Ruhrtriennale

Von Licht umfangen

Große Kunst vor hübsch-häßlichem Panorama: Die Ruhrtriennale lädt wieder zur Reise durch den »Pott« – mit Videokunst und leuchtenden Musikinstallationen.
Von Licht umfangen

Raster-Noton: "White Circle", 2016, Installation

Es hat sich mittlerweile herumgesprochen, dass es auch im Ruhrgebiet hübsche Ecken gibt – aber die gibt es schließlich überall. Die wahre Attraktion des "Potts" scheint vielmehr im Hübsch-Hässlichen zu liegen, in den leicht schäbigen urbanen Ecken, die irgendwie nach Heimat riechen und mit denen gerade Künstler immer gerne etwas machen wollen.

"Das Ruhrgebiet ist der beste nicht gedrehte Film, den ich je gesehen habe", sagt etwa Stefan Kaegi vom Theaterkollektiv Rimini Protokoll, der im letzten Jahr eine Tour zu 49 Orten in sieben Ruhrgebietsstädten organisierte. Die Teilnehmer saßen im Anhänger eines Lkw auf einer Tribüne und schauten durch eine Fensterfront auf den "Film", der vor ihnen vorüberzog. An ausgewählten Orten stoppte der Lkw, und ein Künstler spielte einen aus Geräuschen, Musik oder Gesprächen komponierten Soundtrack ein. Auf diese Weise sollten vor allem die "Ruhris" erleben, wie es ist, ihre Heimat mit anderen Augen zu sehen – und diese am Ende vielleicht sogar neu entdecken.

Eine Auswahl der "Truck Tracks Ruhr" ist jetzt als Teil der Ruhrtriennale zu sehen, dem Musik, Oper, Theater, Tanz und bildender Kunst gewidmeten Sommerfestival im Ruhrgebiet. Das Filmteam loekenfranke war bei den Fahrten mit der Kamera dabei und projiziert seine Zusammenstellung als siebenteilige Videoinstallation in der Mischanlage der Essener Kokerei des Zollvereins – womit auch von den Unorten des Ruhrgebiets alle Wege doch wieder zurück zu den alten, mittlerweile zu Kulturhäusern umgewidmeten Industriedenkmälern führen.

Immer wieder der Bergbau

Auch die weiteren Kunstprojekte der Ruhrtriennale finden sich vor oder in den Überbleibseln des Bergbaus: Das vom Atelier Van Lieshout entworfene Festivalzentrum "The Good, the Bad and the Ugly (Refektorium)" steht – leicht modifiziert – erneut vor der Bochumer Jahrhunderthalle, Paul Plampers Hörspiel "Dienstbare Geister" wird mit Hauptdarstellerin Sandra Hüller im Essener Unesco-Welterbe Zollverein aufgeführt, und Raster-Notons audiovisuelle Installation "White Circle" erklingt in der Kraftzentrale des Landschaftsparks Duisburg-Nord. Besucher, die in den Kreis aus Neonröhren treten, befinden sich unversehens in einer Art Kokon aus Licht und Tönen.

Ruhrtriennale
Auch 2017 ist „Seid umschlungen“ das Leitmotiv der Intendanz Johan Simons als Geste der künstlerischen, gesellschaftlichen und geografischen Umarmung. Das Kunstdorf »The Good, the Bad and the Ugly« von Atelier Van Lieshout oder die Installation »Truck Tracks Ruhr – The Compilation« von Rimini Protokoll in der Kokerei Zollverein, Essen (19.8.–30.9.) bietet viel Kunst – »umsonst und draußen«. Auch in Duisburg sind weitere Installationen zu sehen
Kunstdorf ,  Bochum