Ayşe Erkmen

Ayşe Erkmen ließ 1997 Figuren aus dem Landesmuseum per Hubschrauber über den Domplatz fliegen. Eigentlich hatte sie sich mit dem Dom auseinandersetzen wollen, aber all ihre Vorschläge waren abgelehnt worden. 20 Jahre später verlegt Erkmen ihre Arbeit ins Wasser: Knapp unter der Oberfläche des Stadthafenbeckens wurde ein Steg angebracht, über den Besucher von einem Ufer zum anderen gehen können: "On Water", 2017

Oscar Tuazon

Oscar Tuazon bewegt sich im Grenzbereich von Skulptur und Architektur. In Köln baute er 2014 Teile seines Privathauses 1:1 im Museum Ludwig nach. In Münster bereichert er eine Industriebrache am Stadthafen mit einer Art öffentlichem Beton-Kamin, an dem Menschen grillen, feiern und sich wärmen können: "Burn the Formwork"

Pierre Huyghe

Pierre Huyghe verwandelt die kurz vor dem Abriss stehende Eissporthalle in eine neue begehbare Sphäre. Die Installation ist für die Besucher frei begehbar und erfahrbar: "After A Life Ahead", 2017

Thomas Schütte

Thomas Schütte ist 2017 zum vierten Mal dabei. Damit toppt er sogar seine dreimalige Teilnahme an der Documenta (1987, 1992, 1997). Nach einer Kirschensäule auf dem Harsewinkelplatz, die Münster 1987 ankaufte, den Skulpturen "Große Geister" (1997) und einem Glassturz über einem öffentlichen Brunnen (auch Harsewinkelplatz, 2007) hat Schütte 2017 in Marl eine Melonensäule errichtet und in Münster diesen "Nuclear Temple"

Aram Bartholl

Aram Bartholl war Computer-Hacker, bevor er Künstler wurde. In Münster erleuchten am Schlossplatz thermoelektrische Teelicht-Lampen eine düstere Unterführung: "3V", 2017

Aram Bartholl

Bei einer weiteren Arbeit von Aram Bartholl wird eine gesellige Lagerfeuer-Situation zur Handyaufladestation für alle. Ein Generator wird in einer Pfanne über dem offenen Feuer erhitzt. Der dadurch erzeugte Strom wird über ein Kabel in ein Netzteil geleitet, an das man das Handy anschließt: 5V", 2017

 

Cosima von Bonin und Tom Burr

Cosima von Bonin ist vor allem für abgründig witzige Stoffskulpturen aus dem Tierreich bekannt. Für die Skulptur-Projekte hat sie sich eine bereits vorhandene Bronzeskulptur des berühmten englischen Bildhauers Henry Moore ausgesucht, die sie in Zusammenarbiet mit Tom Burr von ihrer permanenten Position am LWL-Museum reißt und auf einen Tieflader verfrachtet. Das Kunstwerk im Transportzustand, zu dem Bronze und Tieflader gehören, wird während der gesamten Ausstellungsdauer vor dem LWL-Museum parken: "Benz Bonin Burr", 2017

Nicole Eisenman

Nicole Eisenman ist als Malerin bekannt, deren Bilder oft mit einer eigenartigen sexuellen Unbeholfenheit aufgeladen sind. Für Münster konzipierte sie einen Brunnen, dessen Figuren nicht Anmut und Grazie ausstrahlen (wie beim klassischen Zierbrunnen üblich), sondern tollpatschiges Antiheldentum, inklusive Cola-Dose

Sany

Sany (Samuel Nyholm) ehrt das Basismedium des deutschen Werkunterrichts: die Laubsägearbeit. Er stellt an verschiedenen Standorten aus Sperrholz gesägte Comicfiguren – Tings – auf: "Marginal Frieze / Fallande ting", 2017

