Sindelfingen

Oft radikal: Isa Genzkens Beitrag für den deutschen Pavillon haben Sie 2007 direkt von der Biennale in Venedig weggekauft. Sylvie Fleury ist einer ihrer Lieblinge, wie auch John Armleder und Gerwald Rockenschaub. Anfang der achziger Jahre haben der Unternehmer Peter Schaufler und seine Frau Christiana Schaufler-Münch angefangen, Arbeiten der Gruppe ZERO zu sammeln, im Laufe der Jahre sind 3000 zeitgenössische Werke zusammengekommen, die in Wechselausstellungen im Schauwerk Sindelfingen präsentiert werden. Der kürzlich gestorbene Sammler ließ dazu auch die ehemaligen Produktionshallen seiner Firma für Kühlmaschinen umbauen in großzügige, helle Ausstellungsräume – ideal für die oft radikalen und raumgreifenden Installationen und Lichtskulpturen.

St. Georgen

Wo Kippi weiterlebt: Im tiefsten Schwarzwald, wo einst Uhren und Plattenspieler gefertigt wurden, tickt jetzt der Geist des Künstler-Ironikers Martin Kippenberger. Die Sammlerfamilie Grässlin hat ihr Heimatdorf in einen Kunstparcours mit charmanten Hindernissen verwandelt. In Gärten, leer stehenden Schaufensterfronten, vor allem aber im neu errichteten Kunstraum Grässlin werden Ausstellungen zeitgenössischer Künstler gezeigt.

Weil am Rhein

Eine kleine Expo: Das Vitra-Design-Museum mit seiner fulminanten Sammlung (darunter Nachlässe von Entwerfern wie Verner Panton oder Charles & Ray Eames) und seinen Wechselausstellungen ist ein etablierter Pilgerort für Designliebhaber. Mindestens so spannend ist aber eine Führung über das Firmengelände des Möbelherstellers mit Bauten von Tadao Ando, Frank Gehry und Herzog & de Meuron. Zaha Hadid durfte hier ihr erstes Gebäude errichten – als Betriebsfeuerwehr wie aus einer Star Wars Verfilmung konnte es sich nicht lange bewähren, aber als begehbare Skulptur und Ausstellungsraum funktioniert es nach wie vor bestens.

Hemmenhofen

Dix' Partykeller: Man kann sich vorstellen, wie Martha am Flügel saß, die Kinder im oberen Stockwerk tobten und der Vater im Atelier die Pinsel auswusch. Im ehemaligen Wohnhaus der Familie Dix in Hemmenhofen bekommt man zwar auch Einblicke in das Werk von Otto Dix, aber vor allem wird der Alltag der Familie wieder lebendig. 1936 zog sich der von den Nationalsozialisten diffamierte Maler zurück in die Villa mit traumhaftem Blick über den Bodensee, wo er bis zu seinem Tod 1969 lebte.Das Museum wurde vom Kunstmuseum Stuttgart neu eingerichtet – bei Sonderführungen kann man auch in den Keller hinabsteigen, dessen Wände Otto Dix für seine legendären Faschingspartys bemalte.

Holzhausen

Stilvoll baden: Versteckt hinter Bäumen, direkt am Ammersee, liegt das Künstlerhaus Gasteiger. Das Jugendstil Kleinod schufen sich der Bildhauer Mathias Gasteiger und seine Frau und ehemalige Schülerin Anna Sophie. Gasteigers nacktes Brunnenbuberl sorgte 1895 in München für einen handfesten Skandal - dafür erwiesen sich die Kopien als grandiose Geschäftsidee. Anna Sophie Gasteiger ließ den Garten nach ihren Vorstellungen anlegen und nutzte ihn als Inspiration für ihre Blumenbilder. Ihre Stilleben - die leider auch Adolf Hitler sehr schätzte - werden gerade erst wiederentdeckt und rehabilitiert. Die Räume des Künstlerhauses sind zwar nur von April bis Oktober zugänglich, die kleine Liegewiese aber jederzeit. Stilvoller kann man in Bayern nicht baden!

Traunreut

Die Factory in Bayern: Von wegen Gamsbart und Lederhosen! Im oberbayrischen Traunreut sind die coolsten New Yorker Künstler zu Hause. Auf dem Gelände einer ehemaligen Munitionsfabrik zeigt der Sammler und Kunsthändler Heiner Friedrich besondere Werkgruppen von Andy Warhol, Walter de Maria, Dan Flavin und John Chamberlain neben Arbeiten von Georg Baselitz oder Imi Knoebel. DASMAXIMUM, so heißt das meditative Privatmuseum, zeigt Land- Pop- und Minimal-Art-Helden in lichtdurchfluteten Räumen. Kunst pur, ganz ohne oberlehrerhafte Wandtexte.