Emil Nolde in Bernried

Der Farbenstürmer

Emil Nolde ist berühmt für strahlende Blumenbilder und dramatisch, farbige Landschaften. Dabei hatte auch das Fantastische und Bizarre stets einen festen Platz in seiner Kunst.
Der Farbenstürmer

Emil Nolde: "Seltsame", Gemälde, 1923

Ausgelassen tanzt Der alte St. Gotthard und das Matterhorn – ein uriger Greis mit roter Nase – lächelt verschmitzt. Mit solch grotesken Darstellungen der Alpenwelt gelang dem gerade 30 Jahre alten Emil Nolde ein Verkaufshit. Dem Erlös seiner 1897 gedruckten Bergpostkarten ist es zu verdanken, dass der Norddeutsche (1867 bis 1956) fortan ein Leben als freier Künstler führen und zu einem Star der Moderne aufsteigen konnte. 

Dabei ist das Fantastische, Bizarre stets Bestandteil seiner Kunst geblieben, auch wenn der Name Nolde heute in erster Linie für strahlende Blumenstillleben und dramatische Himmelslandschaften steht. Zu den zahlreichen Ausstellungen, mit denen der 150. Geburtstag des prominenten Künstlers jetzt gefeiert wird, gehört deshalb auch "Nolde und das Groteske" – eine von den Internationalen Tagen Ingelheim zusammengestellte Schau, die nun im Buchheim-Museum im oberbayerischen Bernried gastiert. Über 100 Werke, darunter auch einige der Bergpostkarten, sowie farbglühende Gemälde, Aquarelle und Grafiken mit feixenden Masken, frechen Kobolden, ekstatischen Tänzern oder glutäugigen Monstern, führen vor Augen, dass sich das Abstruse, Wunderliche wie ein roter Faden durch das gesamte Werk des Künstlers zieht. 

Noldes dunkle Seite
Einer der Superstars der Moderne ist in Misskredit geraten: Erkenntnisse zu seiner Hitler-Verehrung haben Risse in seinen Heldensockel geschlagen. Warum es gar nicht schlecht ist, dass die Nolde-Welt ins Wanken gerät

Um einen anderen Nolde-Aspekt geht es in einer umfangreichen, im Herbst startenden Ausstellung in der Kunsthalle zu Kiel. Hier wird die Zusammenarbeit mit den jungen Malern der Brücke beleuchtet, die den älteren Kollegen als "Farbenstürmer" verehrten. Die Schau zeigt, wie sich die Dresdner Gruppe, der Nolde nur von 1906 bis 1907 angehörte, von diesem Magier des Kolorits inspirieren ließ, während er sich vor allem für die expressionistischen Holzschnitte der Brücke-Künstler begeisterte. Dass ausgerechnet der aufgeschlossene, großartige Maler Emil Nolde sich Jahre später für die Nationalsozialisten begeisterte, die seine Sympathie allerdings nicht erwiderten, bleibt schwer zu verstehen. Der Popularität seiner Kunst hat dieser braune Makel kaum geschadet. Dies belegen auch die vielen Ausstellungen, die ihm zum Jubiläum gewidmet werden.

Emil Nolde auf einem Foto von Minya Diez Dührkoop
Übersicht zu allen Artikeln und aktuellen Ausstellungen mit Emil Nolde
Nolde in der Südsee
In der Reithalle und Sammlung Horn werden Gemälde, Aquarelle und Pastelle des Expressionisten (1867–1956) ausgestellt – entstanden auf einer Südseereise, die er 1913/14 zusammen mit seiner Frau Ada unternahm
Schloss Gottorf – Schleswig-Holsteinische Landesmuseen ,  Schleswig
18649
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art - Das Kunstmagazin
Phantastisches und Groteskes in über 100 Arbeiten des deutschen Expressionisten Emil Nolde (1867–1956). Die Kooperations-Ausstellung mit der Nolde Stiftung Seebüll war zuvor im Museum Wiesbaden zu sehen
Buchheim-Museum ,  Bernried
art - Das Kunstmagazin
1867 als Hans Emil Hansen geboren, benannte er sich seit der Eheschließung mit seiner Frau Ada 1902 nach seinem Geburtsort Nolde. Zweifelsohne gilt Nolde als wegweisender Expressionist, der die moderne Kunst entscheidend geprägt hat.Anlässlich dieses Jubiläums werden in Seebüll in diesem Jahr Emil Noldes Meisterwerke präsentiert. Die meisten sind vielgeliebte Klassiker, die in den vergangenen Jahren unverzichtbarer Teil wichtiger Ausstellungstourneen...
Nolde Stiftung Seebüll ,  Neukirchen