Künstler der Venedig Biennale 2017

Phyllida Barlows

Als Professorin hatte sie über Jahrzehnte großen Einfluss auf nachfolgende Generationen, erst seit etwa 15 Jahren steht sie auch als Künstlerin in der Öffentlichkeit. Jetzt bespielt sie den britischen Pavillon mit ihren wuchtigen, ortspezifischen Installationen aus Pappe, Holz und Zement.
Phyllida Barlows

Phyllida Barlow: "folly", 2017

"Vielleicht denke ich in meiner Arbeit nicht genügend über die Schönheit nach", gestand Phyllida Barlow kürzlich in einem Interview, "weil mich andere, abstrakte Eigenschaften wie Zeit, Gewicht, Balance, Rhythmus so sehr interessieren." Die Plastikerin (*1944) hat eine kuriose Karriere gemacht. In den sechziger Jahren studierte sie Bildhauerei an den Londoner Kunstschulen Chelsea und Slade und erhielt 1965 ihre erste Ausstellung im ­Institute of Contemporary Arts in London, dem damaligen Tempel der Avantgarde. Danach wurde es still um sie. Als Professorin an der Slade hatte sie großen Einfluss auf nachfolgende Generationen, doch als Künstlerin ist sie der Öffentlichkeit erst seit etwa 15 Jahren bekannt, und die meisten ihrer in den dazwischenliegenden 50 Jahren entstandenen Arbeiten existieren nicht mehr.

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Phyllida Barlows

Bauholz, Zement, Pappe sind Phyllida Barlows' Materialien.

Phyllida Barlows wuchtige, raumfüllende Konstruktionen sind aus Bauholz, Pappe und Zement roh zusammengebaut. In ihrer Monumentalität wirken sie fast überwältigend, der Besucher muss sich mit ihnen körperlich auseinandersetzen. Ihre Arbeit Dock (2014) für die Tate Britain schlängelte sich durch die 100 Meter langen Duveen Galleries und kletterte bis unter die Decke, bei ihrer Schau "demo" bezog sie im vergangenen Jahr in der Kunsthalle Zürich gar Renovierungsarbeiten am Gebäude mit ein, bei denen Wände abgerissen und wieder errichtet wurden.

Ihr Werk provozierte den Kritiker des "Guardian", Adrian Searle, zu dem Ausruf: "Das haut einen echt um!" Im britischen Pavillon geht sie, so Kuratorin Emma Dexter vom British Council, "direkt auf Venedig ein, auf den Kontext der Biennale und auf die baulichen Besonderheiten des britischen Pavillons"

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