Brooklyn Museum

Stilikone mit Gaucho-Hut

Georgia O’Keeffe ist eine der bekanntesten Malerinnen Amerikas. Ihre mystisch mehrdeutigen Blumenbilder sind weltberühmt. Nicht nur mit ihrer Kunst sprach die 1986 verstorbene O’Keeffe eine unverkennbare Sprache. Die Künstlerin hatte einen unverwechselbaren Stil, einen besonderen Sinn für Ästhetik – und ein Gespür dafür, sich selbst zu inszenieren.
Stilikone mit Gaucho-Hut

Ansel Adams: "Georgia O’Keeffe and Orville Cox", 1937, 19.7 x 27.9 cm, Georgia O’Keeffe Museum

1927 hatte O’Keeffe ihre erste große Solo-Ausstellung im New Yorker Brooklyn Museum – 90 Jahre später wird dort ihr Leben als Gesamtkunstwerk gewürdigt. Das Museum traut sich, sich der großen  Künstlerin mit der Show "Living Modern" über ihre Kleidung und ihren androgynen, emanzipierten Stil zu nähern, der sich mit ihren Bildern zu einem stimmigen Gesamtbild zusammenfügt.

 

Ihre Kleidung, die Objekte, mit denen sich O’Keeffe umgab. Die Umgebung, in der sie lebte, zeugen von einem unerschütterlichen weiblichen Selbstbewusstsein. "Es war das Fundament ihres Ruhmes und ihres Mythos", schrieb die New Yorker Kunstkritikerin Roberta Smith anlässlich Ausstellung. O’Keeffes Bilder werden im Zusammenspiel mit zum Teil selbstgenähten Kleidern und Blusen, meist in Weiß und Schwarz, und später, als sie in New Mexico lebte, farbenfrohen Sackkleidern, Kopftüchern, Kimonos nach einer Reise nach Japan, Jeans-Arbeitsuniformen und den maskulin-frechen Gaucho-Hüten gezeigt, die O’Keeffe so gern trug.

Zahlreiche Fotos, in denen die Malerin von legendären Fotografen und Künstlern wie Cecil Beaton, Ansel Adams, Richard Avedon, Bruce Weber, Annie Leibovitz, Irving Penn und Andy Warhol und natürlich von ihrer großen Liebe, ihrem Mann Alfred Stieglitz, in Szene gesetzt wurde, runden das Bild ab. Dazu kommen Fotos aus O’Keeffes Zeit in New Mexico, der kargen Wüstenlandschaft und der streng reduzierten Innenarchitektur ihres Hauses, die heute wieder Designer verzücken dürfte. In dem hervorragenden Katalog zur Ausstellung wird gezeigt, wie die Mode, Fotografie und die Werbung sich bei O’Keeffes Ästhetik bedienten. Sie war die Vorreiterin für die heutige Zeit, in der jedes Lebensdetail – zumindest auf der Oberfläche – kuratiert wird. Mit dem Unterschied, dass es für die extrem unabhängige Künstlerin Lebenskonzept und Ausdrucksform war. Georgia O'Keeffe war ihre eigene Kreation.

»Ich liebe Steaks blutig«
Ihre zarten Blumenbilder machten die US-Amerikanerin weltberühmt – in Wirklichkeit war Georgia O'Keeffe aber nicht die ätherisch-sinnliche Künstlerin, als die man sie sah. Als Frau brauchte sie in der männerdominierten Kunstwelt viel Durchsetzungsvermögen

Schon als kleines Kind, das als Farmerstochter in einer Kleinstadt in Wisconsin aufwuchs, wollte O’Keeffe anders sein. Während ihre Schwestern Zöpfe trugen, lief sie mit offenen Haaren herum. Später in der Schule beschränkte sie ihre Kleidung bereits auf die Farben Weiß und Schwarz. In einer Zeit, in der die neueste Hutmode aus Paris für andere Frauen von Bedeutung war, weigerte sich die 1887 geborene O’Keeffe, beengende Korsetts oder hohe Schuhe zu tragen. Und sie wusste damals schon, was sie mit ihrem späteren Leben machen würde. "Ich werde ein anderes Leben als der Rest von Euch führen", soll O’Keeffe ihren Mitschülerinnen verkündet haben. "Ich werde alles für meine Kunst aufgeben."

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