Peter Saul in Frankfurt

Komisch und zutiefst böse

Superman am Klo, Pinselstiel im Auge: Peter Sauls Bilder sind so schrill wie absurd. Hierzulande ist der US-Künstler nur wenigen bekannt – das sollte sich mit dieser Ausstellung ändern
Komisch und zutiefst böse

Peter Saul: "Oedipus Jr.", 1983, Acryl und Öl auf Leinwand

Seine Bilder sind ein Schlag ins Gesicht. Was darin passiert, ist so schrill und absurd, dass man sich als Betrachter zunächst überfordert fühlt. Warum bohrt sich der deformierte Mann mit dem Dosenbier in der Hand einen Pinselstiel ins Auge, und was genau quillt da aus seiner blutig aufgerissenen Hose? Warum sitzt Superman mit einer goldenen Armbanduhr im Gefängnis auf dem Klo? Und warum fingert George Bush junior mit dem Zeigefinger einem dreiäugigen Monster unter der Oberlippe herum?

 

In den späten Fünfzigern begann Saul, der 1934 in San Francisco geboren wurde, Kühlschränke als Orte der Verheißung und leeren Versprechungen zu malen. Ähnlich wie Pop-Art-Künstler integrierte er Elemente der Produktwerbung in seine Bilder. Anders als diese überhöhte er die cleane Ästhetik aber nicht, er verhackstückte und verschmuddelte sie, um so die Abgründe des Massenkonsums in ihrer Widerwärtigkeit zu zeigen. 

Die dunkle Seite der Pop-Art

So entstanden Bilder, die einen nicht gleichgültig lassen, weil sie komisch, aber auch zutiefst böse sind. Sie vereinen die grelle Farbigkeit und Unmittelbarkeit der Pop Art mit Sozialkritik und der Absurdität des Surrealismus. Die Kompositionen sind in der Regel so chaotisch und komplex, dass sich vieles darin nicht entschlüsseln lässt. Die wesentliche Aussage wird aber meist unmittelbar deutlich: Saul wettert gegen das weiße Establishment und die Politik der USA – was womöglich der Grund dafür ist, dass der Künstler außerhalb von Expertenkreisen nie wirklich bekannt wurde. Die Ausstellung in der Schirn-Kunsthalle, die erstmals in Europa eine umfangreiche Retrospektive zeigt, könnte das ändern.

Der Sündenfall
Während seiner Amtszeit war George W. Bush einer der meistgehassten Politiker der USA. Der Image-Wandel gelang ihm ausgerechnet mit der Kunst. In neuen Werken thematisiert er den Irak-Krieg. Kann das gut gehen?

Auch der Vietnamkrieg spielte eine wesentliche Rolle in Sauls Kunst: Als einer der ersten Maler wendete er sich1966 mit seinen Vietnam-Bildern einem der dunkelsten Kapitel der US-Geschichte zu. Die Serie entstand als "bitterer sozialer Kommentar der unmittelbaren Gegenwart", schreibt Kuratorin Martina Weinhart im Katalog. "Das wird Kunst als Waffe sein, die auf die amerikanischen Streitkräfte gerichtet ist", erklärte Saul 1967 in einem Brief an seinen Galeristen Allan Frumkin. Im selben Jahr entstand "Saigon": ein wüstes, chaotisches Bild voller Obszönitäten. Um Missverständnissen vorzubeugen, hat Saul eine schriftliche Erläuterung des Dargestellten im Bild untergebracht: "White Boys torturing and raping the people of Saigon".

Peter Saul
Lange bevor „Bad Painting“ ein zentrales Anliegen der zeitgenössischen Kunst wurde, verletzte Saul mit seinen Crossover-Arbeiten bewusst den guten Geschmack. Erstmals in Europa ist ein umfassender Überblick über das bislang wenig beachtete Werk des US-amerikanischen Malers (*1934) zu sehen
Schirn-Kunsthalle ,  Frankfurt am Main
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