Große Mondrian Schau in Den Haag

Der Meister von Rot-Gelb-Blau

Die Niederlande feiern einen ihrer berühmtesten Maler, Piet Mondrian. Das Gemeentemuseum in Den Haag zeigt 300 Werke und ein verblüffend neues Bild des Meisters der Moderne.
Der Meister von Rot-Gelb-Blau

Piet Mondrian: "Tableau I", 1921

Große blaue weibliche Figuren, ein Sonnenuntergang in Pastellfarben oder eine düstere Flusslandschaft mit Mühle - alle Gemälde stammen von Piet Mondrian (1872-1944). Jawohl: Derselbe Maler, der weltweit für seine abstrakten Gemälde mit weißen Vierecken in schwarzen Rastern bekannt ist und natürlich durch Vierecke in den Primärfarben Rot, Gelb und Blau. Mondrian machte eine fast unvorstellbare Entwicklung durch vom traditionellen Landschaftsmaler bis zum Meister der Abstrakten.

Das Gemeentemuseum in Den Haag präsentiert ab Samstag die bisher größte Mondrian-Schau mit 300 Werken. "Die Entdeckung Mondrians" zeigt viele überraschende neue Seiten des niederländischen Malers. "Mondrian wäre sehr froh mit dieser Ausstellung", sagte der Direktor des Gemeentemuseums Benno Tempel am Donnerstag in Den Haag bei der Präsentation. Und das war kein Eigenlob. Der Maler selbst hatte ausdrücklich einmal die Hoffnung geäußert, dass die große Sammlung seiner Werke insgesamt gezeigt werde. "Dann bekommt man einen Einblick in meine Entwicklung", so zitierte Tempel den Maler. Das Den Haager Museum hat dafür die besten Voraussetzungen. Denn es besitzt mit rund 300 Werken die weltweit größte Mondrian-Sammlung. Zeichnungen und Ölgemälde aus allen Schaffensperioden.

 

Leben und Werk von Piet Mondrian
Geradlinigkeit war für den Holländer Piet Mondrian geistige Haltung und ästhetisches Programm. Als Mitglied der Künstlergruppe "De Stijl" gehörte er zu den bahnbrechenden Verkündern einer neuen Kunstauffassung: "Die Domäne der Wahrheit ist die reine Abstraktion"
Der Meister von Rot-Gelb-Blau

Piet Mondrian: "Windmühle im Sonnenlicht", 1908

Mondrian beginnt als Landschaftsmaler in Amsterdam aber auch in Domburg im Südwesten der Niederlande. Er malt Apfelbäume, Mühlen und Dünenlandschaften. Doch nicht nur traditionell, sondern schnell auch sehr modern in grellen Farben. Schon früh will er die Erneuerung der Kunst für ein neues Zeitalter. Damit stand der Niederländer nicht allein. 1911 nimmt er einen radikalen Beschluss. Er löst seine langjährige Verlobung, bricht alle Zelte in den Niederlanden ab und zieht nach Paris. Dort taucht er ein in das Leben der Metropole. Er lernt den Kubismus von Pablo Picasso kennen und findet darüber seinen eigenen so charakteristischen Weg.

Mondrian will die sichtbare Realität auflösen und reduzieren auf Flächen und Farben. Er sucht die Wahrheit in der Dynamik von horizontalen und vertikalen Linien. Durch die Abstraktion, so schreibt er, "will ich der Wahrheit so nahe wie möglich kommen." Zurück in den Niederlanden schließt er sich der neuen Kunst-Bewegung De Stijl an. Diese strebt unter dem Eindruck des Ersten Weltkrieges ab 1917 die Erneuerung der Welt durch die Kunst an. Mondrian wird der berühmteste Repräsentant dieser Bewegung, die nachhaltig Architektur, Kunst, Reklame und Design bis heute prägte. Die Farb-Kombination Rot-Gelb-Blau, als Symbol für Klarheit und Optimismus, wurde zum Markenzeichen des Stijl. Die große Mondrian-Schau in Den Haag ist nun auch der Höhepunkt im diesjährigen 100. Jubiläumsjahr des Stijl, das im ganzen Land mit zahlreichen Ausstellungen begangen wird.

Der Meister von Rot-Gelb-Blau

Piet Mondrian: "Komposition mit Rot, Gelb, Blau und Schwarz", 1921

Doch dass überhaupt die gesamte Sammlung in Den Haag zu sehen ist, ist einem umfangreichen Restaurationsprojekt zu verdanken. Alle Werke wurde dabei genau untersucht, sagt die Restauratorin des Museums, Ruth Hoppe. "Dabei haben wir auch viel über Mondrian und seine Technik gelernt." Wie war seine Pinselführung? Was für Farben nutzte er? Er sei eher konventionell gewesen, sagt die Restauratorin. "Mit Farben oder Materialien experimentierte er nicht." Das Museum erforscht nun auch sehr intensiv seine Briefe und Schriften. Deutlich ist, dass Mondrian nicht - wie viele meinen  - ein in sich gekehrter Sonderling war, ein Nerd des beginnenden 20. Jahrhunderts. Im Gegenteil. "Mondrian stand mitten im Leben und war mit neuen Strömungen im Kontakt", erzählt Direktor Tempel. In Amsterdam, Paris, London und New York.

Der Maler war fasziniert von neuen technischen Entwicklungen, wie etwa den ersten Zeichentrickfilmen von Walt Disney. "Er war verrückt nach Bambi", sagt Tempel. Und Mondrian fühlte eine große Leidenschaft für den Jazz. Er fühlte eine Verwandtschaft zwischen den Rhythmen der modernen Musik und seiner Kunst.

1942 war Mondrian aus London aus Angst vor den Nazis nach New York emigriert. Noch einmal genoss er das Leben in einer weiteren Metropole und dort schuf er sein letztes großes Meisterwerk. "Victory Boogie Woogie" stand unvollendet auf der Staffelei in seinem Atelier, als Mondrian 1944 starb.

Piet Mondrian und De Stijl
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