Alexandra Bircken in Mönchengladbach

Uneasy Rider

Wie Trophäen hängen die Biker-Monturen da an der Wand, die Motorräder selbst werden seziert wie anatomische Präparate: Die Kölner Künstlerin Alexandra Bircken führt so die Verletzlichkeit des Menschen vor Augen.

Mitte März beginnt allmählich die Motorradsaison, und Heerscharen gepanzerter Menschen eröffnen die Jagd auf die eigene Gesundheit. Da könnte man es beinahe etwas ­zynisch finden, dass sich das Museum Abteiberg in Mönchengladbach gerade jetzt eine Reihe von wie Tierfelle drapierten Biker-Monturen an die Wand hängt.

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Strecken Teaser

Sie gehören zur großen Werkschau der Kölner Künstlerin Alexan­dra Bircken (Jahrgang1967). Sie hat in London Modedesign studiert, bevor sie das Fach wechselte, und versteht sich daher bestens auf die zweite Haut des Menschen, und natürlich weiß sie auch, dass Motorradkleidung nicht nur schützen und schmücken soll, sondern auch der erträumten Verschmelzung mit der Maschine dient. Allerdings gesellt Bircken ihrer "Trophäensammlung" keine zu Schrottklumpen gepressten Wracks bei. Sie sägt die Motorräder stattdessen säuberlich in der Mitte auseinander und stellt sie wie anatomische Schauobjekte aus.

Im Jahr 2003 begann Alexandra Bircken mit dem Shop "Alex" in Köln ihre künstlerische Laufbahn und hat seitdem ihr Sortiment beständig um skulpturale Metaphern für die Verletzlichkeit und Schutzbedürftigkeit des Menschen erweitert. Sie "häkelt" mit Stahlösen und Magneten, setzt aus Zivilisationsresten wacklige Baumhäuser zusammen, in denen sich die archaische Sehnsucht nach einem Schutzraum mit apokalyptischen Ängsten mischt. Und sie bastelt zerbrechliche Skulpturen aus dünnen Hölzern, Draht und menschlichen Haaren, die wie Totems für die Abwehr von Gefahren windschief in der Gegend stehen. Und auch Mode gibt es bei Bircken immer noch: Ihre aus Schaufensterpuppen rekrutierte New Model Army trägt hautenge Lumpenkleider aus Nylon und Lederflicken – nichts, womit man zuversichtlich in die Schlacht gegen schlechtes Wetter oder feindliche Soldaten zieht.

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Das Museum Abteiberg zeigt rund 60 Arbeiten von Bircken, darunter bislang nie ausgestellte Skizzen und Objekte. Auf dem Weg durch die Schau begegnet der Besucher menschenähnlichen Skulpturen, die ähnlich wie Schülerlotsen durch einen Parcours hinfälliger Apparate und Indus­trieprodukte führen. Es sind Maschinen und Materialien, die uns durch ihre zähen Oberflächen Mut zusprechen sollten und uns die eigene Zerbrechlichkeit doch nur umso deutlicher vor Augen führen.

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