Whitney Biennale

Protest gegen Trumps Welt

Neuer Präsident, neues Ausstellungsgebäude und eine deftige Kontoverse: Amerikas Künstler arbeiten sich bei der Whitney Biennale an den neuen Zeiten ab – und thematisieren Rassismus, Waffenirrsinn und die Verstrickungen von Kunst und Geld. Diskutiert wurde vor allem über ein Bild von Dana Schutz.

Es ist die Biennale einer neuen Zeit. Zum ersten Mal seit dem Umzug des Whitney Museum of American Art steigt die Gruppenschau, die eine Momentaufnahme der heutigen USA liefern soll, im neuen von Renzo Piano gestalteten Gebäude Downtown. Und unter US-Präsident Donald Trump, der das Kulturbudget im Staatshaushalt streichen will, werden nicht nur liberale Werte und die Kunst angegriffen. Mit Trumps Politik der alternativen Fakten steht die Wahrheit unter Beschuss.

Wie die 63 Künstler und Kollektive, die das junge Kuratorenduo Christopher Y. Lew und Mia Locks weit vor Trumps Wahlsieg auswählte, auf die neue Realität reagieren, wurde mit Spannung erwartet. Es ist eine zeitkritische Ausstellung mit starken Einzelpositionen, die Probleme wie Rassismus, Waffenirrsinn oder die Verstrickung von armen Künstlern, Geld, Gönnern und Museen adressiert. Einzige Kritik vielleicht: dass die Themen in der aufgeräumten Schau fast schon zu streberhaft abgearbeitet werden. Man trifft auf viele alte Bekannte wie die deutsche, in New York lebende Künstlerin Kerstin Brätsch, die in Kollaboration mit Debo Eilers (unter dem Namen KAYA) grenzüberschreitende Malereien zeigt. Die L. A.-Künstlerin Kaari Upson ist mit ihren Skulpturen aus alten Matratzen und geschundenen Sofas dabei, die Fotografin Deana Lawson mit ihren inszenierten Porträts der afroamerikanischen Realität. 

Künstler, an die Arbeit!
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Oder die New Yorker Malerin Dana Schutz, die mit drei neuen Bildern vertreten ist und mit "Open Casket" für die einzige Kontroverse der Biennale sorgte: Das berühmte, die schwarze Bürgerrechtsbewegung auslösende Foto von der Leiche von Emmett Till – ein afroamerikanischer Junge, der 1955 in Mississippi gelyncht wurde, weil er angeblich mit einer weißen Frau geflirtet hatte – hatte Schutz als Vorlage gedient. Eine kleine Gruppe von Künstlern organisierte einen Protest, weil sich eine weiße Künstlerin eines "schwarzen" Thema bedient hatte. 

Maler sind bei dieser Biennale stärker als in den Vorjahren vertreten. Der 59-jährige Henry Taylor zeigt auf einem seiner figurativen Werke den sterbenden Philando Castile, der 2016 bei einer Fahrzeugkontrolle von einem weißen Polizisten erschossen wurde. Carrie Moyer führt mit ihren Arbeiten das Erbe von abstrakten Meisterinnen wie Helen Frankenthaler und Elizabeth Murray weiter. Aliza Nisenbaum bildet das Leben von illegalen Immigranten ab, Celeste Dupuy-Spencer das des weißen Amerika und seinen Trump-Wählern. 

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Wie Raúl de Nieves, der eine Fensterfront in ein Kirchenfenster verwandelte, vor dem er seine mit Perlen besetzten Skulpturen als Symbole für Knechtschaft und Religion platzierte, spielen die Künstler gekonnt mit dem Gebäude. Auf einer der Außenterrassen taucht der 77-jährige Bildhauer Larry Bell mit seinen Würfelskulpturen aus rotem Glas die Welt in alarmierende Bonbonfarben. Während Jordan Wolfson den Besuchern 3-D-Brillen aufsetzt und sie Zeuge kranker, sinnloser Gewalt werden lässt, wartet draußen bei den Treppenaufgängen Lady Liberty. Die lebendige Freiheitsstatue wurde von dem Künstler Puppies Puppies in Stellung gebracht. New Yorks Freiheitsstatue symbolisiert Freundschaft zwischen Nationen, Freiheit, Demokratie und die Hoffnung von Millionen von Einwanderern. Werte, die in Trumps Amerika nicht mehr viel zählen. So steht die grüne Lady frierend und einsam vor den Türen des Museums. In dieser Neuen Welt hat sie einfach keinen Platz mehr.

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