Art Cologne: Wolfgang-Hahn-Preis 2017

Wo ist Trisha Donnelly?

Sie ist einfach nicht zu fassen. Trisha Donnelly ist eine Meisterin darin, Kunst mit möglichst wenig Kunst zu machen.
Wo ist Trisha Donnelly?

Installationsansicht von Trisha Donnellys Ausstellung in der Serralves Villa in Porto 2016

Den ersten Auftritt hatte Trisha Donnels hoch zu Ross. Sie ritt im Kostüm eines napoleonischen Boten vor ihre New Yorker Galerie, verkündete, dass der Kaiser gefallen sei, und verschwand in der Nacht. Seitdem hat die 1974 geborene Kalifornierin von Steinblöcken über abstrakte Filme bis zu hauchzarten Bleistiftzeichnungen das Spektrum der zeitgenössischen Kunst bedient, ohne sich fassbarer zu machen als in jener Premierennacht.

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Im Sommer 2016 war in Porto eine Ausstellung zu sehen, in der man Donnellys Werke in den Räumen einer umgebauten Industriellenvilla suchen musste. Zahlreiche Arbeiten waren Eingriffe in den Ort, etwa eine Installation mit Geräuschen, die aus Heizungsrohren zu strömen schienen, oder ein geöffnetes Fenster, durch das Luft in die Kunstwelt hinein- oder der Wind der Kunst in die Welt hinausblies.

Der Inhalt der Ausstellung bleibt bis kurz vor Eröffnung ein Geheimnis

Zum Verkaufsschlager wurde Donnelly damit nicht, dafür zum Liebling vieler Kuratoren. Ihre Arbeiten waren in der Londoner Serpentine Gallery zu sehen, in der Kunsthalle Zürich, bei der Documenta 13, auf zwei der zurückliegenden drei Biennalen von Venedig, und jetzt erhält sie den Wolfgang-Hahn-Preis 2017. Diese mit 100 000 Euro dotierte Ehrung wird von der Gesellschaft für Moderne Kunst am Museum Ludwig vergeben und setzt sich aus dem Ankauf eines Werks für das Kölner Museum und einer Ausstellung zusammen.

Dass der Inhalt der Donnelly-Schau kurz vor Eröffnung ein Geheimnis ist, gehört, so darf man vermuten, zum Spiel: Die Pressesprecherin des Museums beteuert, sie wisse nichts, Yilmaz Dziewior, Direktor des Hauses, sagt, er wäre nicht überrascht, wenn Donnelly ihn überraschen würde. Die Preisgeber sind in die Pläne der Preisträgerin insoweit eingeweiht, dass es neue Arbeiten zu sehen gebe – "ganz bestimmt etwas mit Projektionen".

Bei ihrem paradoxen Bemühen, die Kunstwelt zu erobern, indem sie in dieser so wenig Spuren und wirkliche Werke hinterlässt, fehlt Trisha Donnely noch eine leere Ausstellungshalle mit abwesender Künstlerin und vielleicht einem selbst ausgestellten Attest. Die Preisverleihung, so viel ist sicher, soll am 24. April 2017 um 18.30 Uhr beginnen.

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