Bad Frankenhausen

DDR-Apokalypse: "Elefantenklo" nannte der DDR-Volksmund den Betonzylinder für das Bauernkriegspanorama auf dem Schlachtberg bei Frankenhausen, der heute mit dem markigen Claum "Sixtina des Nordens" beworben wird. Das Magnum opus von Werner Tübke, des Altmeisters der eigentlichen Leipziger Schule, ist wirklich groß! Auf 1700 Quadratmetern wird mit über 3000 Figuren ein apokalyptisches Szenario entworfen: kein sozialistisch-realistisches Propagandabild, sondern eine metaphorisch-surreale Deutung der Reformationszeit, die auf kuriose und geheimnisvolle Weise auch die Götterdämmerung der Perestroika in sich trägt. Sehr alchemistisch und beeindruckend!

Löbau

Kühne Treppen: Wie ein veritables Schiff liegt das Haus Schminke in Löbau vor Anker. Als der Nudelfabrikant Fritz Schminke (1893–1972) den Auftrag für eine maßgeschneiderte Villa gab, hatte er etwas radikal Modernes im Sinn. Mit kühnen Treppenschwüngen, luftigen Balkonen und großzügigen Fensterfronten öffnet sich das 1930 errichtete Gebäude zum Garten. Zur Wiedereröffnung im Jahr 2000 stiftete die Familie des Bauherrn sogar einige Originalmöbel.

Naumburg/Saale

Bei Uta und Neo: Uta hatte gute und schlechte Zeiten. Jahrhundertelang wurde sie komplett ignoriert, dann furios wiederentdeckt, dann in übelster Zeit zur Ikone der deutschen Fraulichkeit stilisiert. Das alles hat die distinguierte Dame nebst den anderen Stifterfiguren im Westchor des Naumburger Domes nicht tangiert. Diese mittelalterlichen Charakterstudien zu betrachten, ist eine Zeitreise in eine hochmittelalterliche Welt, bei der man auch seine Zeitgenossen erkennt – und mit etwas Glück sich selbst. Neo Rauchs Fenster sind übrigens gleich um die Ecke, in der Elisabeth-Kapelle im Nordwestturm.

Rudolstadt

Die gepriesene Insel: Sie kennen Dyonien und Pelarien nicht, die beiden glanzvollen Königreiche des gepriesenen Insel? Das ist fatal! Schon als Jugendliche in den fünfziger Jahren haben die Freunde Gerhard Bätz und Manfred Kiedorf angefangen, ihre schnörkelreiche 1:50 Traumwelt zu spinnen, ein leben Lang und unzählige Stunden dauerte das private Basteln, Dichten, Fantasieren. Jetzt bildet Roccoco en Miniature mit seinen unglaublichen Schlössern, grandiosen Festgesellschaften und kauzigen Hofschranzen ein eigenes, wunderbar durchgeknalltes Privatuniversum auf Schloss Heidecksburg … dem Idealbild der thüringischen Residenz.

Plauen

Vogtlandgraffiti: Hippe Street Art in der sächsischen Provinz? Das ist das originelle Konzept des Urban Culture Festivals IBUg. Die Abkürzung steht für Industriebrachen-Umgestaltung. Und Brachen gibt es im Osten bekanntlich genug. Die Macher bieten seit zehn Jahren lokalen und internationalen Graffiti-Künstlern leer stehende Fabriken in Sachsen als Malgrund an. 2015 war die alte Kaffeerösterei in Plauen dran. Das Festival ist zwar zu Ende, die Streets Art ist aber immer noch zu sehen

Chemnitz

Strumpf und Stil: Der belgische Allround-Künstler Henry van de Velde war auch in Deutschland ein Star. 1902 ließ er sich vom Fabrikanten Herbert Eugen Esche nach Chemnitz einladen. Zuvor hatte van de Velde schon Möbel für den Textilmagnaten aus dem "sächsischen Manchester" gestaltet. Jetzt bekam er die Chance, ein ganzes Wohnhaus als Jugendstil-Gesamtkunstwerk zu zelebrieren. Aufwendig restauriert huldigt die Villa Esche dem Mythos van de Velde - und der Sächsischen Strumpfproduktion.

Dresden

Prunk auf Sächsisch: Wer all die Schätze, die in der Regierungszeit Augusts des Starken zusammengetragen wurden, im historischen grünen Gewölbe anschauen geht, lässt sich am besten von Uwe Steimle begleiten. Der Dresdner Schauspieler hat eine Audioführung auf Sächsisch eingesprochen, die nicht nur brüllend komisch ist, sondern die überbordende Pracht der Kunsthandwerkspreziosen mit sächsischem Bürgerstolz krönt.

Bad Muskau

Schulden fürs Grün: Bis in den Bankrott blieb sich der "Gartenfürst" Hermann von Pückler-Muskau treu. Um seine Vision zu realisieren, verschuldete er sich hoch. Doch die Mühe lohnte: Bis heute ist der Muskauer Park mit allerlei Pavillons und Denkorten, mit ausgeklügelten Sichtachsen und ehrwürdigen Bäumen eine Oase von Kultur und Natur gleichermaßen. Direkt im Grenzgebiet gelegen, verbindet diese UNESCO-Welterbestätte Polen und Deutschland – zum Beispiel auf der romantischen "Eichentour".