Der brasilianische Modernist Roberto Burle Marx

Blühende Landschaften

Mit seinen tropischen Gärten und abstrakten Landschaftsarchitekturen revolutionierte er die brasiliansiche Moderne. Eine Ausstellung in Berlin präsentiert Roberto Burle Marx in all seiner unerschöpflichen Kreativität.
Blühende Landschaften

Roberto Burle Marx: "Mineral roof garden", Banco Safra headquarters, São Paulo, 1983

Selten wird ein Landschaftsarchitekt zum Nationalhelden geadelt. Doch in Brasilien zählt Roberto Burle Marx (1909 bis1994) ganz selbstverständlich zur ersten Riege der Stararchitekten – genau wie die beiden anderen Großen der brasilianischen Moderne, Oscar Niemeyer und Lúcio Costa.

International am bekanntesten sind die charakteristisch-geschwungenen Wellenmuster-Pflaster von 1970, durch welche der Architekt die Copacabana-Strandpromenade in Rio de Janeiro in den Rang eines spätmodernistischen Meisterwerks katapultierte, ebenso die vielen Gärten, die in der Hauptstadt Brasília nach seinen Plänen angelegt wurden.

Gegen die europäische symmetrie-orientierte Parktradition setzte Burle Marx ein neues, modernes Narrativ: Seine tropischen Gärten waren inspiriert von der Avantgarde-Ästhetik des Kubismus und der Abstraktion. Sie entwickelten sich ebenso organisch fließend aus den Formen und Rhythmen der unbändigen Natur und des Wassers. So entstanden lustvoll schwingende Anlagen, die das Leben und seine Überraschungen feiern und viel über den Humor und die Fantasie ihres Schöpfers verraten. Als Sammler, Botaniker, früher Naturschützer und Amazonas-Aktivist lenkte Burle Marx das Interesse auf die einheimische Flora Brasiliens zurück.

Blühende Landschaften

Roberto Burle Marx hält die nach ihm benannte "Heliconia hirsuta burle marxii" in den Händen

Mehr als 2000 Gärten verwirklichte er im Laufe seines rastlos kreativen Lebens, noch kurz vor seinem Tod arbeitete er im Auftrag des Berliner Senats an einer (später nicht realisierten) Neugestaltung des Berliner Rosa-Luxemburg-Platzes. Doch Jens Hoffmann und Claudia J. Nahson, die Kuratoren dieser Retrospektive, die nach Berlin noch nach Rio de Janeiro wandern wird, war es wichtig, neben der Landschaftsarchitektur auch anhand von rund 150 Dokumenten, Objekten, Gemälden, Plänen, Modellen und Skulpturen die weiteren Facetten im Œuvre von Burle Marx aufzuzeigen. "Sein Werk umfasst viele künstlerische Praktiken", so die Ausstellungsmacher.

Er war als Maler, Textil- und Schmuckgestalter, Bühnen- und Kostümbildner tätig, hat als Holzschneider, Keramiker und Bildhauer gearbeitet. Zudem sammelte er Kunst, galt als talentierter Bariton und vollendeter Koch. Aus den vielen Exponaten der Schau setzt sich das Bild eines vor Kreativität berstenden Mannes zusammen, der die magische Gabe hatte, Landschaft in Kunst zu verwandeln, und so nicht nur der lateinamerikanischen Moderne entscheidende Impulse lieferte, sondern bis heute eine Inspirationsquelle für zeitgenössische Architekten und Künstler ist.

Ausstellung in Berlin