29 / 06 / 2009
Michael Jackson
Pop und Kunst
INS KULTURELLE UNBEWUSSTE EINGEFRESSEN
Mit dem plötzlichen Tod des Idols in Los Angeles am vergangenen Donnerstag ist nicht nur einer der ganz Großen der goldenen Pop-Ära der achtziger Jahre verschwunden, sondern es versiegt auch eine Inspirationsquelle für Künstler, die sich mit den gleißenden Oberflächen der Popkultur, den Extremen des Starkults oder zuletzt auch mit dem langsamen Untergang eines ehemals mächtigen kulturellen Zeichensystems der Reagan-Phase auseinandersetzen.
Dabei blieb es Jacksons fast gleichaltrigen Generationsgenossen und Landsmann Jeff Koons vorbehalten, das wohl ikonischste Jackson-Werk überhaupt zu produzieren: An Koons' Keramik "Michael Jackson and Bubbles" (1988) aus der Banality-Serie mit ihren makellosen, vergoldeten Porzellanoberflächen scheinen schon die ersten kursierenden schmutzigen und verrückten Gerüchte um Jacksons zunehmend exzentrisches Verhalten abzuperlen wie an einer Teflonoberfläche.
Die Reinheit des Popidols bleibt gewahrt, auch wenn das sinistre Grinsen des ähnlich wie Jackson gekleideten Schimpansen kaum vertrauenserweckend wirkt. Anders als im vier Jahre zuvor entstandenen Jackson-Porträt von Warhol, welches für das Titelblatt des "Times"-Magazin 1984 Verwendung fand, stellt Koons Jackson als Ausnahmefigur dar – während das ehemalige Mitglied der Jackson 5 für den älteren Warhol wohl nur ein Popsternchen unter vielen war: von Mick Jagger, Aretha Franklin, Grace Jones oder Prince existieren ähnliche Siebdruckporträts.
Als sich in den Neunzigern das öffentliche Bild Jacksons infolge von Skandalen und kommerziellen Misserfolgen zunehmend verdunkelt, finden sich auch in der Kunst vermehrt verzerrte Darstellungen, die sich der monströsen Seite ehemals kultisch verehrten Popstars widmen, wie etwa die beiden Skulpturen "Michael Jackson White" (1997-99) und "Michael Jackson Fucked Up (Big Head)" (2002) des Amerikaners Paul McCarthy. Ob Koons-Hommage oder Verulkung: Mit den deformierten Köpfen findet McCarthy eine Form für die Unwucht und das Angefressene, das Jacksons Bild in den Medien längst angenommen hat.
Fast nostalgisch wirkt hingegen "Foot Stompin" (1991), eine Plattencover-Collage von Christian Marclay. Jacksons 1982er Bestselleralbum "Thriller" dient als Basis zur Realisierung einer einfachen wie schönen Idee, die sich sowohl auf visuelle Stereotypen in der Gestaltung von Plattencovern bezieht und zugleich die große Zeit des Vinyls und seiner Cover-Art beschwört. Von "Thriller" handelt auch die Videoarbeit der Südafrikanerin Candice Breitz in der das Verschwinden Jacksons schließlich schon 2005 vorweggenommen wurde. Für "King (A Portrait of Michael Jackson)" filmte Breitz in Berlin 16 Jackson-Fans, wie sie sämtliche Titel des Albums lauthals mitsingen, während sie über Kopfhörer das Original hören. Obwohl der Star weder in Bild noch Ton anwesend ist, atmet die kollektiv-einsame Performance seiner Jünger ganz seinen Geist. Längst haben sich seine Songs und Choreografien ins kulturelle Unbewusste eingefressen. Endgültig verlassen wird Jacko uns also nie.
29 / 06 / 2009
6 Leserkommentare vorhanden
am58
16:52
29 / 06 / 09 //
Einseitige Beziehung?
Ich würde im Gegenzug doch vorschlagen, einmal Jacksons Video zu Scream vorzustellen, dann würde schnell deutlich werden, dass die Beziehung nicht ganz so einseitig ist. http://www.youtube.com/watch?v=HIoCkk7JY58
Eduard Zeisner
17:38
10 / 07 / 09 //
Kunst nach dem Tod des "King of Pop"
Zeitgemäß verfolgte die Kunst um Michael Jackson herum natürlich sein Image in der Öffentlichkeit, ich denke dass ja genau das auch Sinn und Wert der Kunst ausmachen, d.h. Momente, Gefühle und Spähren zu erfassen und somit zu konservieren. Ich denke auch dass sich Künstler zuküntig mit dem Tod Michael's auseinandersetzen werden, da dieser doch sehr tragisch und seltsam erfolgte und wahrscheinlich eine Mysterie bleiben wird. Mit dem Tod des Michael Jackson hat sich bereits die Künstlerin "Meng Qiu" auseinandergesetzt und mit dem Titel "King of Pop R.I.P." ein Gemälde präsentiert das meiner Meinung nach eine enorme spirituelle Ausstrahlung besitzt, im Sinne seines Todes aber auch des inneren Konflikts des King of Pop und seines damit verbundenen Charakters. Gleichzeitig strahlt das Bild auch eine starke Ruhe aus womit der Tod selbst stark fühlbar wird. Das Bild kann man bei <a href="http://www.mengcomment.com"> www.mengcomment.com </a> sehen und auch Drucke erhalten. Ich denke dass lediglich eine Post Michael Jackson Ära begonnen hat in der sich viele Künstler mit seinem Tod auseinandersetzen werden um auch diese Epoche seiner Karriere im Medium der Kunst zu erfassen. Sicher ist aber auf jeden Fall dass Michaels Musik auch in Zukunft die Kassen ordentlich klingen lassen wird!
