ARoS Triennale: The Garden

Wie künstlich ist Natur?

3D-gedruckte Felsen, besprühte Wiesen – bei der ARos Triennale in der diesjährigen Kulturhauptstadt Aarhus dreht sich alles um das angespannte Verhältnis zwischen dem Menschen und der Natur.

Vom Dach des Museums steigen Nebelschwaden auf und hüllen Olafur Eliassons "Rainbow Skywalk" fast ein. Die über dem Klinkerbau schwebende Aussichtsplattform in den Farben des Regenbogens ist eine der Attraktionen des Kunstmuseums ARoS und wird während der Dauer der Triennale noch verstärkt durch die "Nebelskulptur" der Japanerin Fujiko Nakaya. "Nebel macht sichtbare Dinge unsichtbar und unsichtbare Dinge - wie den Wind - sichtbar", sagt die Künstlerin.

20208
Strecken Teaser

Das Kuratorenteam unter der Leitung von Direktor Erlend Hoyersten wählte sich den Garten als Thema für seine Triennale - 400 Jahre Mensch und Natur. Teil eins der zweiteiligen Schau - "Die Vergangenheit" - machte schon im Frühjahr auf, eine intelligent konzipierte Ausstellung im Museum selbst, von Lorrain und Poussin über die Romantik zu den Surrealisten und dann ins Heute. Teil zwei - "Die Gegenwart und die Zukunft" - findet dann größtenteils im Freien statt.

Künstliche Felsen am Strand

»Los geht's, Aarhus«
Mit Lichtershow und Wikingerschiff ist das dänische Aarhus in sein Kulturhauptstadtjahr gestartet – fünf Millionen Besucher sollten 2017 in die Region strömen

Der Rundgang beginnt mit Nakajas "Nebelskulptur" und endet fünf Kilometer entfernt am Strand mit der Nummer 31, Tacita Deans Soundinstallation "Trying to Find the Spiral Jetty" (1997), die Suche der in Berlin lebenden Britin nach der im Salzsee von Utah versunkenen Ikone der Land Art von Robertt Smithson. Dazwischen großformatige Installationen und Filme in einer aufgelassenen Lagerhalle am Hafen, besonders schmerzhaft hier das "Herbarium" von Ismar Cirkinagic, delikate Aquarellzeichnungen von auf bosnischen Massengräbern wachsenden Pflanzen, mit genauen Angaben, wo diese zu finden sind, und wieviele Ermordete in ihnen liegen; eine Intervention von Cyprien Gaillard in den Toiletten eines Nachtclubs und dann am Strand aufgestellte Skulpturen - Meg Websters "Concave room for bees", eine mit Blumen bepflanzte Scheibe, vom Menschen geschaffene Natur in der Natur; "Shoreline" des Finnen Hans Rosenström transportiert eine künstliche Ruine aus einem Gemälde von Caspar David Friedrich an den Strand, mit gerahmten Ausblicken auf das Meer.

Eine der erfolgreichsten Arbeiten stammt von der Polin Alicja Kwade. "Be-Hide" am Strand von Ballehage besteht aus zwei identischen Felsbrocken, voneinander getrennt durch einen Spiegel. Der eine ist echter Fels, der andere eine naturgetreue, mit einen 3D-Drucker enstandene und in Alluminium gegossene Nachbildung. Die Arbeit stellt die Frage nach Authentizität, was Natur ist und was nicht, und der Spiegel wird zum Zauberspiegel, je nachdem wo der Betrachter steht. Auch Katharina Grosses Arbeit gibt Anlass zum Nachdenken. Die Berliner Künstlerin hat die Küstenlandschaft zur Leinwand gemacht und sie mit ihren industriellen Spritzpistolen bonbonrot und weiss besprüht. Von einer Grünfläche aus ergießen sich ihre Farben einen Abhang hinunter, überspringen eine Straße und enden auf den Steinen und dem Sand am Strand. Ihre Behandlung von Landschaft fordert uns auf, diese neu zu sehen und zu bewerten.

art - Das Kunstmagazin
In der dänischen Provinzstadt Herning hob Piero Manzoni einst die ganze Welt auf den Sockel. Heute erinnert eine schräge Biennale an seine Wirkung vor Ort: Verdauungs-Maschine und lebendige Hühner inklusive

In der Bevölkerung löste Grosses Arbeit erhebliche Kontroversen aus. Darf man Landschaft so verändern, fragten die Bürger, wem gehört der Strand, wer wurde um Erlaubnis gefragt, wie permanent ist diese Veränderung? "Das sind alles legitime Fragen, die man diskutieren kann und sollte", sagt die Künstlerin. "Doch der Ton darf nicht ausufern, wie es leider auch geschah, vor allem Online." Ein paar hundert Meter weiter hat Rirkrit Tiravanija eine Neuauflage seines im vergangenen Jahr auf der Art Basel gezeigten Pavillons "Do We Dream Under the Same Sky" aufgebaut. Hier werden unter freiem Himmel Filme gezeigt, Seminare abgehalten und es wird auch, wie meistens bei dem thailändischen Künstler, für die Besucher gekocht.

Nicht alles ist gelungen

Nicht alles auf dieser Triennale ist gelungen, wie könnte es auch, bei insgesamt 31 zumeist eigens in Auftrag gegebenen Arbeiten. Ärgerlich ist nur "The Garden" des Kaliforniers Doug Aitken, ein von satt-grünen tropischen Pflanzen umhüllter gläserner Pavillon, in dem ein anämisch weisses Interieur aufgebaut ist - Sofa, Esstisch, Bett. Die Besucher können, wenn sie möchten, das Innere betreten, jeweils eine Person für 10 Minuten, und dort machen, was sie wollen. Erwartet wird beinahe, dass sie das Mobiliar aus Pappe zertrümmern. Die versammelte Presse wurde einer Orgie der Zerstörung ausgesetzt, durchgeführt durch einen jungen Mann in weissem Arbeitsanzug und Plastikhelm - 'Clockwork Orange' von Stanley Kubrick lässt schön grüßen. Was Aitken mit diesem, wie er es nennt, "Anger Room" bezweckt, bleibt ebenso unklar wie seine Behauptung "Der Betrachter ist der Voyeur."

19536
Bild & Text Teaser