Reiseführer zur Documenta 14

Spielorte in Kassel

Knapp 30 Veranstaltungsorte bespielt die Documenta in Kassel. Fast alle Museen der Stadt sind dabei, aber auch ungewöhnliche Locations laden zu Spaziergängen durch den Nordstadtpark, zum Kulturbahnhof oder in die ehemalige Hauptpost. Im Artikel finden Sie auch eine praktische Karte zum Download.
Spielorte in Kassel

Das Fridericianum. Am Zwehrenturm (rechts) lässt Daniel Knorr Rauch aufsteigen

Infozentrum, Leder Meid (1): Ehemaliges Lederwarengeschäft, Infozentrum für Presse und BesucherInnen (Friedrichsplatz 4). Zusätzlich gibt es einen Documenta-Service-Point der Sparkassen-Finanzgruppe in unmittelbarer Nähe zum Friedrichsplatz, zwischen der Oberen Königsstraße und dem Fridericianum. Hier werden Fragen beantwortet. Eine Lounge lädt zum Verweilen ein und bietet ein umfangreiches digitales Angebot zur Vor- und Nachbereitung des Ausstellungsbesuchs: iPads mit vielfältigen Informationen rund um die Documenta und auch zu den Skulptur Projekten Münster.

Fridericianum (2): Ausgangspunkt für fast jeden Besucher einer documenta ist das Fridericianum am Friedrichsplatz. Es war der erste rein klassizistische Bau Deutschlands und eines der ersten Museen auf dem europäischen Kontinent. Das Fridericianum wurde ebenfalls nach den Plänen von Simon Louis du Ry in den Jahren 1769 bis 1779 erbaut und nach seinem Stifter Landgraf Friedrich II. benannt.

Friedrichsplatz (3): Der Friedrichsplatz, 1768 nach den Plänen des Baumeisters Simon Louis du Ry (1726–1799) angelegt, ist einer der größten innerstädtischen Plätze Deutschlands. Auch wenn die Außenkunstwerke jeder documenta auf dem Friedrichsplatz wieder abgebaut werden, bleiben einige fest auf dem Platz verankert: so zwei der Beuys-Eichen und der Vertikale Erdkilometer von Walter De Maria. Am 19. Mai 1933 wurden auf dem Platz 2000 Bücher von den Nazis verbrannt. Aus diesem Grund errichtet Marta Minujín zur documenta 14 hier ihren Parthenon der Bücher, für den Tausende von einst verbotenen Büchern zusammengetragen wurden.

Spielorte in Kassel

Die wichtigsten Spielorte im Überblick. Eine druckfähige Datei der Karte können Sie hier herunterladen.

documenta-Halle (5): Unweit des Ottoneums befindet sich die documenta-Halle, die 1992 zur documenta 9 nach den Plänen von Jochem Jourdan und Bernhard Müller im postmodernen Stil erbaut wurde. Sie dient auch außerhalb der Weltkunstschau als Ausstellungs- und Messehalle.

Orangerie und Karlsaue (7): Das ehemalige barocke Stadtschloss, heute Sitz des astronomisch-physikalischen kabinetts, liegt mitten im großen Aue-Park, der auch für die documenta genutzt wird.

Peppermint (11): Das documenta-14-Büro in der Unteren Karlsstraße 8.

Kinos (12, 25, 27, 33): Die documenta gastiert in folgenden Lichtspielhäusern: Bali-Kinos im Kulturbahnhof, CineStar (Karlsplatz 8), Gloria (Friedrich-Ebert-Straße 3), Filmladen (Goethestraße 31) .

Museum für Sepulkralkultur (13): Das weltweit erste Sepulkralmuseum wurde 1992 in Kassel auf dem Gelände der ehemaligen Henschel-Villa auf dem Weinberg eröffnet. Der Münchner Architekt Wilhelm Kücker bezog das denkmalgeschützte Remisengebäude (1903) in den Neubau aus Beton und Glas ein. 

Ottoneum (14): Das Ottoneum (Steinweg 2), heute Naturkundemuseum, wurde auf Wunsch von Landgraf Moritz (1572–1632) zwischen 1603 und 1606 gebaut und war das erste feststehende Theatergebäude Deutschlands. Heute beherbergt es die berühmte Schildbachsche Holz-bibliothek mit ihren 530 Bänden und den sogenannten Goethe-Elefanten.

Hessisches Landesmuseum (15): Das Haus (Brüder-Grimm-Platz 5) ist seit Ende 2016 wiedereröffnet. Das 1913 eingeweihte Gebäude des Architekten Theodor Fischer verbindet Elemente des Jugendstils und der Neorenaissance. Das Architektenbüro HG Merz hat es umfassend modernisiert und ermöglicht nun einen Überblick über 300 000 Jahre (nord)hessische Landes- und Kulturgeschichte. Auf drei Ebenen sind die Sammlungen der Vor- und Frühgeschichte, der angewandten Kunst sowie der Volkskunde zu sehen. Vom Turm aus hat man einen herrlichen Blick.

