William Kentridge in Salzburg

Zwischen Bühne und Museum

Mit seinen Animationsfilmen gelang William Kentridge in den Neunzigern der Durchbruch, ursprünglich wollte er allerdings Schauspieler werden. In der Festspielstadt Salzburg kehrt der südafrikanischen Künstler nun zum Theater zurück – und findet eine ungewöhnliche Arbeitssituation vor.
Zwischen Bühne und Museum

William Kentridge: "The Refusal of Time", in Zusammenarbeit mit Philip Miller, Catherine Meyburgh und Peter Galison, 2012, Filmstill

Drei Wochen an einem Ausstellungsort, das kommt bei William Kentridge, dem 1955 geborenen südafrikanischen Meister der theatralischen Zeichnung, eigentlich nie vor. Daher ist die Situation in Salzburg, wo seine  große Wanderausstellung "Thick Time" jetzt gastiert, eine besondere. Bietet sich hier doch die Gelegenheit, Kentridges zwischen Museum, Theater und Oper aufgespanntes Werk in seiner Gesamtheit zu erleben. Denn praktisch parallel zum Ausstellungsaufbau im Museum der Moderne hatte auch seine neueste Inszenierung Premiere, Alban Bergs Wozzeck bei den Salzburger Festspielen.

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Eine Situation, auf die die Museumsdirektorin und Kuratorin der Schau, Sabine Breitwieser, ganz speziell reagierte: Erstens ergänzte sie die Wanderausstellung der großen Videoinstallationen Kentridges um eine erste Retrospektive seines Bühnenwerks. Zweitens richtete sie dem Künstler im Rupertinum, dem zweiten Haus des Museums der Moderne, auch gleich ein eigenes Studio ein für seinen dreiwöchigen Aufenthalt in Salzburg, mit direktem Blick auf das Festspielhaus gegenüber, wo Wozzeck gespielt wird. "Der Festspielintendant und ich haben Kentridge also zwischen Museum und Bühne hin- und hergezogen", beschreibt sie diese ungewöhnliche Arbeitssituation.

Dem Theater stets verbunden

Um gleich zu ergänzen: "Kentridge ist ja sehr diszipliniert!" Noch nie habe sie mit einem derart generösen Künstler gearbeitet, derart effektiv und konzentriert, auch schon bei der Vorbereitung zur Wanderausstellung, wozu alle Beteiligten in sein Studio in Johannesburg geladen wurden. In das Haus, in dem schon Kentridges Vater lebte, ein Anwalt und Antiapartheidsaktivist, dessen Einstellung auch das um Fragen der Kolonialisierung, der Unterdrückung und der Freiheit kreisende Werk des Sohns prägte. Der wollte eigentlich Schauspieler werden und gründete in den Siebzigern eine Theatergruppe. Erst relativ spät, in den frühen Neunzigern, gelang ihm dann mit seinen animierten Zeichentrickfilmen im Kunstbetrieb der Durchbruch.

Bin im Theater
Wie kommt es, dass die Institutionen der Kunst immer weniger in die politische Debatte eingreifen? Kollektive wie das Zentrum für politische Schönheit arbeiten lieber im Theater als im Museum? Läuft das Theater dem Museum den Rang ab?

Das Museum der Moderne am Mönchsberg zeigt jetzt 13 dieser, laut Breitwieser, sehr kostenaufwendig zu installierenden Filme. Währenddessen sind im Rupertinum, unten in der Stadt, Kentridges Theaterräume zu sehen, eingerichtet mit den teils kinetischen Bühnenmodellen, Puppenmaquetten, Plakaten und Kostümentwürfen. Und auch das Salzburger Studio ist hier zu besichtigen, in dem Kentridge an all dem und seinen letzten Ideen zum Wozzeck feilte. Ganz spartanisch eingerichtet, mit zwei Tischen: einem zum Arbeiten, einem zum Denken.

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