Bilder von Fahrelnissa Zeid

Bemalte Hühnerknochen

Die 1901 in Istanbul geborene Künstlerin war eine der ersten Frauen, die in der Türkei eine Kunstschule besuchten, später gründete sie in Jordanien ihre eigene Akademie. Die Kosmopolitin vereinte in ihren Bildern arabische und türkische Kunst mit westlicher Moderne – in der Londoner Tate Modern wird ihre ungewöhnliche Geschichte erzählt
Bemalte Hühnerknochen

Fahrelnissa Zeid: "Resolved Problems", 1948 

Seit geraumer Zeit schon bricht die Londoner Tate Modern den westlichen Kunstkanon auf und weitet ihre Sammel- und Ausstellungstätigkeit auf die Kunst anderer Kulturkreise aus. Auch rückt sie Künstlerinnen stärker in den Mittelpunkt. Die große Retrospektive der 1901 in Istanbul geborenen Malerin Fahrelnissa Zeid mit Gemälden, Zeichnungen und plastischen Arbeiten aus mehr als 40 Jahren ist ein weiterer Schritt in dieser Richtung.

Zeid legte als Künstlerin einen langen Weg zurück. Sie begann eher traditionell, entdeckte jedoch schon bald die westliche Avantgarde für sich. Nach dem Zweiten Weltkrieg wandte sie sich der Abstraktion zu, mit großformatigen, kaleidoskopartigen, stark farbigen Gemälden. In den letzten Jahren ihres Lebens kehrte sie dann überraschend zur Figuration zurück. Die Künstlerin wurde in eine prominente osmanische Familie geboren, ihr Vater war Diplomat. Nach einer gescheiterten ersten Ehe mit dem türkischen Autor Izzet Melih Devrim heiratete sie1933 Prinz Zeid bin Hussein, den damaligen irakischen Botschafter in Ankara und Halbbruder des irakischen Königs Faisal I. Als eine der ersten Frauen, die in der Türkei eine Kunstschule besuchten, stellte sie in den vierziger Jahren gemeinsam mit der avantgardistischen "Gruppe D" in ihrer Heimatstadt aus, ehe sie sich später in Paris und London niederließ, wo sie lyrisch abstrakte Bilder malte. Heute wird Zeid als kosmopolitische Künstlerin gesehen, die türkische und arabische Einflüsse mit westlichem Modernismus verschmolz.

Zum ersten Mal selbst kochen

Nach dem blutigen Militärputsch von 1958 musste die Künstlerin mit ihrem Mann die irakische Botschaft in London verlassen, wo er als Gesandter residierte. Das Ehepaar zog in eine kleine Wohnung, wo Zeid zum ersten Mal in ihrem Leben selbst kochen musste. Die Zeit, die sie in der Küche verbrachte, inspirierte die Künstlerin dazu, auf Huhn- und Truthahnknochen zu malen, die sie später in Kunstharzpaneele goss. Einige dieser ungewöhnlichen Arbeiten sind in der Londoner Ausstellung zu sehen. 

Zwischen Glück und Verzweiflung
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Nach dem Tod ihres Mannes übersiedelte sie in die jordanische Hauptstadt Amman. Hier richtete sie in ihrer Wohnung eine Kunstschule ein und umgab sich mit einer Gruppe internationaler Studentinnen. In ihren letzten 20 Schaffensjahren wandte sich die Malerin von der geometrischen Abstraktion wieder ab und porträtierte Familienmitglieder und Freunde. Fahrelnissa Zeid starb 1991 im Alter von 90 Jahren.

Der Katalog zur Ausstellung (Paperback) kostet 16,99 Pfund. 

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