Starter: Anna Virnich

Mit allen Sinnen

Die surrealen Arbeiten von Anna Virnich riechen, tönen, leuchten - und faszinieren nicht nur durch ihre Geschichte.
Mit allen Sinnen

Anna Virich: "You Changed the Smell of My Sweat", Installation, Detail

"Wenn ich nicht weiterweiß", sagt Anna Virnich, "gehe ich einkaufen." Dann sucht sie Stoffe, aufgeladen mit Gerüchen, Spuren, Geschichten, wie Seide aus Sri Lanka, Leder aus Mexiko. Virnich reißt, näht, tackert, klebt, bleicht. Virnich sagt, sie liebe das »Haptische an ihrer Arbeit, dieses Fest-Zurren«. Dabei touchiert die 33-jährige Berlinerin, die bei Walter Dahn in Braunschweig studiert hat, Themen wie Liebe, Sex, Geburt und Tod. Das "Flirrende, Schwitzige" ziehe sie an. Seit Jahren experimentiert sie mit Heilpflanzen – man könnte auch sagen: Drogen. Die meisten hat sie an sich selbst ausprobiert.

Im Prozess brächen aus allen Materialien Geschichten heraus. Irgendwann interessierten sie gebrauchte Materialien, wie die Mantilla, ein Spitzenstoff, mit dem sich Mexikanerinnen in der Kirche verhüllen. Teile davon nähte Virnich auf weiße Seide aus den dreißiger Jahren, "die stank nach Parfüm und Zigarettenrauch". Das war 2016, Virnich war nach Mexiko gereist, um eine Ausstellung vorzubereiten. Da war dieser Raum mit zwölf Meter hohen Decken und natürlichem Licht, eine Bühne.

Unnachgiebig
Pop Art? Hyperrealismus? Airbrush-Technik? Durch eine ungewöhnliche Maltechnik erhalten die Bilder von Sebastian Burger eine vielschichtige Ästhetik. Der Leipziger Maler arbeitet bevorzugt mit hochpigmentierten Ölfarben auf Papier.

"Plötzlich sah ich meine Arbeiten wie Magnetfelder, denen sich der Betrachter entgegenstellen muss." Aus dem hellen Saal wurde man in die Dunkelheit geleitet mit einem permanenten schrillen Ton wie bei einem Tinnitus. Tuberose, Patschuli und Manaka, ein Kraut, das wie Männerschweiß riecht. "Ich selbst habe es dort nicht lange ausgehalten", sagt sie.

Anna Virnich

Geboren: Berlin

Wohnort: Berlin

Ausbildung: Klasse Walter Dahn und Family + Friends.

Galerie: DREI, Cologne und Proyectos Monclova, Mexiko-Stadt.

Initialzündung: Hugh Griffith in "How to Steal a Million".

Höhepunkt: Gestern, heute und vielleicht auch wieder morgen.

Tiefpunkt: Gestern, heute und vielleicht auch wieder morgen.

Helden: I love Rosi.

Credo: Dat machste, wie de Kleinjeld hast.

Ein rat, der ihnen geholfen hätte: Dat Jeld muss eh rinkommen.

Warum künstlerin? Die kleinen roten Erdbeeren, die veilchen- blauen Blüten und das dunkelgrüne Gras.

Starter
Die Serie »Starter« präsentiert die besten Nachwuchskünstler im Kurzporträt