Spielorte in Kassel

Die Neue Galerie

Neue Galerie (18): Geht man die Schöne Aussicht oberhalb der Aue hoch, vorbei am ehemaligen Wohnhaus der Grimms und dem Palais Bellevue, das lange Zeit als Grimm-Museum diente, gelangt man zur Neuen Galerie (Schöne Aussicht 1). Sie wurde 1871 bis 1877 von Heinrich von Dehn-Rotfelser als damals richtungsweisender Museumsbau im Stil der Neorenaissance gebaut. Bis zum Zweiten Weltkrieg beherbergte sie die Alten Meister, bevor diese aus dem zerstörten Gebäude ins Schloss Wilhelmshöhe gebracht wurden. Heute sind hier einige Arbeiten von documenta-Künstlern ausgestellt. Die berühmteste ist sicher die Installation The Pack (das Rudel) von Joseph Beuys. Der Künstler richtete den Raum zur Eröffnung des Hauses im Jahr 1976 selbst ein.

Grimmwelt (19): Vom Aachener Architekturbüro kadawittfeldarchitektur geplant und 2015 eröffnet, ist die Grimmwelt (Weinbergstraße 21) bereits vielfach ausgezeichnet als Bau und Ausstellungshaus. Das Museum zeigt, teils interaktiv, das Schaffen der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm, die insgesamt fast 30 Jahre in Kassel lebten, nicht nur Märchen sammelten und schrieben, sondern auch Sprachforschung betrieben.

Stadtmuseum (20): Das sanierte Museum (Ständeplatz 16) zeigt den Aufstieg Kassels zur Residenzstadt, seine fast völlige Zerstörung im Zweiten Weltkrieg und den schnellen Wiederaufbau.

Palais Bellevue (22): Das letzte komplett erhaltene historische Gebäude in der Kasseler Innenstadt (An der schönen Aussicht), das um 1714 von Paul du Ry errichtet wurde. 

Königsplatz (23): Auf dem im Zentrum der City gelegenen Platz steht ein ganz besonderer documenta-Beitrag: ein 16 Meter hoher Obelisk.

Untergrund (26): Auch die ehemalige Unterführung am Kulturbahnhof wird von der documenta als Spielort genutzt.

Spielorte in Kassel

Neue Spielorte in der Kassler Nordstadt

Neue Hauptpost (28): Das nach fünfjähriger Bauzeit 1975 eröffnete Gebäude (Untere Königsstraße 95) ersetzte die Alte Hauptpost in der Friedrich-Ebert-Straße. Es befindet sich zwischen dem Stadtzentrum und der Nordstadt und gegenüber dem markanten Stern-Hochhaus.

Gießhaus (29): Zu den herausragenden Gebäuden der Universität gehört das Gießhaus (Mönchebergstraße 19), das heute Veranstaltungshaus und eines der wenigen noch erhaltenen Baudenkmäler aus der Zeit der Frühindustrialisierung ist. Erbauer war 1836/37 der Maschinenfabrikant Carl-Anton Henschel. Der Rundbau diente später als Werksmuseum der Firma Henschel & Sohn. Das Unternehmen produzierte im Nationalsozialismus vor allem für die Rüstung, weshalb viele Firmengebäude bombardiert wurden. 

Gottschalk-Halle (30): In der Gottschalkstraße werden von der Universität ehemalige Gebäude der Tuch- und Zeltweberei Gottschalk & Co. genutzt. Dazu gehören die unter Denkmalschutz stehenden beiden Torhäuser, die 1889 entstandene Produktionshalle, wo zur documenta 12 die 1001 Fairytale-Gäste von Ai Weiwei untergebracht wurden, und das Werkstattgebäude an der Kreuzung zur Ludwigstraße, das die diesjährige documenta nutzt. Es entstand 1973 und wurde, nachdem die Firma in den neunziger Jahren geschlossen hatte, 2002 vom Land Hessen erworben.

Schlachthof (32): Kulturzentrum in der Mombachstaße 10–12.

Torwache (34): Zwei Gebäude einer unvollendet gebliebenen, fragmentarisch erhaltenen Toranlage (am Brüder-Grimm-Platz).

Ballhaus (35): Unter König Jérôme Bonaparte, der von 1807 bis 1813 regierte, entstand 1810 neben dem Schloss Wilhelms-Höhe ein Hoftheater. Kurfürst Wilhelm II., der von 1821 bis 1831 regierte, ließ es von 1828 bis 1830 von seinem Architekten Johann Conrad Bromeis zum heutigen Ballhaus umbauen. Der reich ausgemalte Saal, eben saniert, ist normalerweise nur bei besonderen Veranstaltungen und mit Führungen zu besichtigen.

Hansa-Haus: Großer Gebäudekomplex am Altmarkt (Kurt-Schumacher-Straße 27).

Lehmbauten: Am südlichen Ende der Kunsthochschule, die zur Universität Kassel gehört, befinden sich die Lehmbauten. Sie entstanden während eines Forschungsprojekts des Architekturprofessors Gernot Minke, der in den achtziger Jahren über Lehmbau forschte.

Staatstheater: Das Dreisparten-Haus wurde 1955 bis 1959 nach Plänen von Paul Bode gebaut (Friedrichsplatz 15).

Documenta 14
So gigantisch, dass sie nur alle fünf Jahre stattfinden kann: Die Documenta in Kassel ist eine der weltweit bedeutendsten Ausstellungsreihen zeitgenössischer Kunst. Hier finden Sie Bilder, Berichte und Highlights aus Kassel und Athen