Neuestem "Räume für Kunst" geschrieben steht. Das lakonische Klingelschild ist Programm: Der Kölner Sammler, der das 1838 erbaute Herrenhaus aufwendig renovieren ließ, möchte ganz hinter seinem Anliegen verschwinden: "Mir kommt es ausschließlich auf die Kunst und die Künstler an", schreibt er im Geleitwort zur Eröffnung. "Sie sollen in Haus Mödrath realisieren können, was ihnen wichtig ist. Alles andere soll sich dem unterordnen – deshalb möchte ich selbst übrigens auch anonym bleiben."

Eigentlich suchte der Sammler nur ein Bürohaus für sein Unternehmen. Dabei stieß er am grünen Rand von Kerpen auf den neoklassizistischen Putzbau, der vom vorigen Besitzer in einen etwas seltsamen Traum großbürgerlicher Behaglichkeit mit offenen Kaminen, 17 Marmorbädern und einem Schwimmbad gleich neben der Diele verwandelt wurde. An einen Umbau zum Bürogebäude war nicht zu denken. Aber an etwas, von dem der Sammler seinerseits schon lange träumte: ein der zeitgenössischen Kunst gewidmetes Haus.

Kein einfaches Sammlermuseum

Jetzt steht Haus Mödrath als wunderbar herausgeputztes, teilweise zurückgebautes und im Inneren sehr aufgeräumtes Schmuckstück vor uns. Es ist zudem ein Kleinod, das gerade kein Sammler­museum sein soll, sondern "ein lebhafter Ort, wo künftig wechselnde Ausstellungen von wechselnden Kuratoren organisiert werden". Für die Eröffnungsschau "Aftermieter" erhielt Kurator Veit Loers freie Hand, was dieser dazu nutzte, zeitgenössische Leihgaben aus verschiedenen Sammlungen zusammenzustellen. Passend zum wiederentdeckten Ort geht es um die schmale Grenze zwischen Natur und Kultur.

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Das Thema ist weit genug gefasst, um ein interessantes Sammelsurium zuzulassen: Das Treppenhaus wurde von Mary-Audrey Ramirez mit einem windschiefen, mehrere Meter aufragenden Totem aus Plüschtieren und Kopfkissen geschmückt. Unterm Dach hat die tschechische Künstlerin Eva Kot’átková einen Gitterstall für schwer erziehbare Kinder eingerichtet – komplett mit Stroh, Hühnerhaus und wie aus den Arsenalen der Schwarzen Päda­gogik anmutendem Mobiliar. Rund 30 Autominuten von der Kölner Innenstadt entfernt, ist im Haus Mödrath für den hartgesottenen Kunstfreund ebenso wie für den nichts Böses ahnenden Spaziergänger gesorgt. Mit Kai Althoff, Günther Förg, Alicja Kwade und Franz West gibt es bekannte Namen, dazu eher unbekannte Künstler wie Ali Altin, Adolf Beutler und Davide Stucchi – und immer wieder Hingucker wie Eric Bainbridges überlebensgroßen Plüschschwan im Leopardenfell. Bis 15. November 2018 ist die Ausstellung jeweils am Wochenende zu sehen: Das kunstsinnige Rheinland ist um ein Ausflugsziel reicher.

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