Ei Arakawa

Ei Arakawa agiert in seinen performativen Aktionen – Musicals, Tanzperformances, Workshops – gern wie ein Showmaster: 2012 veranstaltete er in der Londoner Tate Modern Partys, bei denen er Singles dazu einlud, mit Kunstwerken zu tanzen (Single’s Night). Seine Arbeiten sind Experimente, in die auch die Betrachter verwickelt werden. Bei den Skulptur Projekten stellt er am Aasee Arbeiten zeitgenössischer Maler als LED-Screen-Versionen auf, die eigens für diesen Event komponierte Lieder abspielen: "Harsh Citation, Harsh Pastoral, Harsh Münster", 2017

Gregor Schneider

Gregor Schneider gelingt es, mit installativen Arbeiten bedrückende, klaustrophobische Zustände hervorzurufen, wie bei seinem Langzeitprojekt "Haus Ur", einem Gebäude in Rheydt, das er seit 1985 kontinuierlich verschachtelt und zu einem gänzlich surrealen Ort gemacht hat. Für den Zeitraum der Skulptur-Projekte richtet er im LWL-Museum eine Wohnung mit mehreren Zimmern und separatem Eingang ein, um unsere Vorstellung von öffentlichem und privatem Raum zu hinterfragen.

Gregor Schneider

Rauminstallation von Gregor Schneider in der sich der Besucher auf unheimliche Weise beobachtet fühlt. Klingeln bitte bei "N. Schmidt, Pferdegasse 19, 48143 Münster, Deutschland", 2017

Nairy Baghramian

Nairy Baghramian setzt ihre Skulpturen und Installationen in Beziehung zum direkten Umfeld: Mit dem Erbdrostenhof wählt sie einen Ort, der 1987 von Richard Serra und 2007 von Andreas Siekmann bespielt wurde, und besetzt ihn 2017 mit einer weiblichen Position: Nairy Baghramian: "Beliebte Stellen / Privileged Points", 2017

Camp

Die unsichtbaren Strukturen der globalisierten Welt beschäftigen Camp (Shaina Anand und Ashok Sukumaran). In Münster spannen sie metaphorisch Schnüre im Innenhof des Theaters und verbinden so die im zerstörten Zustand belassene Kriegsruine des Homberger Hofs mit dem futuristischen Wiederaufbau-Glasbau des Theaters: "Matrix", 2017

 

 

Michael Dean

Michael Dean entwickelt seine bildhauerischen Arbeiten ausgehend vom geschriebenen Wort. Im Lichthof des Museumsaltbaus verändert er die Bedeutung profaner Objekte des Straßenraums – wie Schilder, Laternen, Mülleimer – durch eine neue Kontextualisierung im Museumsraum: "Tender, Tender", 2017

Jeremy Deller

Jeremy Deller vollendet ein Projekt, das er 2007 gestartet hat. Für "Speak To The Earth And It Will Tell You" hatte er Bücher in Kleingartenvereinen verteilt und die Gärtner gebeten, Tagebuch über die Veränderungen in ihrem Garten zu führen ...

Jeremy Deller

... nun werden diese über zehn Jahre geführten Ergebnisse aus ihrer privaten Sphäre gelöst und in die Öffentlichkeit geholt. Jeremy Deller: "Speak to the Earth and It Will Tell You", 2007–2017

Xavier Le Roy und Scarlet Yu

Xavier Le Roy und Scarlet Yu streben in ihren Preformances die direkte Kommunikation mit dem Publikum an. Dafür veranstalten sie Workshops, in denen man seine Beziehung zu einem Werk in Bewegung umsetzen kann. Im nächsten Schritt wenden sich die Teilnehmer an Passanten, führen ihre Skulptur vor und tauschen sich dann mit den Betrachtern über das Erlebte aus.

Die Wasserwage stammt von John Knight. Der Künstler aus Los Angeles bezieht sich in seinen skulptural-konzeptuellen Arbeiten immer auf einen bestimmten Ort. Im Falle der Skulptur-Projekte hat er sich den Neubau des LWL-Museums ausgesucht, an dessen spitzestem Winkel er die überdimensionale Nachbildung einer handelsüblichen Wasserwaage senkrecht anbringt.

