Banksy versus Bristol Museum

Street Art

Schnitzeljagd im Museum
Der Löwe ist los: Banksy bringt die Sammlungen des Museums ordentlich durcheinander (Foto: Wiebke Gronemeyer)

SCHNITZELJAGD IM MUSEUM

Viel Lärm um Nichts: Das Street-Art-Mysterium Banksy hat im Museum zugeschlagen – natürlich ganz offiziell und gut vermarktet. Mehr als schaukelnde Affen und dumme Sprüche hat er aber nicht zu bieten. Seinen einst so unverwechselbaren Rebellen-Charme hat er wohl auf der Straße gelassen.

// WIEBKE GRONEMEYER, LONDON

Achtung! "Die Ausstellung vermittelt Eindrücke eines kindischen Verhaltens, welches Erwachsene als äußerst enttäuschend empfinden könnten." So begrüßt das Bristol City Museum seine Besucher zur ersten institutionellen Ausstellung des britischen Guerilla-Künstler Banksy. Doch die Ankündigung zeigt keine große Wirkung. Ganz im Gegenteil, es herrscht eine überschwänglich lustige Stimmung im 1905 gegründeten Museum für Kunst, Archäologie, Erd- und Naturkunde. Man könnte meinen, man wäre im Zoo gelandet, wo Affen auf Staffeleien malen, Polizisten auf Kirmespferden reiten und animierte Würste in Terrarien krabbeln.

Das kommt wohl dabei heraus, wenn ein Museum beschließt, Sammlung und Räumlichkeiten einem anonymen Idol zu überlassen, ohne jemals mit diesem gesprochen, geschweige denn ihn getroffen zu haben. Banksy, einst Pionier der englischen Straßenkunst- und Graffitiszene und dank sammelnder Fans wie Damien Hirst, Brad Pitt und Angelina Jolie nun populärer Künstler mit Verdiensten in Millionenhöhe, macht nach wie vor ein großes Bohai um seine Identität, nachdem er im letzten Jahr von einer englischen Zeitschrift als Robert Gunningham, Kind mittelständischer Eltern aus der Nähe von Bristol, enttarnt wurde.

Begleitet von viel Geheimnistuerei widmet die Stadt Bristol nun "ihrem" Straßenkünstler, für den die Hauswand Staffelei, die Sprühdose der Pinsel und die Strickleiter das wichtigste Werkzeug ist, seine erste Ausstellung in einem staatlichen Museum. Hier zahlt der Steuerzahler ausnahmsweise mal für den Aufbau von Banksys Arbeiten und nicht dafür, dass sie mühsam von Wänden, Zügen oder Brücken abgewaschen werden.

Neben einem abgetrennten Bereich, der ältere und bekannte Arbeiten sowie den Nachbau seines Studios zeigt, hat Banksy seine Finger überall im Spiel und bringt die Sammlungen des Museums ordentlich durcheinander. So wird man im Eingang von einem schrumpeligen Eiswagen begrüßt, hinter dem eine Polizistenpuppe auf einem Kinderkirmespferd langsam vor und zurück wippt und dabei den Ausblick auf einen steinernen Löwen genießt, dessen blutrotes Maul wohl davon zeugt, dass er gerade seinen Dompteur verspeist hat. Daneben posieren auf Sockeln griechisch anmutende Frauenbildnisse mit Sonnenbrille und Shoppingtüten.

Stalaktiten und ein Phallussymbol

Was soll das nun alles bedeuten, fragt sich der Besucher, der ja schließlich erwartet, dass es im Museum etwas zu lernen gibt. Kunst und Kultur sind in der Kommerzialisierung angekommen, analysieren nicht nur die Akademiker, denn diese Darstellung lässt ja auch nicht viel Interpretationsspielraum. Eine neue Erkenntnis ist das wohl kaum, sowie auch nicht, dass die Subkultur der Street Art, von der aus Banksy seinen seltsamen Aufstieg zum anonymen Star begann, längst nicht mehr eine Insiderwelt ist, deren Künstler im Verborgenen agieren, sondern ein wichtiger Teil zeitgenössischer Kunst und ihrer Vermarktungsmaschinerie.

Und diese steht im Zentrum der Ausstellung, von Banksy selbst wunderbar als Plattitüde in einem seiner Bilder formuliert: "Exit through the gift shop". Noch anregender ist sein kleiner, aber feiner Eingriff in die Sammlung der Naturkundeartefakte: In eine Vitrine mit einer Ansammlung von Stalaktiten und Stalagmiten stellt er zwischen die Steine ein Phallussymbol, das wohl auch gerade im Begriff ist, in die Höhe zu wachsen. So begeben sich die nun täglich 5000 Besucher eines Museums, was sonst gerade mal 200-600 Gäste pro Tag verzeichnen kann, auf eine Schnitzeljagd durch die Geschosse frei nach dem Motto: Na, wo ist denn die Kunst?

