Ausstellung in Frankfurt

"Peace": Schirn-Schau will Denkanstöße zum Thema Frieden liefern

Was kann die zeitgenössische Kunst zum abgedroschenen "Peace"-Begriff beitragen? Die Frankfurter Schirn Kunsthalle sucht in einer Ausstellung Antworten. Sogar ein neues "Peace"-Logo wurde dafür in einem Wettbewerb gewählt.
"Peace": Schirn-Schau will Denkanstöße zum Thema Frieden liefern

Agnieszka Polska: "I am the Mouth", 2014, HD-video 5:45 min, Still

Mit dem  "Summer of Love" hat die Flower-Power-Bewegung in Kalifornien 1967 auch die Friedensbewegung mitangestoßen. Die Taube oder die Regenbogenfarben wurden weltweit dafür zu Symbolen, die inzwischen aber längst abgenutzt wirken. 50 Jahre später will die Frankfurter Schirn in einer Ausstellung unter dem Motto "Peace" neue Impulse zum Nachdenken über das große Thema Frieden geben.

 

Vom 1. Juli bis 24. September zeigt die Schau sehr unterschiedliche Arbeiten von zwölf internationalen Künstlern. Was sie jedoch eint: Frieden wird von allen nicht als Kehrseite von militärischer Gewalt verstanden, sondern als ein Prozess der Interaktion zwischen Menschen und der Natur.

Die Künstler richten ihren Blick auf die Umwelt, zum Beispiel auf Wasser, Pflanzen oder Tiere. "Whose Water is it?", heißt es in einer Wand in großer LED-Leuchtschrift. Darunter tropft es unaufhörlich auf eine heiße Herdplatte - Symbol für die Begrenztheit der Ressource. Die Arbeit stammt von dem aus Solingen stammenden Aktionskünstler Ulay, dem die Schirn im vergangenen Jahr eine eigene große Ausstellung gewidmet hatte.

Konkreter ist die Kritik von Minerva Cuevas in ihrem Wandbild: Statt "Evian" prangt auf dem Label des bekannten Trinkwassers das Wort "Egalité" (Gleichheit). Die Mexikanerin prangert damit die aggressiven Vermarktungsstrategien globaler Nahrungsmittelkonzerne wie Nestlé oder Danone an, zu dessen Imperium auch die Marke Evian gehört. 

 

Der Thailänder Surasi Kusolwong hat sich was Besonderes einfallen lassen. In seiner farbenprächtigen Installation "Golden Ghost" hat er Tonnen von Abfällen aus der für den Weltmarkt gedachten industriellen Textilproduktion seines Landes angehäuft - und darin echte Goldketten versteckt. Wer die kleinen kunsthandwerklichen Schätze finden will, muss sich also durch ein Berg aus Fadenresten wühlen.

Peace
Wie geht Frieden? Zahlreiche Werke internationaler Künstler wie Katja Novitskova oder Timur Si-Qin bieten in dieser Gruppenausstellung einen zeitgenössischen Blick auf die Frage
Schirn-Kunsthalle ,  Frankfurt am Main

Nicht allen Künstlern geht es um eine kritische Auseinandersetzung mit der globalisierten Konsumgesellschaft und ihren ökologisch-sozialen Verwerfungen. Einige widmen sich einfach dem Austausch mit anderen Menschen - oder auch Tieren. Am verstörendsten ist dabei wohl Michel Houellebecqs intimes Denkmal für seinen verstorbenen Hund. Das "Enfant terrible" der französischen Literatur ("Die Unterwerfung") zelebriert in einem holzvertäfelten Raum mit Aquarellen, Fotos, Devotionalien und einer Dia-Ton-Schau ein Requiem für seinen Vierbeiner.

Doch was für Anstöße liefert Houellebecqs Hund zum Frieden? Ein bisschen scheitert die Ausstellung an der Beliebigkeit des Themas - und ihrem eigenen Anspruch. Dazu gehörte auch, dass man in einem Wettbewerb sogar nach einem eigenen "Peace"-Logo suchte. Unter 600 Einsendungen wurden dann ein schlichter Entwurf gewählt - ein blauer Punkt auf weißem Grund. "Der Punkt als Symbol unserer Weltkugel funktioniert sofort", meint dazu der Designer Konstantin Grcic, der in der Jury saß.

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