Selbstinszenierungen von Rodney Graham

Rollenspiele

Der kanadische Konzeptkünstler Rodney Graham macht sich am liebsten selbst zum 
Hauptdarsteller seiner aufwendigen Fotoinszenierungen. Seine Inspirationsquellen reichen von Größen wie Sigmund Freud, Richard Wagner oder Edgar Allen Poe bis zu Pop-Heroen wie Kurt Cobain.
Rollenspiele

Rodney Graham: "Antiquarian Sleeping in his Shop", 2017, 3 Leuchtkästen, Gesamtmaß 275,9 x 555,7 x 17,8 cm. Museum Frieder Burda, Baden-Baden

Er ist schon in viele Rollen geschlüpft: Sigmund Freud, Richard Wagner oder Alfred Hitchcock haben ihn gereizt. Rodney Graham liebt die Selbstinszenierung. Für die Fotoarrangements seiner großformatigen Leuchtkästen baut der kanadische Künstler aufwendige Settings, in denen er als Hauptakteur immer neue Charaktere darstellt.

"Rodney Graham ist ein Meister der Selbstironie", sagt Patricia Kamp. Sie kuratiert im Museum Frieder Burda in Baden-Baden eine Graham-Ausstellung, die sich – wie auch die am 1. Juli startende Schau im Museum Voorlinden im niederländischen Wassenaar – auf die großformatigen Fotoleuchtkästen konzentriert, die seit einigen Jahren im Zentrum von Grahams Schaffen stehen.

Dabei unterteilt der Künstler die Aufnahmen seiner Selbstinszenierungen gern in zwei oder auch drei Leuchtkästen, wie etwa bei dem erst kürzlich entstandenem Triptychon "Antiquarian Sleeping in his Shop", das in Baden-Baden präsentiert wird: Hier liegt Graham dösend auf einem Sofa, umgeben von zahllosen Antiquitäten und Sammlerstücken. Der Bezug zur Vergangenheit ist dem Kanadier wichtig, der in seinen Arbeiten gern auf Literatur, Musik, Film oder die Ikonen der Kunstgeschichte verweist.

Rollenspiele

Rodney Graham: "Newspaper Man", 2016, Leuchtkasten, 182 x 136 x 18 cm, Museum Frieder Burda, Baden-Baden

Bei "Newspaper Man" (2016) etwa sitzt Graham auf einer Parkbank hinter einer aufgeschlagenen Zeitung – und seine Augen starren durch zwei Löcher im Papier. Kamp sieht da Bezüge zu afrikanischen Masken. Ebenso gut, räumt die Kuratorin ein, lasse sich "dieser Schlüssellocheffekt aber auch mit geheimnisvollen Spionagegeschichten in Verbindung bringen". Trotz der Referenzen an die Vergangenheit hält die Kuratorin Grahams Werk für "hochaktuell". Gehe es bei seinen Rollenspielen doch auch um die heute so viel zitierten Fake News, um vorgetäuschte, bewusst verfälschte Darstellungen.

Seine Selbstinszenierungen kreisten zudem immer wieder um die Rolle des Künstlers, die Identität und "die Suche nach der eigenen Stimme", so Kamp. Und dabei geht Graham humorvoll und ironisch ans Werk. In "The Gifted Amateur, Nov. 10th 1962" zeigt er sich als Maler: Lässig steht er im blauen Pyjama und mit Zigarette im Mundwinkel an einer schräg stehenden Leinwand, auf die er Farbe fließen lässt.

Ausstellung

  • Rodney Graham
  • Termin: 8.7.2017 bis 26.11.2017
  • Museum Frieder Burda, Baden-Baden