Der Moment des Staunens fehlt

Ja, das ist in der Tat fraglich, dabei liegt die Ursache dieses Problems jedoch eher im Ort des Geschehens: dem Museum. Und Banksy selbst liefert die Erklärung dazu: "Die Leute schauen sich ein Ölgemälde an und bewundern Maltechnik und Pinselführung, mit der Bild und Bedeutung entstehen. Im Gegenzug schätzen die Leute bei Graffiti die Benutzung der Regenrinne als Leiter, um es ausführen zu können." Und genau deshalb, weil es im Museum keine Regenrinne gibt, der Moment des Staunens fehlt und nur als billiger Überraschungseffekt in Vitrinen inszeniert ist, sollte Banksy lieber auf der Straße bleiben.

Geht man nämlich 200 Meter die Park Street hinunter, dann findet man einen "echten Banksy" und den Grund was Bristol mit Banksy, oder andersherum, verbindet: An der Hauswand einer Klinik für Geschlechtskrankheiten und gut sichtbar aus den Zimmern der Stadtverwaltung gestaltete er 2006 ein Wandbild, auf dem ein eifersüchtiger Ehemann gerade seine Frau in flagranti erwischt hat und nun nach dem Geliebten aus dem Fenster Ausschau hält, der kläglich an der Hauswand herunterzufallen droht. Die Stadt wollte das Werk sofort entfernen lassen, doch 93 Prozent der Bristoler stimmten erfolgreich dagegen. Den verlorenen Sohn aber nun gleich so überschwänglich in den städtischen Armen mit einer Retrospektive willkommen zu heißen, hätte auch nicht sein müssen.

"Banksy versus Bristol Museum"

Termin: bis 31. August 2009, Bristol Museum, Queen's Road, Bristol

http://www.banksy.co.uk

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10 Leserkommentare vorhanden

peakhood

17:33

26 / 06 / 09 // 

schade

seltsam das die negativen kritiken zu street art immerwieder nur aus deutschland kommen und diese kunstrichtung schon vor 5 jahren für tod ernannt haben. der rest der welt freut sich über solche ausstellungen und feiert diese.es gab zig berichte in der bbc zu sehen und alle waren durchgehend positiv bewertet von deren kritiker. anscheinend sehen, oder wahrscheinlich sehen sie es nicht, deutsche kunstkritiker etwas anderes als der rest der welt. schade, p.

samda boyle

18:54

26 / 06 / 09 // 

das kommt davon, ...

...wenn man versucht, einen im besten Sinne wilden Künstler zu domestizieren. Vielleicht ist es aber auch der Druck, in jedem Wínkel des Museum witzig sein zu müssen. Das bleibt dann leider beim slapstick - auch wenn die street art lovers sich noch so über Kritik an ihrem Heiligen beschweren, gute Kunst wird sich gegen stand up comedy behaupten. Banksy, geh wieder auf die Straße und verschenk deine Millionen an die Armen! Ein gutes Beispiel für Kunst, die sich einmischt und wichtige Themen anreißt, haben Sie letztens im Interview mit Hermann Josef Hack gebracht. Mehr davon!

michael crome

18:55

26 / 06 / 09 // 

aus der Seele gesprochen

ich kann dem nur beipflichten!

Einsiedlerkrebs

02:10

27 / 06 / 09 // 

War doch erfolgreich.

Seine Werke haben wichtige Botschaften; er platziert sie an öffentlichen Plätzen, um so mehr Menschen zu erreichen. Die allgemeinen Masse kennt ihn nicht und die meisten, die ihn kennen, bezeichnen ihn als Vandale und nicht als Künstler. Mit dieser Ausstellung hat er sich von der Straße abgehoben, ohne sie zu verlassen. Man wird sicherlich weitere Werke an Hauswänden sehen, aber sie bekommen mehr Bedeutung und es wird hoffentlich schwerer für die Städte, sie zu entfernen. Leider wissen viele Leute nicht, dass es auch Außerhalb von Museen, Galerien und Ausstellungen Kunstwerke gibt. Ich finde, dass er nicht nur seinen Straßenwerken mehr Bedeutung gegeben hat, sondern allen Street-Art-Künstlern.

2x

04:12

27 / 06 / 09 // 

einer & anderer seits

natürlich habe ich diese austellung noch nicht selbst gesehen .. ich kann aber die nacherzählungen und die damit wohl verbundenen emotionen der autorin in etwa nachvollziehen. die erwartungen an einen "banksy" sind wohl so hoch geschraubt, dass man einen "echten" banksy am liebsten als erster in dem noch unbekannten viertel seiner stadt entdecken möchte. einmal dieser potenz gegenüber stehen .. ja genauso wie einem frisch bemalten zug in der pendlerstunde, nach dem feiern oder doch während eines großereignisses gegenüber stehen .. dieses gefühl macht dann anscheinend "die strasse" aus, von dem frau autorin dann schreibt.. klar ..es kommt wohl auf den moment an sich an .. aber ist dieser in einem museum eh gut aufgehoben?

gooooogler

20:50

28 / 06 / 09 // 

wenn sie meint...

ich finde die ausstellung sehr gelungen. banksy hat schon oft gezeigt, dass er mit pinsel und dose und anderen techniken umgehen kann, wie viele andere künstler auch. doch das verbinden von können, witz und aussage ist ein spitzensport, den banksy als einer der wenigen perfekt beherrscht! der bericht ist sehr schlecht recherschiert und sehr einseitig dargestellt. aber das passiert eben, wenn ******* versuchen eine subkultur zu kritisieren.