Mika Rottenberg

Mika Rottenberg beschäftigt sich in ihren Videoarbeiten mit Produktionsprozessen. Mal lässt sie Frauen aus ihrem langen Haar Milch melken ("Cheese", 2007) oder Bodybuilder-Schweiß zu Erfrischungstüchern verarbeiten ("Tropical Breeze", 2004). In Münster thematisiert sie mit "Cosmic Generator" die globalen kapitalistischen Strukturen ...

Mika Rottenberg

... indem sie einen Laden für chinesisches Billigspielzeug einrichtet, in dem sie eine Videoarbeit zeigt, die in einer zwischen USA und Mexiko gelegenen Grenzstadt spielt, in der viele chinesische Immigranten leben. Mika Rottenberg: "Cosmic Generator", 2017

Hervé Youmbi

Hervé Youmbi, einen der bekanntesten Künstler Kameruns, interessiert die Wechselwirkung zwischen afrikanischer und westlicher Kultur. Auf dem stillgelegten Überwasserfriedhof platziert er in seiner Heimat traditionell hergestellte Masken und setzt sie in Beziehung zu den noch vorhandenen Grabsteinen und Kreuzen: "Les masques célèstes", 2017

Christian Odzuck

Christian Odzuck lässt Stellen im Stadtraum durch seinen künstlerischen Eingriff zu Kunstorten werden. Hier hat er sich die Baustelle der halb abgerissenen Oberfinanzdirektion ausgesucht, wo er aus noch bestehenden Elementen wie einer Treppe und einer Laterne etwas Neues entstehen ließ: "OFF OFD", 2017

Alexandra Pirici

Alexandra Pirici setzt sich in ihren performativen Arbeiten mit der historischen Aufladung von Orten auseinander. Piricis Ort in Münster ist der Friedenssaal des Rathauses, in dem 1648 der Westfälische Friede geschlossen wurde, der auch als eine Grundlage des modernen Völkerrechts gilt. An diesem historisch aufgeladenen Ort performen Tänzer Bilder, Melodien und Ereignisse unserer politischen Realität und fungieren als lebendige Suchmaschinen, die Besucher quasi wie Google interaktiv benutzen können: "Leaking Territories", 2017

Hito Steyerl

Ihr letzter Auftritt war im deutschen Pavillon auf der Venedig-Biennale 2015, wo sie die Videoarbeit Factory of the Sun zeigte. In Münster im Foyer der Landesbausparkasse West zeigt Hito Steyerl unter anderem Filme, in denen Roboter von Menschen getriezt werden. Damit spielt sie darauf an, dass sich am Ort der LBS früher ein Teil des Zoos befand. Ihr evolutionäres Motto: Die Roboter von heute sind die Dinosaurier von morgen: "HellYeahWeFuckDie", 2017

Bárbara Wagner und Benjamin de Burca

Bárbara Wagner und Benjamin de Burca haben den Kitsch im Fokus und die Codes, die soziale Gruppen einen. In der Münsteraner Elephant Lounge – einer Disko, die älter ist als die Skulptur-Projekte – zeigen sie Musikvideos zu eigens komponierten Schlagern, deren Texte sich aber nicht um Genretypisches wie Liebe oder Sehnsucht drehen, sondern um politisch hochbrisante Themen: "Bye Bye Deutschland! Eine Lebensmelodie", 2017

Michael Smith

Michael Smith setzt sich damit auseinander, dass Münster bei gut situierten Rentnern als Reiseziel sehr beliebt ist. Ihren Wagemut fordert Smith heraus mit einem Tattoo-Studio, das auf die Bedürfnisse von Über-60-Jährigen spezialisiert ist. Smith schlüpft in seinen sozialkritischen, performativen Arbeiten oft in Rollen, die sich mit Klischees befassen, die Vertretern bestimmter Gesellschaftsschichten anhaften: "Not Quite Under_Ground", 2017