Eduard Zeisner
17:38
10 / 07 / 09 //
Kunst nach dem Tod des "King of Pop"
Zeitgemäß verfolgte die Kunst um Michael Jackson herum natürlich sein Image in der Öffentlichkeit, ich denke dass ja genau das auch Sinn und Wert der Kunst ausmachen, d.h. Momente, Gefühle und Spähren zu erfassen und somit zu konservieren. Ich denke auch dass sich Künstler zuküntig mit dem Tod Michael's auseinandersetzen werden, da dieser doch sehr tragisch und seltsam erfolgte und wahrscheinlich eine Mysterie bleiben wird. Mit dem Tod des Michael Jackson hat sich bereits die Künstlerin "Meng Qiu" auseinandergesetzt und mit dem Titel "King of Pop R.I.P." ein Gemälde präsentiert das meiner Meinung nach eine enorme spirituelle Ausstrahlung besitzt, im Sinne seines Todes aber auch des inneren Konflikts des King of Pop und seines damit verbundenen Charakters. Gleichzeitig strahlt das Bild auch eine starke Ruhe aus womit der Tod selbst stark fühlbar wird. Das Bild kann man bei <a href="http://www.mengcomment.com"> www.mengcomment.com </a> sehen und auch Drucke erhalten. Ich denke dass lediglich eine Post Michael Jackson Ära begonnen hat in der sich viele Künstler mit seinem Tod auseinandersetzen werden um auch diese Epoche seiner Karriere im Medium der Kunst zu erfassen. Sicher ist aber auf jeden Fall dass Michaels Musik auch in Zukunft die Kassen ordentlich klingen lassen wird!
Andreas Axt
12:31
19 / 07 / 09 //
Aus Scheiße Geld machen...
M. Jackson hat mit Kunst etwa soviel zu tun, wie ein wohlgeformter Haufen Scheiße in einer Klosettschüssel, künstlerisch wertvoll und perfekt abgelichtet. Mein Tipp an art: "Schuster, bleib bei deinen Leisten!"
tischtennis
03:17
03 / 02 / 10 //
an den kommentator andreas axt
Michael Jackson IST die Pop-Kultur und verdient daher einen Platz in diesem Magazin, das sich auch mit aktuellen Themen beschäftigt. Mr. Jackson selbst hat gemalt, war Kunst-Liebhaber -und Sammler und hat sich in einigen eindrucksvollen Werken verewigen lassen, aber das sei hier nur am Rande erwähnt. Fakt ist, dass dieser Mensch, ob sie ihn mögen oder nicht, ganze Generationen geprägt hat und einen großen Einfluss auf die Musik und eben Pop-Kultur ausgeübt hat. Das ist bemerkenswert. Schon allein seine Art zu Tanzen ist unverwechselbar, ausdrucksstark, emotional, faszinierend und vor allem fast unmöglich zu imitieren also auch eine Form von Kunst. Falls Sie es nicht bemerkt haben, er erzählt Geschichten durch Tanz. Daneben verstand er es, den Musik-Videoclip als Medium zu etablieren und Bühnenshows zu revolutionieren. Er war definitiv jemand, der es verstand, Geschichten zu erzählen und sie visuell in verschiedenen Formen umzusetzen. Dabei war alles, was er tat, sein Werk und seine Gedanken wurden umgesetzt. Nicht zu vergleichen mit dem, was heute in der Industrie so läuft, wo die "Stars" vorgefertigte Sachen in die Hand bekommen. Also bevor sie hier so vorschnell urteilen, sollten sie sich mit der Person und ihrem Werk doch mehr auseinander gesetzt haben oder schweigen.
jim west
22:39
12 / 09 / 11 //
das künstlichste aller kunstwerke
michael jackson wird als romantikgenie und einflussreichster künstler des 20.Jhs unsterblich bleiben, weil er über ein völlig neues (und daher auch weiträumig missinterpretiertes) kunstverständis die welt selbst kulturell überformte, was auf derart bewusste weise schlichtweg kein mensch je zuvor getan hat und ohne moderne massenmedien auch sicher nicht hätte tun können. zeigen wird sich das ausmaß dieses kulturereignisses erst anhand künftiger generationen, ernsthaft wahrgenommen und diskutiert wird es jedoch nun, 2 jahre nach jacksons tod, schon zunehmend mehr (geschieht immer erst nachdem der spuk vorbei ist). Schon in einigen jahren wird die welt jackson auch über seine fangemeinde hinaus gänzlich neu "verhandeln" und wird sich die wirklich unbequemen, aber mehr als interessanten fragen stellen müssen (deutschland hat da ja bereits erfahrung und könnte eine vorreiterrolle übernehmen?), die letztlich immer zu kulturellem wandel führen. man darf gespannt bleiben, ob man will oder nicht.