Dondi

14:45

30 / 06 / 09 // 

Bitte reflektierter!

graffiti in museen ist langweilig, da stimme ich ihnen gern zu. nur macht banksy kein graffiti! banksy macht street art. aber bei seiner ausstellung im museum gibts die auch nicht zu sehen. da gibt es ironische pop kunst (die mit stilmitteln, die er auch bei seiner street art verwendet), die unsere westliche konsumgesellschaft hinterfragt. um seine kunst verstehen zu können bedarf es ersteinmal gewissen assoziativen fähigkeiten, schließlich auch humor aber grundvoraussetzung ist auch eine gewisse kenntnis und kritische hinterfragung von politik und urbanem leben. er parodiert und dadurch kritisiert er alles. zeigt widersprüche die wir westler in uns tragen auf. -mc donald vs. hungernde kinder / wo hört soz. verantwortung auf? -drohender polizei staat? anachronismus queen? -museumsbetrieb und der ganze firlefanz zu dem er mittlerweile auch gehört- klingt widersprüchlcih, aber wer is heute schon straight ich könnte lange so weiter machen jedenfalls bietet er viele denkansätze. man muss sich nur auf ihn einlassen! was mich außerdem stört ist, dass man gerade bei der ART so unaufgeklärt ist, was straßenkusnt, graffiti etc. angeht. gerade seit banksy berühmt ist und in den betrieb geplatzt ist. sollte man doch damit beginnen sich mit new yorker graffiti und seiner geisteshaltung und entwicklung in europa sowie der street art und all solchen dingen auseinander setzen, um überhaupt in der lage zu sein einen anständigen artikel zu verfassen. Blickwinkel ändern! ich schreibe ja auch keinen artikel über juan gris ohne über seine einflüsse und das zeitgenössische paris zu recherschieren!

Raphael

19:53

30 / 06 / 09 // 

Thats the Truth...

Wäre wohl vorteilhafter gewesen einen Artikel über einen der(immernoch) größten Künstler dieser Epoche, von einer nicht ganz so „Graffiti-voreingenommenen“ Person schreiben zu lassen. Es kommt gleich am anfang dieses Artikel eine sehr pregnante manische Voreingenommenheit rüber, die nicht einmal spielraum für tatsachliche positive kritik übrig lässt. Selbst wenn man von Banksys Werken nicht so überzeugt ist (was aufgrund eines verschiedenen Geschmacks ja gut und gerne möglich ist), muss man ihm dennoch den ein oder anderen offensichtlichen Erfolg zugestehen. Und wenn die „Akademiker“ (ein sehr fragwürdiger begriff für eine objektive bewertung) jetzt sagen, dass die Kunst und Kultur in der Kommerzialisierung angekommen sind, dann wird dass wohl stimmen… Kleine Empfelung: MAL SELBER GEDANKEN MACHEN…

Thomas

13:41

01 / 07 / 09 // 

Die Autorin des Artikels....

hat anscheinend ein Problem damit, dass sich Banksy dem Medienhype was seine Person und sein Privatleben betrifft verschliesst. Da kann man keine Interviews machen, da kann man keine Fotos schießen, kein roter Teppich, kein Banksy hat hier eingekauft, kein Banksy trägt jenes T-Shirt von dieser Marke, kein Banksy in peinlichen Situationen. Ich sage: Lasst den Mann einfach in Ruhe arbeiten. Dass hinter seiner Arbeit ein "ausgekügeltes Marketingkonzept" stehen soll, kann sein. Muss aber nicht. Ist auch egal. Man hat bei dieser Feststellung der Autorin den Eindruck, Sie habe sich den Brei der bisher erschienen Presseartikel über Banksy im Internet vorgenommen und daraus unüberprüft zitiert. Oder können Sie mir sagen: Wer ist Banksys Marketing-Manager? Ist es ein Team? Welche Strategie verfolgt er in den nächsten 5 Jahren? Folgt er einer Marketing-Strategie, die man an bald an Universitäten analysieren wird? Für mich sind Banksys Ideen frisch, witzig, teilweise genial!!! Die Werke sind für Jedermann da und verständlich. Man hat einfach Spaß an seinen Arbeiten oder auch nicht. Das ist es, was ihm eine große Fangemeinde beschert. Ihre Zunft will ihn unter Druck setzen, erwartet Genialität, will bewerten, gut, schlecht. Belanglos. Seine Fans wollen Spaß!!!

Konstantin

21:20

18 / 07 / 09 // 

... Die Autorin...

Über Kunst kann man streiten. Es scheint mir jedoch das die Autorin einfach keine Ahnung hat!